Skoda Superb : Die große Vernunft

Heute startet der neue Superb – und weil der Skoda größer, genauso gut, aber günstiger ist als ein VW, haben daran auch Image-Forscher ihre Freude

Eric Metzler

Manager der Oberklasse, Senatoren, Staatssekretäre und Verbandsfunktionäre: Es ist Euer Tag. Der Tag der Neidgeplagten. Ab heute gibt es einen Ausweg auf Rädern. Den neuen Superb. Der ideale Chauffeurswagen für sozial kipplige Zeiten. Er ist mehr, als er scheint. Er bietet unendlich viel Platz auf hohem Niveau. Und dennoch bannt er jede Gefahr, wegen Verschwendung und Geltungssucht bepöbelt zu werden. 22990 Euro!

Objektiv betrachtet ist diese Offerte mehr als politisch korrekt – wählen indes wird man den Superb dann wohl doch nur in der Mittelklasse. In der nämlich gibt es nun endgültig keinen vernünftigen Grund mehr, sein Geld in einem Passat anzulegen – der kostet im Schnitt gute 2000 Euro mehr. Nein, der Skoda ist seinen Preis bei gleicher Leistung mehr wert. Von Fachblättern wird er geadelt. Da müsste die Konzernmutter VW eigentlich jubeln.

Eigentlich? Nun, die Tochter hat nach harten Anfangsjahren ihren Weg gemacht, wächst auf dem stagnierenden deutschen Markt stetig. Inzwischen ist Skoda nach Renault der zweitstärkste Importeur. Und doch hat der Konzern ein dickes Problem: Die schwindende Kaufkraft. Die Tschechen fabrizieren ihre Autos (auftragsgemäß!) dermaßen gut und bieten sie (auftragsgemäß!) zu derart erschwinglichen Preisen an, dass es dem Auftraggeber langsam, aber sicher bang werden muss. „VW baut seinen Kunden eine goldene Brücke“, sagt Clemens Sommer von creative analytic 3000, „eine Brücke von der einen zur anderen Marke im eigenen Haus“. Ob mit VW-Logo oder mit dem von Skoda, die meisten Teile unterm Blech stammen aus demselben Regal: Der Superb ist ein verlängerter Passat mit vielen Elementen vom Golf. Die Politik gleicher Bauteile senkt die Kosten, kostet VW aber eigene Identität: Flaut es im Geldbeutel der Kunden, erwägen selbst eingefleischte Wolfsburg-Fans einen Wechsel nach Prag. Schließlich bekommt man dort trotz der Ersparnis die gewohnte VW-Qualität. Abschätzige Blicke der Nachbarn sind kaum zu fürchten. Im Gegenteil, wie Imageforscher Sommer vermutet: Wer Skoda einem Volkswagen vorzieht, „der sagt damit auch: Ich bin schlauer“. Wenn das stimmt, verkehrt sich der Image-Nachteil Skodas in einen Vorsprung: So bieder die große Vernunft noch gestern war, so schick ist sie heute.

Kannibalisierung hin oder her: Wer sich ein paar Stunden mit dem neuen Superb beschäftigt, kommt den Vorzügen am schnellsten auf den Grund, wenn er Türen und Klappen öffnet. Fangen wir am Hinterteil an. Da hat es Skoda geschafft, eine Weltpremiere zu installieren. Die heißt Twin Door und hat das Zeug zum Bestseller: Fürs kleine Gepäck öffnet man den Kofferraumdeckel, so wie man es von einer Stufenhecklimousine gewohnt ist. Hat man mehr und Größeres zu verstauen, drückt man einen anderen Knopf – und staunt, dass die gesamte Klappe inklusive der Heckscheibe nach oben schwingt. Nun ist der Gepäckraum eine einzige Ein-Ladung. Perfekt.

Noch mehr gibt es zu staunen, wenn man sich durch eine weite Öffnung auf die Rückbank bequemt: Das Raumangebot hier ist schlicht grandios und schlägt jeden 5er, jeden Mondeo und jeden Laguna um Längen. Wenn vorne ein Zwei-Meter-Mann den Sessel zurückschiebt, kann sich Basketballer Detlef Schrempf hinten trotzdem noch strecken und recken – alle Achtung. Zu diesem theoretischen Luxus passen praktische Details: Skoda ist sich treu geblieben und hat das Einschiebefach für den Regenschirm in der Tür gerettet. Und die kleinen Ablagebänkchen für müde Füße erinnern ebenso augenzwinkernd wie souverän an den A8. Für Fahrer und Beifahrer hat sich die Lage gegenüber dem alten Modell leicht verbessert – der Mitteltunnel ist schmaler geworden und gewährt die nötige Beinfreiheit. Wenig geändert hat sich an der Anmutung. Auch in der zweiten Generation des Modells geht es im Inneren durch und durch sachlich zu. Sicher, alles sitzt am richtigen Platz, das Ganze wirkt wertig und solide – aber wirklichen Charme hat so viel brave Vernunft nicht. Von außen gefällt uns die modernisierte, aber immer noch typische Skoda-Front sehr, das Heck umso weniger. Der Rückansicht fehlt eine eigenständige Handschrift, so etwas zeichnen inzwischen selbst die Japaner und die Amerikaner besser.

Was die Technik betrifft, durften die Tschechen nach Belieben im VW-Fundus räubern. Anders als Seat muss Skoda nicht nur Abgelegtes auftragen, sondern darf sich auch mit den Errungenschaften der letzten Jahre schmücken: mit dem Allradantrieb 4motion, dem Direktschaltgetriebe DSG und den TSI-/FSI-Motoren, die schon bei kleinerem Hubraum adäquate Leistung liefern. Unser Tipp unter den drei Benzinern ist der 1,8 TSI mit 160 PS. Der Motor dreht freudig hoch, arbeitet extrem leise und macht schon mit Handschaltung Spaß. Wer mehr Dampf will, obwohl ihm 7,6 Liter Verbrauch zu viel sind, dem sei der stärkste Diesel empfohlen: Als einziger von drei Selbstzündern greift der auf die sanfte Common-Rail- statt auf die Pumpe-Düse-Technik zurück. Er begnügt sich auf 100 Kilometer mit sechs bis sieben Litern Diesel und ist damit die bessere Wahl als der nominale Spitzen-Superb VR6: Der ist durstiger, bietet aber im Grunde keine wesentlich besseren Fahrleistungen.

Abgesehen von einem Poltern in der Federung, wie wir es vor allem auf den hinteren Sitzen in mehreren Modellen vernahmen, gibt es am neuen Superb wenig zu meckern. So viel Auto zu so einem Preis: Das ist eine Kampfansage, die dem Wettbewerb spätestens im kommenden Frühjahr die Perlen auf die Stirn treiben dürfte: Dann kommt der Passat, Verzeihung, der Superb, als vernünftiger Kombi.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar