Skoda Octavia Scout : Skodas Typ für alle Fälle

Der Skoda Octavia Scout ist wie für das kleine Abenteuer gemacht und wandelt zwischen Kombi und SUV.

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Der Scout basiert auf dem Octavia Combi 4x4.
Der Scout basiert auf dem Octavia Combi 4x4.Foto: Rainer Ruthe

Er ist Skodas cooler Typ für alle Fälle: der Octavia Scout. Praktisch der Audi Allroad von der tschechischen VW-Tochter. Der Scout basiert auf dem Octavia Combi 4x4. Und jetzt kommt die Überraschung: Der für das kleine Abenteuer zwischendurch wie gemachte Scout kostet mit seinem Grundpreis von 32.650 Euro sogar gut zehn Prozent weniger als der gleich starke normale Octavia-Kombi mit Allradantrieb. Die Auflösung ist einfach: Den Octavia Combi mit 184 PS ohne die modische Abenteuerbeplankung gibt es nur in der Top-Version Laurin und Klement für 36.050 Euro. Also luxuriös oder rustikal? Vereint der hochgebockte Allradler im Abenteuer-Dress womöglich beides, und ist er ohne Einschränkungen alltagstauglich? Diese Fragen beantwortet unser Praxistest mit dem Skoda Octavia Scout 2.0 TDI mit 184 PS starkem Diesel und Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik, für den mit zahlreichen Extras immerhin 45.000 Euro hingeblättert werden müssen. Da muss er schon einiges bieten.

AUSSSEN UND INNEN

Das Rezept ist nicht neu: Ein paar Zentimeter mehr Bodenfreiheit hier, ein paar schwarze Plastik-Anbauten dort und fertig ist das Offroad-Derivat. Dennoch ist den Tschechen hier eine stimmige Mischung gelungen, die keinesfalls aufgesetzt wirkt. Die 3,1 Zentimeter höher gelegte Karosserie verleiht dem Kombi in Verbindung mit den 17 Zoll großen extravagant gestalteten Leichtmetallfelgen einen Hauch des Besonderen. Die Bodenfreiheit beträgt 17,1 Zentimeter, so dass man auch mal einen größeren Stein zwischen die Räder nehmen kann. Zum Vergleich: Der BMW X1 bietet auch nur 19 Zentimeter Bodenfreiheit – und der wird als echtes SUV vermarktet. Man sieht es dem Skoda jedoch an: Das kleine Abenteuer zwischendurch passt garantiert ins Auto.

Im Innenraum bleibt der Octavia Scout logischerweise ganz Octavia Combi. Innen empfängt einen der kompakte Tscheche mit Mittelklasse-Raum. Das Cockpit erweist sich als typischer Skoda-Arbeitsplatz im besten Sinne. Das heißt klar, übersichtlich, schnörkellos und ohne Bedienungsanleitung sofort bedienbar. Alles ist sauber verarbeitet, und die verwendeten Materialien geben keinen Anlass zum Meckern. In der Chromspange des Lenkrads prangt der Schriftzug Scout – so wie bei Audi. Auch die verchromte Einstiegsleiste des Skoda findet man in Ingolstädter Modellen.

SITZEN UND LADEN

Vorn reist man herrschaftlich. Die Sportsitze mit Scout-Logo in der Lehne, bezogen mit strapazierfähigem Alcantara und Leder, stützen den Körper so entschieden, dass auch hurtige Ausritte in leichtes Gelände kein Problem für den sicheren Halt des Piloten darstellen. Im Fond reisen zumindest zwei Erwachsene kommod – mit überdurchschnittlich viel Raum bei Beine und Kopf. Ein Markenzeichen von Skoda war es schon immer, etwas mehr Platz als die Konkurrenz zu bieten. Da macht auch der Octavia Scout keine Ausnahme. Der 4,69 Meter lange Kombi offeriert mit 610 bis 1740 Liter Volumen einen der größten Kofferräume seiner Klasse. Und der ist auch noch richtig praktisch eingerichtet: So findet man vernünftige Gepäckhaken, klappen die Rücksitzlehnenteile per Zughaken im Heck automatisch um, öffnet und schließt die Heckklappe für 350 Euro extra elektrisch.

Für 190 Euro gibt es neben einem variablen Ladeboden mit einem zwölf Zentimeter tiefen Fach darunter auch noch eine Multifunktionsablage unter der Kofferraumabdeckung, die sehr hilfreich ist, um beispielsweise den guten Anzug knitterfrei zu transportieren.

Die Ladekante ist mit 62 Zentimetern vergleichsweise niedrig. Die Ladetiefe reicht von 104 bis 192 Zentimeter. Wer noch mehr Stauraum benötigt, ordert für 80 Euro extra den umklappbaren Beifahrersitz. Dann schluckt der Kombi sogar eine bis zu 2,92 Meter lange Leiter. Außerdem kann der Scout – auch nicht alltäglich in dieser Klasse – einen zwei Tonnen schweren Hänger ziehen.

FAHREN UND TANKEN

Der Zweiliter-Diesel, der auch im VW Golf GTD für flottes Fortkommen sorgt, ist im Octavia Scout serienmäßig mit einer Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik sowie einer schnell agierenden Start-Stopp-Automatik gekoppelt. Der Vierzylinder, der stramme 380 Newtonmeter Drehmoment ab niedrigen 1750 Touren auf die Kurbelwelle wuchtet,

setzt jeden Gasfuß-Befehl verzögerungsfrei in Vortrieb um. Der kräftige Selbstzünder beschleunigt den 1,55 Tonnen schweren Allradler in 7,8 Sekunden auf Tempo 100, und erst bei 219 km/h ist Schluss. Das Doppelkupplungsgetriebe sorgt in Stellung D für komfortable Gangart, im Sportmodus irritieren hingegen späte Schaltvorgänge und damit hochtouriger Motorlauf. Im kraftstoffsparenden Eco-Modus entspannt sich das Antriebssystem fühlbar – gut auf langen Autobahntouren.

Schotterpisten und ausgefahrene Sandwege stellen für den Octavia Scout dank Offroad-Assistent kein Problem dar. Dieser Octavia brettert einfach darüber hinweg – und die Passagiere juchzen. Da ist es gut zu wissen, dass der Unterboden geschützt ist. Mit dem wegen der verstärkten Federn als obligatorischem Teil des serienmäßigen Schlechtwegepaketes recht straff abgestimmten Fahrwerk stakst der Allradler allerdings ziemlich hölzern über Flickenteppich-Pisten und gibt deren Verwerfungen spürbar an die Passagiere weiter. Etwas weniger Raubeinigkeit wäre hier besser. Doch auf der Autobahn hat diese Straffheit auch ihr Gutes.  Trotz seiner Höherlegung um 3,1 Zentimeter präsentiert sich der Scout als kurvenfreundlicher Kombi, der mittels direkter Lenkung Biegungen aller Art flott und mit geringer Seitenneigung nimmt. Egal wie eng man die Kurven fährt, der Skoda bleibt dank gleichmäßiger Kraftverteilung zwischen den beiden Achsen völlig gelassen. Ein großer Vorzug bei schneebedeckten Straßen, auf nassem Geläuf und sogar in ganz leichtem Gelände.

Das kleine Abenteuer zwischendurch passt garantiert ins Auto.
Das kleine Abenteuer zwischendurch passt garantiert ins Auto.Foto: Rainer Ruthe

Die Skoda-Ingenieure durften den modernsten Allradantrieb aus dem VW-Regal auswählen – das Haldex-System der fünften Generation. In der Regel fließt die Kraft nur zu den Vorderrädern, was Kraftstoff spart. Doch sobald dort Grip fehlt, schalten sich automatisch die Hinterräder zu. Über alles wacht die Elektronik, im ESP ist eine elektronische Differentialsperre integriert. So wird die Kraft stets optimal auf alle vier Räder verteilt. In schnellen Kurven werden die inneren Räder abgebremst, sobald die Elektronik registriert, dass das eines oder mehrere Räder zu sehr entlastet werden. Das optimiert das Fahr- und Lenkverhalten. Und das alles geschieht geräuschlos und unauffällig, im normalen Fahrbetrieb ist vom elektronisch geregelten Allradantrieb nichts zu spüren. Halt, auf unserer Testfahrt war doch etwas zu spüren. Nämlich eine beeindruckende Richtungsstabilität bei höheren Geschwindigkeiten und ein geradezu stoisches Beharren auf der Ideallinie in flotter gefahrenen Kurven. Das schafft Vertrauen und liefert Fahrspaß serienmäßig.

Am Trinkverhalten des Tschechen gibt es nichts auszusetzen.  Auf den 2000 Testkilometern hat der Scout im Schnitt pro 100 Kilometer 6,3 Liter Diesel verbrannt. Angesichts kalter Witterung, Fahren mit Beleuchtung, Allradantrieb, Automatik und großem Auto ein angemessener Verbrauch. Wer  auf der Autobahn jenseits der 170 km/h unterwegs ist, muss mit mindestens acht Litern rechnen. Bei leichtem Gasfuß im Eco-Modus hingegen kommt man sogar unter sechs Liter.

HÖREN UND SEHEN

Der Zweiliter-Diesel ist ein recht rauer Geselle; ein Selbstzünder von altem akustischem Schrot und Korn. Bei niedrigen Geschwindigkeiten drängt er sich akustisch voll in den Vordergrund. Hey, ich bin ein Selbstzünder! Um dann bei höherem Tempo immer kultivierter zu arbeiten und weniger von sich akustisch preiszugeben, denn dann überlagern sowohl die Wind- als auch die Abrollgeräusche der 17-Zoll-Winterräder das Brummen des Dieselmotors. Mir dieser Geräuschkulisse lässt sich durchaus gut leben. Und gut sehen? Klar! Da ist dieser tschechische Kombi besser als die meisten seiner Klasse, und auch das ist heute nicht selbstverständlich.

WÄHLEN UND ZAHLEN

Wer beim Scout den stärksten Diesel mit 184 PS wählt, hat zunächst keine Wahl. Skoda offeriert ihn nur in einem Modell, das mit serienmäßigem DSG-Getriebe 32.650 Euro kostet. Doch, da ist Skoda mittlerweile ganz Mitglied des VW-Konzerns, die feinen zusätzlichen Dinge des Autofahrens kosten zusätzliches Geld. Unser Testwagen hat Extras im Wert von sage und schreibe 12520 Euro an Bord! Darunter das tolle Infotainment-System Columbus Traveller mit Spurhalteassistent,  Verkehrszeichenerkennung, Fernlichtassistent,  WLAN-Hotspot, Telefonfreisprecheinrichtung Bluetooth, mit Sprachbedienung, inklusive Phonebox und Verbindung über die Außenantenne. Kostenpunkt? 2980 Euro. Da sollte jeder bei einem Glas Rotwein sich Zeit nehmen, und die Aufpreisliste „prüfen“, was er wirklich braucht. Aber es geht auch günstiger.

Wer auf die Automatik und 34 PS verzichten kann, ist bereits mit 30.125 Euro dabei, und bekommt ein Auto ohne großen Schnickschnack, aber vielen praktischen Details und allem Notwendigen zum frohen Fahren.

GUTES UND SCHLECHTES

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Der Octavia Scout hat viel zu bieten, mehr als viele seiner Klasse. Und sehr gute Lösungen. Hohe Sitzposition? Gut und schön. Doch der höhere Aufbau bedeutet auch höheren Spritverbrauch sowie verringerte Fahrdynamik. Aber es geht auch anders – wie beim Octavia Scout. Etwas höher sitzen, aber nicht gleich eine Schrankwand fahren. Sozusagen das SUV auf halber Höhe – die clevere Wahl. Auch wer nicht mehr so gelenkig ist, wird den Sitz in der ersten Reihe ohne große Probleme entern können – und sich über die im Vergleich zum normalen Octavia Combi bessere Übersicht freuen dürfen. Allerdings dürfte die sehr straffe Federung nicht für jedermann bekömmlich sein. Hier sollte Skoda noch einmal nachjustieren. Denn das kleine Abenteuer zwischendurch soll ja schließlich komfortabel überstanden werden.

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