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Skoda Superb Combi : Die S(uper)-Klasse von Skoda

Skoda legte zu Beginn des Jahres Rekordverkaufszahlen hin – vor allem dank des Flagschiffs Superb.

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Der Skoda Superb Combi bietet den größten Kofferraum seiner Liga. Foto: R. Ruthe
Der Skoda Superb Combi bietet den größten Kofferraum seiner Liga.Foto: R. Ruthe

Skoda hat im Januar weltweit 5,2 Prozent mehr Autos verkauft, exakt 91.600 Stück. Für die VW-Tochter war es der beste Januar in der Unternehmensgeschichte. Am stärksten trug das Flaggschiff Superb zu diesem Januar-Bestwert bei – mit einem Zuwachs von 62,3 Prozent!

Bei diesem Auto geht es kaum ohne Superlative: Der Superb Combi bietet den größten Kofferraum seiner Liga und mehr Beinfreiheit als die Mercedes S-Klasse und eine so hohe Verarbeitungsqualität wie Audi. Er ist quasi die S(uper)-Klasse von Skoda. Auch beim Preis. Inklusive aller Extras kostet unser Testwagen 49.520 Euro! Zu viel Geld für einen Skoda? Eher nicht! Denn der ist mehr als nur ein großer und mittlerweile auch schicker Wagen.

Und er ist auch mehr als nur eine größere Alternative zum VW Passat Variant oder zum Audi A4 Avant. Speziell dieser große Tschechenkombi soll das Beste aus zwei Welten verkörpern – mit einer Mischung, die es so noch nicht gab. Was passiert eigentlich, wenn man den Motor des Golf GTi in einen XXL-Kombi pflanzt? Kommt da, analog zu einer bekannten Schokolade-Werbung, der vielleicht längste GTi aller Zeiten raus? Oder was sonst? Ob das Ganze auch im Alltag funktioniert, klärt unser Praxistest mit dem 220 PS starken Superb Combi 2.0 TSI Style.

AUSSSEN UND INNEN

Der Superb ist der erste Skoda mit dem neuen scharfen Design des 21. Jahrhunderts. In der zweiten Generation des Combi gibt es nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Chick. Die Mannen unter Chefdesigner Jozef Kaban haben hier ihr Meisterstück abgeliefert. Die wuchtige Front mit dem selbstbewussten Skoda-Grill geht in scharfen Bügelfalten in einer dynamisch abfallenden Dachlinie fließend ins Kombiheck über. Das ergibt ein solch sportliches Hinterteil, wie es kein Audi A6 Avant bietet.

Auch im Innenraum erreicht die Verarbeitung an vielen Stellen locker Audi-Niveau. Da trauen sich die Tschechen etwas, und bleiben doch bodenständig. Virtuelles Cockpit wie bei VW und Audi? Gibt es im Superb nicht, und man vermisst das auch nicht. Stattdessen erfreut man sich an einfachen, aber klaren Instrumenten, tollen Sitzen und einer bedienfreundlichen Cockpitlandschaft. Der Superb überzeugt mit vielen praktischen Details, zu denen man den findigen Tschechen nur gratulieren kann: Klemmer am Fenster für die Parkkarte, Kuliaufnahme im Handschuhfach, so dass stets ein Schreibgerät zur Verfügung steht, oder die beiden Regenschirme in den vorderen Türen (ein Rolls Royce hat nur einen!)

SITZEN UND LADEN

In der ersten Reihe reist man wie in der Oberklasse auf Sitzen, die eines Mercedes würdig wären. In der zweiten Reihe  müssen die Passagiere, anders als in vielen Vans oder SUV, angesichts des riesigen Ladeabteils keine Nachteile in Kauf nehmen. Sie erleben großes Kino und können sich entspannt in die Polster lümmeln, Beine überschlagen und sich ein wie ein Staatsgast fühlen. Als Limousine ist der Superb nämlich offizielle Staatskarosse, mit der sich Tschechiens Präsident auf die Prager Burg, seinen Dienstsitz, fahren lässt. Falls der Beifahrersitz zu weit nach hinten steht, lässt er sich vom Fond aus per Tastendruck nach vorne fahren.

Ein Kombi ist zum Laden da. Die sehr niedrige Ladekante von nur 62 Zentimetern erfreut die Bandscheiben und erleichtert das Beladen. Der sensorgesteuerte „Fußtritt-Öffner“ für die elektrisch betätigte Heckklappe (420 Euro Aufpreis) schindet Eindruck am Parkplatz. Das haben sonst nur Autos der Oberklasse an Bord.

Und der Kofferraum selbst? Gut, für ein Echo reicht es nun doch nicht ganz, aber der Raum ist schon fast erschreckend groß. Die 660 bis 1950 Liter Ladevolumen, das der Superb Combi im Heck bietet,  erreicht kein anderer Kombi der Mittelklasse auch nur annähernd. Das fünf Zentimeter längere und sehr viel teurere aktuelle Mercedes E-Klasse T-Modell bietet mit 695 bis 1950 Liter kaum mehr Platz. Schade nur, dass sich Skoda den praktischen variablen Ladeboden mit 220 Euro extra vergüten lässt. Denn ohne ihn entstehen beim Umklappen im großen Laderaum immer zwei Stufen, welche beim Einpacken stören. Wird die Rückensitzlehne des Beifahrersitzes umgeklappt, passen bis zu 3,1 Meter lange Gegenstände in diesen Kombi.

Auch im Heck bietet der Superb viele praktische Dinge. So ein halbes Dutzend  ausklappbarer Haken für Taschen sowie zwei Hebel, über die sich die Rücksitzlehnen automatisch flachlegen. Sehr praktisch ist auch die Mantel- und Jackenablage, die man unter der Gepäckraumabdeckung hervorziehen kann und auf der Kleidung knitterfrei Platz findet. Die Kofferraumbeleuchtung ist eine entnehmbare und aufladbare LED-Taschenlampe, die sich dank eines Magneten überall am Blech befestigen lässt. Das haben weder VW noch Audi zu bieten.

FAHREN UND TANKEN

Ein GTi-Motor in einem großen Kombi? Das klappt wunderbar, wenn das Triebwerk so gut „umfunktioniert“ wurde wie in diesem Falle. Es ist vor allem diese Souveränität des Vierzylinders, die fasziniert. Im normalen Alltag reicht es völlig aus, mit dem Superb ganz lieb zu sein und das Gaspedal nur zu streicheln. Das langt, um locker im Verkehr mitzuschwimmen. Das hängt auch mit der Getriebeübersetzung zusammen. So rotiert die Kurbelwelle bei Tempo 50 im fünften Gang nur 1200 Mal in der Minute – wie bei einem Diesel. Nur dass der Benziner viel kultivierter arbeitet. Es wirkt geradezu wie eine technische Zauberei, den im Golf so giftigen GTi-Motor so domestiziert zu haben, dass er im Skoda sowohl Dr. Jekyll als auch Mister Hyde sein kann. Wobei die 220-PS-Maschine auch als Mr. Hyde nicht wie der Wüstling wie in Robert Louis Stevensons Geschichte daherkommt, sondern zwar kraftstrozend, aber immer noch mit einem Schuss der Kultiviertheit eines Dr. Jekyll.

Unser Testwagen hat die elektronisch geregelte Fahrwerksregelung Dynamic Chassis Control (DCC) inklusive Fahrprofilauswahl an Bord, die übrigens erstmals für ein Skoda-Modell verfügbar ist. Damit kann der Fahrer die Fahreigenschaften des Superb an seine Vorlieben anpassen: normal, sportlich, komfortabel oder ökonomisch. Also eine Art Fahrwerksabstimmung à la carte. Dieses System ist empfehlenswert, auch wenn es 910 Euro extra kostet. Hat man den Sport-Modus gewählt, wird der große Kombi zum kleinen Sportwagen. Dann klettert die Drehzahl um 1000 Touren, spannt das Fahrwerk seine Dämpfer an, wird die Lenkung spitzer, und das DSG schaltet schneller. Der 4,86-Meter-Wagen lässt sich so freudvoll und behände um die Ecken werfen, dass man das lieber alleine ausprobiert, sonst wird den Kids im Fond schnell schlecht! Für solche Grenztreibereien ist der Superb Combi ja eigentlich nicht gemacht. Aber er kann das, und zwar richtig gut. Erstaunlicherweise ist Skodas großer Kombi kaum langsamer als Volkswagens kleiner GTi. In Zahlen: 243 zu 244 km/h und 7,1 zu 6,5 Sekunden für den Sprint von Null auf Tempo 100! Nach nicht mal einem langen Anlauf steht die Nadel auf der 250 – und der Kombi zieht sicher seine Bahn.

Doch im großen Tschechen rast man nicht ständig im Sport-Modus auf der letzten Rille,  man reist vielmehr bequem wie in der Business-Klasse. Das adaptive Fahrwerk ist im Comfort-Modus auf beste Bekömmlichkeit abgestimmt. Dieser große Kombi fährt sich sehr präzise und fühlt sich beim Fahren so souverän an wie vor wenigen Jahren noch stattliche Vertreter der Oberklasse. Und der 220 PS starke Vierzylinder gibt einem in Verbindung mit der wachen sechsstufigen Doppelkupplungsautomatik das gute Gefühl, stets angemessen motorisiert unterwegs zu sein: Man kann, wenn man will. Aber eigentlich muss man gar nicht.

Und so überrascht der womöglich längste GTi aller Zeiten an der Zapfsäule ein weiteres Mal. Wer vernünftig mit dem Gaspedal umgeht, kommt im Schnitt mit 8,1 Liter Super pro 100 Kilometer aus,  inklusive einiger flotter Etappen auf der Autobahn. Längere Touren im 200er Bereich treiben den Konsum im Schnitt auf dann 9,4 Liter. Und wer im Eco-Modus vorausschauend fährt, ist auch nicht sehr langsam, aber dann mit einem günstigen Verbrauch von 7,1 Litern unterwegs. Der liegt nur 0,8 Liter über dem unrealistischen Normwert.

HÖREN UND SEHEN

Trotz des großen umbauten Raumes überzeugt der Superb Combi mit einem sehr angenehmen Geräuschniveau, das über dem gewohnten Niveau der Mittelklasse liegt. Dafür drängen sich die breiten Winterreifen im 18-Zoll-Forma mit ihrem Abrollgeräusch etwas in den Vordergrund. Nur im Sport-Modus erlaubt sich der Vierzylinder-Turbo ein etwas heiseres Röhren,  bleibt aber dennoch im grün-gelben Akustikbereich. Der Superb Combi gehört erfreulicherweise zu den übersichtlichen Autos der Neuzeit.

WÄHLEN UND ZAHLEN

Kaum noch etwas zu wählen gibt es bei unserem Testwagen, dem Skoda Superb Combi 2.0 TSI in der zweitbesten Ausstattung Style. In Verbindung mit dem 220-PS-Triebwerk ist das sechsstufige Dopprlkupplungsgetriebe stets an Bord. Die feine Mischung hat ihren Preis: mindestens 38090 Euro werden fällig. Und mit den vielen Extras wie den rardargestützten Tempomaten für 820 Euro oder die tolle Leder-Alcantara-Ausstattung Emory für 1480 Euro summiert sich dieser Preis letztlich auf stattliche 49250 Euro. Whow! Doch es geht auch günstiger. In der empfehlenswerten mittleren Ausstattung Ambition, die eigentlich schon völlig ausreicht, beginnt der Einstieg bereits bei 35290 Euro. Und wer sich mit dem 150-PS-Benziner zufrieden gibt,  ist schon mit 27090 Euro dabei.

Der Kombi kostet 1000 Euro mehr, doch diese Ausgabe lohnt sich fraglos. Immerhin 90 Prozent aller Superb werden als Kombi verkauft. Angesichts seiner Qualitäten können die anderen Kombis der Mittelklasse einpacken.

Die Tschechen zeigten schon in der Vergangenheit, dass sie mit wenig Geld, aber viel Gehirnschmalz zu clevere Lösungen gelangen: Auch im Kombi dürften hinten zumeist die Kinder residieren,  doch Skoda hat für sie vorgesorgt. Der Kombi besitzt im Fond eine clevere Halterung für Tablets. Da können die Kids Filme gucken oder mit den Kumpels zu Hause chatten und nörgeln deswegen nicht mit der leidigen Frage: „Wann sind wir denn endlich da?“ Schöne neue digitale Welt.

Auch bei den Fahrerassistenz- und Sicherheitssystemen hat Skoda kräftig aufgerüstet. Die elektrische Parkbremse und die Multikollisionsbremse gehören nun zur Serienausstattung aller Modelle. Gegen Aufpreis gibt es Abstandsradar, Spurhalte-Assistent oder einen Traffic Jam Assist, welcher das Auto automatisch im Stau bewegt.

Allerdings sollte jeder Interessent wissen, dass, falls alle Assistenten zugebucht werden, der Endpreis durchaus die 50000-Euro-Grenze  durchbrechen kann. Auch hier präsentiert sich der Superb also als die S-Klasse unter den Skodas. Doch der vergleichsweise hohe Preis relativiert sich, wenn man ihn zu einem VW Passat Variant in Relation setzt. Ein vergleichbares Modell ist gut 6000 Euro teurer, ein kleinerer Audi A4 Avant gar über 11000 Euro!

GUTES UND SCHLECHTES

Die Zeiten, wo der Superb „nur“ ein um zehn Zentimeter verlängerter „einfacherer“ Passat war, sind längst Geschichte. Heute ist dieser Skoda klar der clevere VW. Ein schickes Auto, mit dem man sich sehen lassen kann. Der Skoda Superb Combi sprengt fraglos die Klassenmaßstäbe – und setzt zugleich für die Tschechen eine neue Duftmarke, die man ihnen noch vor einigen Jahren nicht zugetraut hätte.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, und die stärkste für den Superb Combi kommt sogar aus dem eigenen Hause! Mit dem neuen Kodiak bringen die Tschechen Anfang 2017 ein SUV auf den Markt, das neben dem scharfen Design mit sieben Plätzen in drei Reihen, hoher Sitzposition und großer Variabilität um Kunden werben wird. Möglicherweise könnte dann sogar der eine oder andere Superb-Combi-Interessent schwach werden.

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