Skoda : Fabelhafter Yeti

Bisher gab es den Yeti nur in Legenden – jetzt hat auch Skoda einen. Wir fuhren den kompakten SUV mit dem Basismotor 1.2 TSI

Eric Metzler
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Der Yeti. Skoda erweckt die Legende zum Leben. -Foto: dpa

Sind 18 000 Euro für das Basismodell ohne Allrad fair? Oder ist die Ansage jenseits von Gut und Böse? Schauen wir allein auf die Rahmendaten, sind wir tendenziell skeptisch: Ein kleiner SUV in der Golf-Klasse, ein 1.2-Liter-Motor und keinerlei Schnickschnack an Bord. Das wird wohl nichts mit uns und dem billigsten Yeti. Einen halben Tag später sieht unsere Bilanz schon ganz anders aus: 18 000 Euro für diesen Yeti, das geht in Ordnung. Absolut. Dieses kleine Auto mit diesem kleinen Motor verdient eine uneingeschränkte Empfehlung. Damit lehnen wir uns ähnlich weit aus dem Fenster wie zuletzt vor anderthalb Jahren. Damals fanden wir am Kia Ceed kein schlechtes Haar und wurden nach unserer Lobeshymne im Tagesspiegel gefragt, ob wir bei den Asiaten Aktien im Spiel hätten.

Haben wir nicht. Auch nicht bei Skoda oder der Mutter Volkswagen. Aber der Yeti beeindruckt auf eine Weise, die selbst vielfahrenden Testern Respekt abnötigt: Fahren so unkompliziert, so souverän und so sicher wie in einem Golf. Gefühlter Platz wie in einem Mittelklasse-Kombi. Und schon im 1.2 TSI eine Motorleistung, die im Alltag einer kleinen Familie keinerlei Säuernis aufkommen lässt. Dass die fünfte Baureihe von Skoda als Allrad auch querfeldwege beeindruckt, macht die Sache nicht schlechter, im Gegenteil. Große Mädchen und große Jungs, die auf wildes Klettern, hemmungsloses Gematsche und gelegentliches Vom-rechten-Wege-abkommen stehen, finden im Yeti ein prima Spielzeug dafür – müssen dann allerdings mindestens 22 690 Euro auf den Tisch legen, weil es den 4x4 erst ab der Zweiliter-TDI-Motorisierung gibt.

Aber auch, wer „nur“ den 1.2 TSI „nur“ mit Frontantrieb ordert, darf sich freuen: Über das Fahrwerk zum Beispiel, das schon auf den ersten Metern ein Gefühl von Solidität vermittelt, wie man es am ehesten aus dem Golf kennt. Von ungefähr kommt das nicht: Die Vorderachse stammt aus dem Golf V, die hintere aus dem Golf Allrad. Andere Bauelemente wie die Bodengrupe und der Antrieb leiten sich vom Octavia 4x4 ab; das Sitzkonzept vom Roomster. Der Yeti ist also ein Konzernauto, wie es sich Finanzplaner der Neuzeit so wünschen: Das Beste aus diesem Regal und aus jenem. Einzeln im Bestand, fertig entwickelt, günstig zu haben mithin. Fürs Große und Ganze werden die Module dann neu kombiniert – fertig ist ein anderer Typ für eine weitere Zielgruppe. Damit sind im Falle des Yeti junge, aufgeschlossene Familien gemeint, deren Bedürfnisse ebenso mannigfach wie wechselhaft sind. Da trifft es sich gut, wenn der Yeti wahlweise als Fünfsitzer (mit guter Beinfreiheit hinten) dient oder als Zweisitzer, in den mit 1370 Litern mehr Transportgut herein passt als in jedes vergleichbare Auto dieses Segments. Die hinteren Sitze stehen dann in der Garage. Baut man sie wieder ein, lassen sie sich einzeln verschieben oder umklappen. In jedem Falle bietet der Yeti üppige Kopffreiheit auf allen Plätzen (Vorteil Nummer eins der Kastenform); eine riesige, selbst für Waschmaschinen berechenbare Öffnung zum Beladen (Vorteil Nummer zwei) und schließlich eine ausgesprochen gute Rundumsicht (Vorteil Nummer drei).

Auf unserer Testfahrt fuhren wir den kleinsten Benziner mit dem siebenstufigen Direktschaltgetriebe DSG. Diese Technologie hat sich in sportlichen, hochpreisigen Modellen deutscher Hersteller längst breit gemacht. Nun erobert sie Modell für Modell die Klasse der Kleinwagen. Den Anfang machte gerade der neue Polo, in dem wir hier und da den Eindruck hatten, das Hochleistungs-DSG sei noch nicht so recht auf kleine Fahrzeuge abgestimmt. Im Yeti dagegen läuft die Sache mit der Doppelkupplung wie geschmiert. Die ruckfreie Automatik kostet ein paar Hunderter mehr als ein Handschalter (genauer Preis noch offen) – aber wer das unkomplizierte Fahrvergnügen im Yeti perfekt machen will, sollte dennoch ernsthaft darüber nachdenken, das Geld zu investieren.

Hereinholen könnte man es wieder bei der Auswahl des Motors. Schließlich bietet der 1.2 TSI mehr, als viele Interessenten sich angesichts des winzigen Hubraums vorstellen mögen. Der neu entwickelte, hoch aufgeladene TSI belegt, wie viel sich in den letzten drei, vier Jahren bei den Verbrennungsmotoren getan hat. Yetis wollen und müssen keine Bäume ausreißen. Sie ziehen ruhig und kraftvoll ihre Bahn – und mit den 105 PS des Einszwo gelingt das zumindest in angemessener Form. Der (reale) Verbrauch des Basismotors indes ist trotz reichlichen Eigenlobs des Herstellers eine kleine Enttäuschung. Bei normaler Fahrt über Landstraßen schafften wir es selbst ohne Allrad und mit DSG nur schwer unter sieben Liter.

Wer benzinseitig mehr Leistung sucht, muss gleich einen großen Sprung machen: Der 1.8 TSI offeriert 160 PS. Ottomotoren dazwischen sind weltweit so gefragt, dass man sie seriöserweise für den Yeti jetzt gar nicht anbietet, gibt Skoda unumwunden zu – wobei die Betonung auf „jetzt“ liegt. Auch die drei Diesel im Katalog sind Vierzylinder. Sie decken ein Leistungsspektrum von 110 bis 170 PS ab, nutzten alle die laufruhige Common-Rail-Technik und verfügen serienmäßig über einen Partikelfilter.

Der kleinste Yeti nimmt genauso wie alle weiteren Modelle die Euro-5-Hürde, sein (vorab veröffentlichter) CO2-Wert liegt bei 149 g/km. Händlerstart des Yeti ist in Deutschland am 29.August. Der 1.2 TSI wird aber nach Auskunft Skodas erst ab Ende September erhältlich sein.

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