Auto : Sie mögen Milchsuppe nicht? So kommen Sie trotzdem durch

Stefan Woltereck

Der Herbst hat die Autofahrer bisher mit Nebel gottseidank noch einigermaßen verschont. Dass er aber kommt, ist gewiss: Mit der Milchsuppe drohen wieder Unfälle bis hin zur Massenkarambolage. Der traurige Grund für sie ist stets derselbe: Nebel wird unterschätzt. Oder besser: Die Sichtmöglichkeiten in ihm werden überschätzt, weit überschätzt.

Nebel – das bedeutet 100, 50, zuweilen weniger als 20 Meter Sicht. Nachts sind es vielleicht nur wenige Meter. Was man sieht, fügt sich nur sehr mühsam zu einem Bild zusammen. Auf ein stehendes Fahrzeug ist man fast schon aufgefahren, bevor man erkennt, dass es steht. Lastwagen mit gefährlicher Ladung müssen bei ganz dicker Milchsuppe den nächsten Parkplatz ansteuern.

Das Wichtigste im Nebel: Licht an – Abblendlicht. Und, wenn die Sichtweite unter 50 Metern liegt, die Nebelschlussleuchte. 50 m ist die Entfernung von einem Seitenpfosten der Autobahn zum nächsten. Auf Landstraßen ohne Pfosten: Wenn in der Kolonne vor einem das dritte, vierte Auto nur noch schemenhaft zu sehen ist – dann liegt die Sichtweite sicher unter 50 m. Genau so wichtig: sehr großen Sicherheitsabstand einhalten: so viele Meter wie der Tacho in km/h anzeigt. Und die Wischer immer wieder pendeln lassen, damit die Sicht klar bleibt.

Was viele nicht wissen: Nebelschlussleuchten dürfen nur bei einer Sicht unter 50 m eingeschaltet werden. Bei so schlechter Sicht darf höchstens 50 km/h gefahren werden. Messerscharfer Schluss: Mit Nebelschlussleuchte ist maximal Tempo 50 erlaubt. Es soll Augen des Gesetzes geben, die schnellere Fahrer heftig zur Kasse bitten, die bei besserer Sicht mit Nebel-Rücklicht unterwegs sind.

Nachfolgende Piloten orientieren sich gern an den Rücklichtern oder an der hellen Nebelschlussleuchte des Vordermannes – und haben es dann viel leichter. Mit dem Erfolg, dass sie nicht verstehen, warum es so langsam voran geht. Sie beginnen zu drängeln. Der Vordermann hat es durch das helle Licht hinter ihm noch schwerer. Wenn es lästig wird: Ausweichstelle suchen, Hintermann vorfahren lassen und sich selbst anhängen. Mit reichlich Abstand: Man muss sicher stoppen können, wenn der Vordermann plötzlich voll in die Eisen geht.

Nebel macht die Fahrbahn feucht und glatt. Herbstlaub, Treckerspuren machen sie zusätzlich glitschig. Bei Frost kann aus der Nässe Eis werden: Man sieht nicht nur schlecht, sondern hat im Ernstfall auch einen langen Bremsweg: Der Bundesgerichtshof verurteilte in dichter Suppe schon Tempo 30 als zu schnell! Unter diesen Bedingungen sind ABS und Antriebsschlupfregelung eine halbe Lebensversicherung - und ein Außenthermometer, das vor Glatteis warnt.

Die große Gefahr bei Nebel ist übrigens weniger, dass man drinsteckt und mühsam seinen Weg suchen muss. Sondern dass er überraschend auftritt, dass man unvermutet in eine Bank hineingerät. Befindet sich jetzt vor einem ein Wagen, der wegen dieses Nebels abbremste, gibt es gar einen Stau, dann ist die Massenkarambolage fast schon programmiert. Nie, aber auch wirklich nie in einer Nebelbank das Tempo stehen lassen im Vertrauen darauf, dass die Bahn schon frei sein wird! In einer nebelgefüllten Senke können tödliche Gefahren lauern, selbst wenn die Straße am Hang gegenüber wieder frei zu sehen ist.

Höchste Gefahrenstufe auch, wenn man im Nebel auf einen Stau auflauft und halten muss, auch bei Unfall oder Panne: Gleich kommt der Nächste, der vielleicht nicht halten kann. Selbst Nebelschlussleuchte und Warnblinker strahlen vielleicht nicht weit genug. Vorsichtige raten, das Auto zu verlassen und hinter der Leitplanke erst einmal Schutz zu suchen – und erst wieder zurückzukommen, wenn die Nächsten hinter dem eigenen Wagen angehalten haben. Stefan Woltereck

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