Sicherheit auf zwei und vier Rädern : Höhere Strafen für Rüpel-Radler

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar ging es auf Initiative der Länder verstärkt um so genannte Risiko- oder Rüpel-Radler. Experten sind alarmiert und die Länderkammer wird wohl noch diese Woche höhere Geldbußen beschließen. Teurer wird es auch für Autofahrer.

Radfahrer sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Leider benehmen sich Rüpel-Radler unter ihnen auch oft daneben.
Radfahrer sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Leider benehmen sich Rüpel-Radler unter ihnen auch oft daneben.Foto: dpa

Die Verkehrswege in deutschen Städten sind für alle da - im Prinzip. Autofahrer, Radler und Fußgänger sollen Rücksicht nehmen und sich nicht gefährlich in die Quere kommen. Doch Ärger kocht leicht hoch. Wenn im Dunklen plötzlich ein Schatten auf zwei Rädern über eine Kreuzung schießt, kann es schnell brenzlig werden. Experten sind wegen rüpelhafter Radfahrer alarmiert. Nun sollen höhere Geldbußen Rowdys auf dem Fahrrad zur Räson bringen, und zwar auch auf vier Rädern.

Was soll im Bußgeldkatalog geändert werden?

Auf Initiative der Länder sollen bestimmte Verstöße für Radler „moderat“ um fünf oder zehn Euro teurer werden. Fahren ohne Licht soll zum Beispiel bald 20 Euro kosten und damit doppelt so viel wie bisher. Fürs Radeln durch die Fußgängerzone werden 15 statt 10 Euro fällig. Das Ziel laute, „die Fahrt mit dem Verkehrsmittel Fahrrad sicherer und damit auch attraktiver werden zu lassen“, heißt es in der Empfehlung der zuständigen Bundesrats-Ausschüsse. Erwartet wird, dass das Plenum der Länderkammer sie an diesem Freitag beschließt. Das Bundesverkehrsministerium hat schon angekündigt, die Änderungen dann auch umsetzen zu wollen. Geplantes Inkrafttreten: 1. April 2013.

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Wie gefährlich sind Radler im Verkehr überhaupt?

Klagen über „Kampfradler“ oder „Rüpelradler“ sind zuletzt lauter geworden. „Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln“, schimpfte erst kürzlich der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar, Kay Nehm. Die „offensichtliche behördliche Duldung lebensgefährlicher Verhaltensweisen“ vieler Fahrradfahrer sei ein Skandal. Die Länder verweisen darauf, dass etwa jeder zehnte Verkehrstote in Deutschland ein Radler sei - auf zwei Rädern fehlt auch die Karosserie als Knautschzone wie im Auto.

Was soll sich für Autofahrer ändern?

Allein die Radler ins Visier nehmen wollen die Länder nicht. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßte denn auch, dass zugleich Verstöße von Autofahrern teurer werden sollen, die Radler behindern oder gefährden. So soll das Zuparken von Radwegen zum Beispiel bald 20 statt 15 Euro kosten. Insgesamt seien die Anhebungen für Radler nun tatsächlich moderat, heißt es selbst beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Nicht erneut teurer werden schwere Vergehen wie Fahren über rote Ampeln. Hierfür wurde die Buße schon 2009 auf 45 Euro erhöht, dazu kommt 1 Punkt in der Sünderkartei in Flensburg.

Schaffen höhere Bußgelder allein mehr Sicherheit?

Dass schon happigere Verwarngelder allein mehr Sicherheit bringen, glauben auch die Experten nicht. Wichtige weitere Elemente seien etwa Verkehrserziehung und Aufklärungskampagnen, sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Der Chef-Unfallforscher der deutschen Versicherungen, Siegfried Brockmann, mahnte auch mehr Kontrollen an - und warb für Polizeistreifen auf Fahrrädern. Nötig seien auch mehr Radwege, forderte VCD-Expertin Anja Hänel. Denn das Verkehrssystem sei immer noch maßgeblich auf Autos ausgerichtet. (dpa)

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