Smart Forfour gegen Renault Twingo : Hipster oder Kleinfamilie?

Daimler und Renault geben sich bei Twingo und Smart alle Mühe die Unterschiede der beiden Modelle hervorzuheben. Aber mit vier Sitzen sind sie sich sehr ähnlich. Also: Maultasche oder Baguette? Mit was fährt es sich besser?

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Mit der Neuauflage des Smart gibt es auch wieder die viersitzige Version Smart Forfour. Die ist in weiten Teilen identisch mit dem Renault Twingo.
Mit der Neuauflage des Smart gibt es auch wieder die viersitzige Version Smart Forfour. Die ist in weiten Teilen identisch mit dem...Foto: promo

Im zweiten Anlauf muss es endlich klappen, hoffen die Smart-Leute. Den ersten Forfour hatte die Daimler-Tochter 2006 nach nur zwei Jahren Produktion wieder eingestellt. Der Kleinstwagen auf Basis des Mitsubishi Colt war zu wenig Smart und viel zu teuer. Auch dieses Mal hat sich die Marke einen Partner für die Entwicklung gesucht. Der neue Smart Forfour ist technisch mit dem Renault Twingo eng verwandt. Gut 75 Prozent der Teile sind gleich, darunter Motoren, Achsen, Getriebe, Lenkung, Radaufhängungen, Infotainment. Der Smart ist also ein Twingo, und der Twingo ein Smart!

Der kleinere Motor, es handelt sich um einen ein Liter großen Dreizylinder-Saugmotor mit 71 PS, ist laut Ali Kassai, Renaults Programm-Direktor für die Kleinwagen, „eine komplette Neuentwicklung von Renault“. Der größere, ein 0,9 Liter großer Dreizylinder-Turbobenziner mit 90 PS, arbeitet schon im Clio. Alle sind sowohl im Renault Twingo als auch im Smart Forfour mit einem lang übersetzten Fünfganggetriebe gekoppelt. Die Motoren werden im slovenischen Novo Mesto gebaut. Dort laufen Renault Twingo und Smart übrigens vom dem gleichen Band. Interessant: Den kurzen Smart gibt es nur bei Daimler, und der lange Smart kommt erst mal nur mit dem 71-PS-Saugbenziner. Der Renault Twingo wird sofort sowohl mit dem 71-PS-Benziner als auch mit dem 90-PS-Turbo angeboten. Beim Smart kommt dieser später. Das neue Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag gibt es beim Smart im Frühjahr 2015, beim Twingo erst im Herbst 2015. Aufpreis 1000 Euro.

Heftige Windgeräusche an der A-Säule

Beim Fahrspaß hängt der Smart die Konkurrenz locker ab. Mit der neuen präzisen Direktlenkung inklusive geschwindigkeitsabhängiger Lenkkraftunterstützung und variabler Übersetzung, die man ganz selten in dieser Klasse findet, wird der große Smart zum großen Kurvenräuber. Und die 8,90 Meter Wendekreis erweisen sich in der Stadt als Wohltat. Der 71 PS starke Saugmotor entpuppt sich im Smart als harmonisches Triebwerk. Auf der Autobahn wird der typische Dreizylindersound ab Tempo 100 dann von heftigen Windgeräuschen an der A-Säule überlagert. Sparsamkeit gehört allerdings nicht zu den Stärken des von Renault neu entwickelten Dreizylinders. Statt 4,2 Liter, wie im Normverbrauch angegeben, schluckt die Einliter-Maschine trotz ihres serienmäßigen Start-Stopp-Systems in dem 975 Kilogramm leichten Smart Fourfour glatte sechs Liter Super.

Ein paar Unterschiede gibt es aber doch zwischen Renault Twingo und Smart Forfour. Zum Beispiel wird der Gepäckraum beim Smart nicht so heiß.
Ein paar Unterschiede gibt es aber doch zwischen Renault Twingo und Smart Forfour. Zum Beispiel wird der Gepäckraum beim Smart...Foto: promo

Und was ist mit dem künftigen 90-PS-Turbobenziner, der im Smart erst später starten wird? Der enttäuschte bei einer früheren Testfahrt im Twingo. Unwillig nahm er Gas an. Gleichmäßige Kraftentfaltung fühlte sich anders an. Trotz aller Sparbemühungen gelang es im Twingo nicht, beim Verbrauch im gemischten Stadt- und Überlandverkehr unter die 6,5-Liter-Marke zu kommen. Die vom Werk angegeben 4,3 Liter sind utopisch. Für ein komplett neu entwickeltes und so kleines Auto sind die realen Verbräuche der Dreizylindermotoren kein Ruhmesblatt.

Beim Renault Twingo wird gekurbelt

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch längst nicht dasselbe, sagt der Volksmund. Recht hat er auch in diesem Falle. Renault Twingo und Smart Forfour sind trotz ihrer weitgehenden Baugleichheit sehr unterschiedlich - bei den Preisen und bei der Ausstattung. Los geht es beim Renault Twingo SCe 70 Energy bei 10 990 Euro. Der entsprechende Smart Fourfour ist 565 Euro teurer. Aber nur auf den ersten Blick. Denn er ist besser ausgestattet. Stets mit Zweifarblackierung, mit serienmäßigem Knieairbag für den Fahrer, mit vorderen elektrischen Fensterhebern (nur Kurbeln beim Twingo) oder mit farbigem Bordcomputer. Dafür schluckt das Gepäckabteil des Twingo wegen der schmaleren Seitenverkleidung eine Tasche mehr. Der für den Käufer wohl wichtigste Unterschied ist die bessere Variabilität des Smart.

Während sich beim Renault Twingo nur die Rücksitzlehne in einer steileren Cargo-Stellung arretieren oder - wie auch der Beifahrersitz - komplett flach legen lässt, hat der Smart eine schlauere Version zu bieten. Für 250 Euro extra gibt es „Readyspace-Sitze“ mit entnehmbarer Cargobox. Auf gut Deutsch: Zieht man an einer Schlaufe des Rücksitzkissens, dreht sich dieses in einer 180-Grad-Drehung um zwölf Zentimeter nach unten und schafft so Platz für richtig sperrige Gegenstände. Selbst ein Kühlschrank würde dann reinpassen. Klasse Idee! Wie auch diese Geschichte: Während die Motorabdeckung des Renault Twingo recht heiß wird und damit auch dort deponiertes Gepäck, bleibt die beim Smart kühl. Der Trick: Der Smart besitzt zusätzlich eine Motorraumlüftung und im Motorraum einen Umwälz-Lüfter. Aufwändig, aber gut. Vorteil selbst bei der Vollkasko-Versicherungseinstufung: Smart VK 13, Twingo VK 15. Der Smart ist also klar der bessere Twingo!

Nicht so recht ins ansonsten gute Bild passen da zwei Gemeinheiten. Beim Smart kostet die Gepäckraumabdeckung immer 40 Euro extra; beim Twingo ist sie Serie. Und für einen sieben Liter größeren Tank (35 statt 28 Liter) verlangt Smart 60 Euro extra. Beim Renault Twingo ist der große Tank immer ohne Aufpreis an Bord. Wer seinen Smart richtig schick machen will, landet dann bei 19 628 Euro. Viel mehr als beim Twingo und nicht viel weniger als ein nun ebenfalls schicker Skoda Fabia mit 75 PS kostet. Der bietet aber mehr Platz und noch besseren Fahrkomfort. Das ist auch neu: Als Smart Fourfour ist der Smart nicht mehr so unverwechselbar und muss sich mit seinem Preisniveau an „gewöhnlichen“ Kleinwagen messen lassen.

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