Sonderthema Offroad : Asphalt gilt nicht

Die wenigsten Geländewagen werden artgerecht bewegt. Reiseveranstalter helfen weiter.

Ingo von Dahlern

Was tun die meisten mit Autos, die mehr können als nur auf normalen Straßen fahren? Nichts Besonderes. Auch wenn man per Offroader auch abseits ausgebauter Pisten vorankommen könnte: Fast alle Besitzer fahren ihr Fahrzeug so wie ein ganz normales Auto. Es ist kaum anders als bei der Waschmaschine: man nutzt nur ein paar wenige Standardprogramme, die unzähligen anderen Möglichkeiten lässt man außer acht. Selbst im stundenlangen Stau bleibt man mit seinem professionellen Geländegänger genervt auf der Piste, obwohl man quer durch den Straßengraben und über den nächsten Acker in wenigen Minuten die nur ein paar hundert Meter entfernte Landstraße erreichen könnte, auf der der Verkehr unbehindert fließt. Schade um die tolle, aber leider ungenutzte Technik, die in den meisten Fällen nach vielen Jahren verschrottet wird, ohne je eingesetzt worden zu sein.

Dabei gibt es Angebote, durch die man das Potenzial solcher Fahrzeuge ausreizen kann: Reisen abseits fester Wege, die nur mit solchen Wagen zu bewältigen sind, zu Zielen, die man mit normalen Autos nie erreicht. Offroad-Urlaub – mit dem eigenen Auto oder mit Geländefahrzeugen, die vom Veranstalter gestellt werden: Ob auf Pisten und durch Flüsse quer durch Island, ob durchs winterliche Lappland, ob quer durch die Sanddünen der Sahara, auf verschlammten Pisten durch Botswana oder aus Deutschland bis in die Mongolei – das sind nur ein paar aus einer ganzen Reihe von Angeboten, die von Fahrzeugherstellern und speziellen Anbietern gemacht werden.

Allerdings findet man solche Reisen meist nicht in normalen Reiseprospekten. Aber man wird fündig auf den Internetportalen der offroad-engagierten Fahrzeughersteller. Wie zum Beispiel Volkswagen: „Volkswagen Driving Experience“ (www.volkswagen-driving-experience.de) nennt sich das Angebot der Wolfsburger, zu dem neben den verschiedensten Formen von Fahr- und Sicherheitstrainings auch Eventreisen gehören. Die gibt's als Traumreisen durch Europa zu allen Jahreszeiten – durchs winterliche Lappland ebenso wie nach der Schneeschmelze durchs Val d'Ìsère, das man Ende August von Turin aus zu einem viertägigen Offroad-Abenteuer ansteuert. Gefahren wird bei allen VW-Eventreisen mit Touaregs, die einschließlich Benzin vom Veranstalter gestellt werden. Im Sommer wird Island auf einer Viertagestour erkundet. Reicht nicht? Auch Afrika hat VW im Programm, zum Beispiel eine Woche im Oktober in Südafrika, eine Woche im November in Botswana im Okawangodelta, und für die, die zwei Wochen Zeit haben, die Route von Südafrika über Namibia nach Botswana oder in umgekehrter Richtung. Selbst ohne Offroad-Erfahrung muss man keine Angst vor solchen Reisen haben, denn zum Programm gehört auch ein intensives Training durch professionelle Instruktoren.

„Grenzenlose Freiheit lässt sich nur dort genießen, wo man keiner Spur mehr folgt“, heißt es bei den Kollegen von BMW. Hier steht mit dem X5 Namibia mit einer achttägigen, rund 1200 Kilometer langen Tour auf dem Programm – mit einer faszinierenden Mischung aus Offroadfahren, Naturerlebnissen, Nashorn-Safari und geselligen Abenden (www1.bmw.de/bmw-live/fahrertraining/de/index.html).

Namibia hat auch Mercedes im Programm: sechs mal, eine Woche lang, im Oktober und November (www.offroad.mercedes-benz.de). Sahara pur gibt es bei fünftägigen Trips durch Tunesien. Gefahren wird dabei mit dem kommenden kompakten SUV GLK. Aber auch in Europa hat Mercedes Angebote – eine achttägige Reise durch die deutschen Mittelgebirge Ende Juli zum Beispiel. Einige der schönsten Landstriche von Frankreich erfahren dagegen die Teilnehmer der Savoir-vivre-Tour. Berge, Vulkane, tiefe, durch Flüsse eingegrabene Schluchten und die Atlantikküste sind die Ziele der Reise für Genießer Anfang Oktober. Etwas Leidensfähigkeit sollte man dagegen mitbringen, wenn man sich für die ultimative Offroad-Reise des Jahres entscheidet: Die Route führt in die Mongolei, durch die Ukraine, weiter nach Russland und Kasachstan bis raus nach Ulan Bator. Fünf Wochen dauert die Tour, die über Straßen und Pisten führt – zumindest dann, wenn es welche gibt. Ansonsten geht es von Ende August bis Ende September quer durch die Steppe und über die Berge – ganz nach Wunsch mit dem eigenen oder einem vom Veranstalter gestellten Fahrzeug.

Besonders attraktive Ziele abseits aller Wege bietet schließlich auch Land Rover an (www.landrover-experience.de). Bis auf 4000 Meter Höhe führt zwischen August und Oktober eine zweiwöchige Offroad-Tour durch die wildesten Regionen Argentiniens mit einmaligen Bergpanoramen, blendenden Salzseen, Riesenkakteen und weiteren Naturwundern. Am entgegengesetzten Ende des amerikanischen Kontinents hat Landrover dann noch das kanadische British Columbia im Angebot: elf Tage, mit einzigartiger Tierwelt und ursprünglicher Natur, die man mit dem Hersteller auch in Island erfahren kann. Welche Reize Europa bietet, zeigten im Frühjahr bereits eine Schottland-Tour vorbei an einsamen Castles und uralten Whisky-Destillerien und eine Tour durch das echte und wilde Spanien auf den Spuren Don Quichotes.

Also: Angesichts der Angebote gibt es wenige Gründe, mit einem Offroader nur auf ausgebauten Straßen zu fahren. Allerdings: Zwischen 2500 und gut 5000 Euro pro Person werden einschließlich Anreise bei den meisten Anbietern fällig. Aber für alle, die wenig Erfahrung und deshalb Angst vor großen Touren haben: Alle Veranstalter solcher Offroad-Reisen bieten auch Offroad-Fahrtrainings an. Und da kann man vorab erfahren, welche fast nie genutzten Qualitäten in den Fahrzeugen stecken.

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