Sicherheitstechnologien : Überleben nur für Profis

Bei Unfällen hilft Rennfahrern ausgefeilte Sicherheitstechnik. Doch kaum eine der Konstruktionen schafft es in normale Autos.

Felix Rehwald[gms]
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Der Horror-Crash von Robert KubicaFoto: AFP

Es war nur noch gruselig: Mit mehr als 280 Stundenkilometern prallte Robert Kubica am vergangenen Wochenende beim Grand Prix in Kanada gegen eine Betonmauer. Er überschlug sich zweimal, die Luft war erfüllt von herumfliegenden Wrackteilen. Doch wie durch ein Wunder wurde der Rennfahrer weitgehend unverletzt aus seinem total zerstörten Formel-1-Wagen geborgen. Viele Autofahrer fragen sich nun, ob auch sie von Errungenschaften wie der stabilen Fahrgastzelle und den Sicherheitssystemen des Boliden profitieren können. Die in der Formel 1 aktiven Hersteller suggerieren das gerne. Doch tatsächlich hält sich der Technologietransfer auf die Straße in Grenzen.

Das liegt daran, dass Rennwagen und Straßenfahrzeuge völlig unterschiedlichen Anforderungen genügen müssen. In der Formel 1 etwa können sich die Ingenieure auf eine stabile Zelle für den Fahrer beschränken. In diesem Karbonkäfig, dem Monocoque, sitzt der Fahrer fest angeschnallt. Damit er einen Aufprall überlebt, wird sein Kopf zusätzlich mit einem speziellen Rückhaltesystem gesichert. Kein normaler Autofahrer würde sich derartig eng fesseln lassen.

Ingenieure profitieren vom Motorsport-Know-how

Auch BMW-Sprecher Friedbert Holz räumt die Unterschiede ein, verweist aber darauf, dass Ingenieure vom Motorsport-Know-how profitierten, etwa bei den Materialien. So gibt es die für das Monocoque verwendeten Leichtbaustoffe wie Karbon auch in Serienmodellen. „Das ist aber auch sehr teuer, daher ist der Einsatz begrenzt“, sagt Holz. „Ein Auto ganz aus diesem Werkstoff könnte niemand bezahlen.“ Auch Mercedes in Stuttgart greift auf dieses Material nur beim Bau des in geringer Stückzahl gefertigten Sportwagens SLR zurück. Die Karosserie des Flügeltürers besitzt laut Sprecher Michael Allner eine ähnliche Struktur wie die Monocoques. Zudem ist der 334 km/h schnelle Bolide mit leistungsfähigen Keramikbremsen ausgestattet. Auch die Idee, für Bremsscheiben statt Stahl andere Materialien zu verwenden, stamme aus dem Motorsport.

In der Sicherheitstechnologie gibt der Motosport nicht viel her

Ein weiterer Bereich, in dem es Wissenstransfer aus der Formel 1 in die Serie gibt, ist laut Holz die Elektronik – zum Beispiel für die Motorsteuerung. Auch bei Fahrdynamikregelungen und Bremssystemen komme ein großer Teil aus dem Motorsport, so Holz. Ähnlich verlief die Entwicklung bei Audi. Zwar ist der Hersteller nicht in der Formel 1 vertreten. Dafür gehen Audi-Rennwagen bei den Deutschen Tourenwagen-Masters und beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an den Start. Bei diesem Wettbewerb kam erstmals die inzwischen erfolgreich in der Großserie verwendete Benzindirekteinspritzung mit Turboaufladung zum Einsatz, erklärt Audi-Sprecher Josef Schloßmacher. Audi gewann das Rennen 2001 damit auf Anhieb.

„Bei der Sicherheitstechnologie kann man dagegen nicht viel übernehmen“, sagt ADAC-Technikexperte Paulus. „Es wäre viel zu weit gegriffen, wenn man behauptet, durch den Rennsport wäre die Sicherheit der Straßenfahrzeuge größer geworden.“

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