Auto : Spar-Programm

Wenn Software den Fahrstil moniert: Eine Fiat-Studie verrät, wann Autofahrer effizient unterwegs sind

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Machen wir uns nichts vor: Sprit wird in den nächsten Jahren teurer. Also gehört sorgsamer Umgang mit diesem teuren Saft zum zeitgemäßen Fahren. Sparen lässt sich auf verschiedene Art. Mit modernen Autos, welche Spartechnik wie Start-Stopp-System, Leichtlaufreifen, verstellbare Lüftungsklappen, Bremsenergierückgewinnung und Hybridtechnik an Bord haben, um nur einige zu nennen. Wirksam, aber teuer. Das größte Sparpotential ist der Mensch selbst, die Bleifußfraktion ein Auslaufmodell.

Fiat hat jetzt eine interessante Studie vorgestellt, die erste Erfahrungen der von den Italienern entwickelten und vor zwei Jahren eingeführten Spritspar-Software EcoDrive enthält. Bei 5700 Fahrern aus fünf Ländern (Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien) wurde der Fahrstil von insgesamt 428 000 Einzeltouren untersucht. Ergebnis: Die kostenlose Software EcoDrive, mit der jeder seinen Fahrstil am Computer selbst analysieren und somit verbessern kann, senkt den Verbrauch ohne großen Aufwand um bis zu 16 Prozent! Das Prinzip: Über die Bordelektronik erfasst EcoDrive während der Fahrt Daten zu Beschleunigungs- und Bremsphasen, zum Gangwechsel und zur Geschwindigkeit. Dieser kostenlose Sparhelfer lässt sich kinderleicht handhaben. Er wird von der Webseite www.fiat.de/ecodrive auf einen Stick heruntergeladen, der fortan als elektronischer Aufpasser den eigenen Fahrstil überwacht. Er speichert Daten von vier Kriterien: korrektes Schalten, gleichmäßiges Beschleunigen, gemäßigtes Abbremsen und konstante Geschwindigkeit. Auf dieser Basis wird ein Koeffizient zwischen 0 und 100 berechnet; der so genannte Eco-Index.

Der gibt Aufschluss, wie effizient man fährt. Zunächst werden die ersten fünf Tage analysiert; diese dienen dann als Vergleichsgröße für spätere Fahrten. Sind die Daten auf einen PC übertragen, vergleicht die Software die Daten miteinander und stellt die Ergebnisse in übersichtlichen Grafiken dar. Der EcoDriver bekommt nachvollziehbare Hinweise, wie er seinen Fahrstil verbessern kann; zum Beispiel durch früheres Hochschalten, oder durch weniger starkes Bremsen. In kurzer Zeit kann er so seine Fahrweise auf einen spritsparenden und dennoch keineswegs schneckenhaften Fahrstil umstellen. Die Studie förderte ein Nord-Süd-Gefälle zutage. Am effizientesten fahren die Briten, gefolgt von den Deutschen. Am schlechtesten die Spanier, knapp vor den Italienern. Im Durchschnitt haben die Fahrer aller Länder den Kraftstoffverbrauch immerhin um sechs Prozent gesenkt. Die Studie zeigt, dass die deutsche Autofahrer zwar früh hoch Schalten, aber zu stark beschleunigen - und so noch Kraftstoff vergeuden, Die Briten hingegen kamen mit spritsparenden Gangwechseln am besten zurecht. Und auch das zeigt die Studie: Spritsparer kommen in vielen Fällen wegen des vorausschauenden gleichmäßigen Fahrstils nicht nur sparsamer, sondern auch schneller ans Ziel. Und sie fahren weniger aggressiv und deshalb sicherer.

Vorerst gibt es diese kostenlose Software nur für die Fiat-Modelle 500, Grande Punto, Punto Evo, Bravo, Croma, Doblo und Qubo. Die Italiener planen jedoch, sie auch auf Alfa Romeo-Modelle auszuweiten. Für die Fiat-Töchter Ferrari und Maserati ist die Sparhilfe nicht vorgesehen. Dafür gaben die Italiener einen Ausblick: Irgendwann kommuniziert das Auto direkt mit dem Fahrer und warnt ihn, wenn er zu spät schaltet, zu viel Gas gibt oder nicht gleichmäßig genug fährt - und es zeigt ihm in Echtzeit an, wie effizient er in jedem Moment fährt. Da lässt man sich doch gern mal in seinen Fahrstil von einer Maschine reinreden, schließlich geht es ja ums liebe Geld.

Übrigens: Dass EcoDrive funktioniert, hat der Autor im wirren Stadtverkehr von Frankfurt am Main mit einem Fiat 500 TwinAir mit Start-Stopp-System selbst erfahren können: Im Italo-Mini mit dem 85 PS starken revolutionären Turbo-Zweizylinder (ab 12900 Euro) fuhr er die erste Runde mit einem Eco-Index von 61, und nach Auswertung der Fehler am Computer (zu starkes Bremsen; keine gleichmäßige Beschleunigung) kam er in der zweiten Runde schon auf 71. Rainer Ruthe

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