Skoda : Schnelle Nummer

Der Fabia RS könnte ein kleiner Brüller sein – doch leider ist dieser Skoda teils lieblos geraten.

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Okay, er hat 17-Zöller, Doppelendrohr und lackierte Bremssättel. Aber der (stets fünftürige) Fabia RS ist kein Angeber.
Okay, er hat 17-Zöller, Doppelendrohr und lackierte Bremssättel. Aber der (stets fünftürige) Fabia RS ist kein Angeber.Foto: promo

Stellen wir uns einen Augenblick vor, die Beurteilung eines Autos ergäbe sich in der umgekehrten Reihenfolge. Man führe seine Teststrecke, erlebte zunächst Motor, Lenkung und Fahrwerk. Und erst nach der Probierrunde bekäme man zu sehen, wie sich das Ganze optisch darstellt. Ja, liefe es so herum, dann fiele das Urteil über den Fabia RS sicher noch positiver aus. Er fährt nämlich gut.

Tatsächlich verhält es sich aber so, dass sich das Verhältnis zu einem neuen Modell schon dann herauskristallisiert, wenn man sich hineinsetzt. Und da dürfte es um den Fabia bei manch anspruchsvollem Interessenten geschehen sein: Das Solide ist im Inneren bis zum Langweiligen durchdekliniert. Zwar mag es für eine seriöse Marke ein richtiger Ansatz sein, die Sportversion eines Kleinwagens nicht krawallig, sondern dezent anzulegen. Aber muss die Innenarchitektur deswegen so brav sein, dass nur eingefleischte Skodaisten auf die Idee kommen, hier einzuziehen? Trotz dickem Lenkrad und guter Sportsitze erinnert der RS einfach zu sehr an den gewöhnlichen Fabia. Wo es Konkurrenten wie Renault und Seat bunt treiben, ernüchtert uns Skoda: Ein bisschen mehr Materialmix, ein bisschen mehr Mut, schlicht mehr Detailliebe bei der Gestaltung hätte es schon sein dürfen für ein Modell, das Jüngere anmachen soll.

Verdient hätte es der 180-PS-Winzling durchaus. Sein Temperament ist aller Ehre wert, dem Direkteinspritzer TSI aus dem VW-Regal sei Dank. Die doppelte Aufladung (bei niedrigen Drehzahlen hilft ein Kompressor, ab 3500 Touren der Turbo) macht aus dem 1,4-Liter-Benziner eine geschüttelte Flasche Apfelschorle: Lupft man den Deckel, sprudelt es nur so heraus. Der Fabia spricht unglaublich schnell an, beschleunigt ebenso zügig wie gleichmäßig und vermag es bis auf die Spitze von gut 220 zu treiben. Freilich tut es in einem Kleinwagen nicht Not, so etwas auszureizen. Aber zumindest gibt es Ausnahme-Situationen, in denen ein Polo GTI, ein Ibiza Cupra oder eben dieser RS Zeit sparen und Freude stiften. Gleichwie: Das Fahrwerk ist recht straff ausgelegt, die Lenkung schön direkt und das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe gewohnt schnell. Der Verbrauch des Tschechen liegt mit 6,2 Litern laut Liste etwa auf dem Niveau vergleichbarer Kandidaten; auch das mit 300 Litern akzeptable Ladevolumen.

Wer mehr braucht, auf das RS-Logo im Kühlergrill und auf dem Heck aber nicht verzichten mag, kommt bei Skoda ebenfalls auf seine Kosten: Die Sportversion des Fabia gibt es nämlich auch als Kombi – dann mit leicht gewöhnungsbedürftiger Karosserie und enormen 480 Litern Gepäckvolumen. So eine Kombination aus möglicher Leistung und alltäglichem Nutzen hat der Wettbewerb nicht zu bieten – insofern darf man gespannt sein, wie viele RS-Käufer zum Kombi greifen werden. Beide Ausführungen kommen in der nächsten Woche (4. September) zu den Händlern. Der Preis für die Limousine liegt bei 21 890 Euro; für den Kombi erhebt Skoda an der Kasse einen bescheidenen Aufschlag von 600 Euro.

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