Sicherheit : Autofahren im Winter: Eiskalt entschleunigen

Aller technischen Helfer zum Trotz: Sicheres Autofahren im Winter ist vor allem eine Frage der Einstellung.

Ingo von Dahlern

Winterreifen montieren, Frostschutz für den Motor checken und in die Waschanlage füllen, verschlissene Scheibenwischer wechseln, Batterie kontrollieren und Winterzubehör wie Eiskratzer und einen Besen zum Abfegen von Schnee an Bord nehmen – die wichtigsten Vorbereitungen des Fahrzeugs für die kalte Jahreszeit sind schnell erledigt. Um allerdings sicher und unfallfrei über die nächsten Monate zu kommen, sind diese Dinge aber nicht mehr als die unerlässliche Hardware. Denn entscheidend dafür, wie man Glatteisfallen, hohen Schneematsch, spiegelglatte Fahrbahnen, Sichtbehinderungen durch Raureif und salzige Gischt meistert, ist, dass man als Fahrzeuglenker auch auf Winter programmiert ist.

Das heißt nicht mehr, aber auch nicht weniger, als dass man sich gedanklich auf die veränderten Fahrbedingungen einstellen und sein ganzes Verhalten daran anpassen muss. Am Auto mit dem man unterwegs ist, ändert sich bis auf die Reifen praktisch nichts. An seinen Reaktionen auf die winterlichen Fahrbahnverhältnisse dafür umso mehr. Um sicher voran zu kommen, gelten plötzlich ganz andere Regeln. Für alle, die zum ersten Mal den Winter am Steuer erleben, ist das eine besondere Herausforderung. Aber auch wintererfahrene Autofahrer sollten typische Fahrzeugreaktionen schnell erkennen und in Erinnerung rufen, um richtig reagieren zu können.

Schon das immer noch viele Straßen bedeckende Herbstlaub steckt voller Risiken. Denn nass und breit gefahren kann es fast so glatt wie Eis sein. Da hat mancher bereits einen kräftigen Schreck bekommen, wenn er wie gewohnt zügig um die Kurve fuhr und sein Fahrzeug plötzlich auszubrechen versuchte. Solche Situationen sind ein wichtiges Warnsignal, weisen darauf hin, dass sommerliches Tempo jetzt nicht mehr angezeigt ist. Denn wenn die Straßen nass und glatt sind, muss man Kurven weniger flott nehmen und braucht sehr viel längere Bremswege als im Sommer. Und da sich die Reaktionsgeschwindigkeit mit der Jahreszeit nicht verändert, bleibt nur ein einziger Weg, sich den neuen Bedingungen anzupassen: Man muss die Sicherheitsabstände vergrößern und langsamer fahren. Und der Tritt aufs Gaspedal beim Anfahren auf Schnee muss ebenso wie der Tritt auf die Bremse besser dosiert werden, damit die Räder nicht durchrutschen oder blockieren. Geradezu gefährlich werden können auf glatten Fahrbahnen hektische Lenkbewegungen.

Zum Glück haben moderne Autos viele elektronische Helfer an Bord, die das Fahren im Winter sicherer machen. Beim Bremsen unterstützt das ABS, beim Anfahren und Beschleunigen die Antriebsschlupfregelung. Und wenn das Fahrzeug auszubrechen droht, sorgt die Fahrdynamikregelung ESP oder VDC oder wie auch immer sie heißt, dafür, dass das Fahrzeug auf Kurs bleibt. Allerdings nur, wenn man beachtet, dass keines dieser Systeme die Gesetze der Physik außer Kraft setzen kann. Wer mit zu hohem Tempo in eine eisglatte Kurve fährt oder auf winterlicher Fahrbahn zu dicht auffährt, den rettet auch das raffinierteste elektronische Assistenzsystem nicht vor einem Unfall.

Sicheres Fahren im Winter ist vor allem auch Erfahrungssache. Wann immer möglich, sollte man deshalb an Stellen, an denen man andere nicht behindert, einfach einmal probieren, wie sich das eigene Fahrzeug auf glatter Fahrbahn verhält. Mal eine Vollbremsung auf Schnee machen und spüren, wie das ABS regelt, mal ein paar flotte Kurven drehen und ein ausbrechendes Heck wieder einfangen – wohl gemerkt: Nur da, wo viel Platz ist und keine Fußgänger oder anderen Fahrzeuge in der Nähe sind, etwa auf dem oft zitierten schneebedeckten Parkplatz am Wochenende. Am besten, man nimmt dafür auch noch einen erfahrenen Fahrer mit an Bord. Noch besser ist es allerdings, wenn man sich die Zeit für ein Sicherheitstraining mit professionellen Instruktoren nimmt.

Fazit: Das winterfitte Auto ist nur die eine Seite. Entscheidend ist, dass auch sein Lenker fit ist. Und eine Empfehlung zum Schluss: Bleiben Sie rücksichtsvoll. Für viele Autofahrer ist der kommende Winter ihr erster am Steuer.

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