Auto : Sparsam gemacht

Heute startet die überarbeitete C-Klasse – mit vornehmerem Innenraum und mit Motoren, die weniger verbrauchen

Rainer Friedrich

Heutzutage können Autos indiskret sein. So wie die überarbeitete C-Klasse. Unter den 2000 neuen oder geänderten Teilen befindet sich das 3070 Euro teure Multimedia-System Comand Online. Damit lassen sich gefahrene Routen speichern und später exakt nachfahren. Auch ins System eingegebene Sonderziele behält der Mercedes auf Wunsch – eine Verlockung für misstrauische Partner ...

Bemerkenswert, dass nun offenbar selbst Mercedes davon ausgeht, nicht mehr so hemmungslos an der Preisschraube drehen zu können wie noch vor Jahren. Mit dem Becker Map Pilot gibt es erstmals für die C-Klasse eine preisgünstige Navigationslösung für das serienmäßige Einstiegsgerät Audio 20 CD. Es lässt sich bequem über das interne System bedienen sowie über ein Internetportal aktualisieren. Der Preis ist aber noch immer vierstellig: 1190 Euro.

Ins Geld (zwischen 893 und 2321 Euro) gehen auch die insgesamt zehn Fahrerassistenzsysteme (siehe Kasten), mit denen die C-Klasse bei guter Bezahlung stets schützend auf der Lauer liegt, um sich im Falle eines Falles elektronisch vor die Insassen zu stellen. Dazu bedient sich das Auto modernster Radar-, Kamera- und Sensortechnik, von der allerdings heute noch kein Mensch verlässlich weiß, wie die sich in 20 oder 30 Jahren verhalten wird. Der Weg zum Young- und Oldtimer mit Stern dürfte komplizierter und teurer werden. Und nicht zum hohen sicherheitstechnischen Anspruch passt die Tatsache, dass hintere Seitenairbags, in vielen Kleinwagen serienmäßig, in der C-Klasse 407 Euro extra kosten.

Ohne große Zuzahlung beseitigen die Stuttgarter einen früheren Makel, der so gar nicht zu dieser Marke passte: die triste Anmutung im kargen Innenraum. Lenkrad und Zierteile auf der Mittelkonsole aus dem CLS (gegen Aufpreis), bessere Kunststoffe, mehr galvanisierte Flächen auf Leisten und Schaltern (ohne Aufpreis) schaffen eine angenehmere Atmosphäre. Allerdings besteht noch immer ein Abstand zur Detailverliebtheit eines Audi. Im Mercedes erweisen sich die nach Alu ausschauenden Schalter beim Anfassen als Plastikteile. Egal, das Cockpit macht nun einen vornehmen Eindruck. Allerdings leidet die Ablesbarkeit der Instrumente unter ihrer Pracht.

Nicht offen zur Schau gestellt hat Mercedes den technischen Fortschritt unter dem schärfer gezeichneten Blech. Da ziehen umweltfreundlichere Triebwerke ein: Um bis zu 31 Prozent Kraftstoff verbrauchen sie weniger. So schluckt das sparsamste Modell der C-Klasse, der C 220 CDI mit 170 PS (ab 36 860 Euro) mit 4,4 Litern Diesel nun 0,4 Liter weniger als der Vorgänger. Aber: Ein BMW 320d mit 165 PS begnügt sich mit nur 4,1 Litern. Mit 4,8 Litern Diesel soll sich der kräftige und auch recht kultivierte C 250 CDI mit 204 PS und Siebengang-Automatik (ab 39 359 Euro) bescheiden; er kann Tempo 240 fahren. Bei allen Versionen ist jetzt eine Start-Stopp-Automatik serienmäßig an Bord, deshalb tragen alle nun die imageträchtige Bezeichnung Blue Efficiency. Alle Automatikversionen (außer C 300 CDI 4Matic) verfügen über die weiterentwickelte Siebengang-Automatik 7G-Tronic Plus, die ebenfalls über das spritsparende Start-Stopp-System verfügt und die veralteten 5-Gang-Automaten ablöst.

Wir haben die Benziner mit 184, 204 und 306 PS verglichen – vom Charakter her ganz unterschiedliche Modelle. Die 184-PS-Maschine (mit Sechsgang-Schaltgetriebe) fährt sich wegen des etwas verzögert reagierenden Turbos nicht so geschmeidig wie die 4641 Euro teurere 204-PS-Version mit der serienmäßigen weich schaltenden Siebengang-Automatik, welche die Turbo-Gedenksekunde elegant kaschiert. Über jeden Zweifel erhaben ist der schneidige, fast schon bissige V6-Sauger mit 306 PS (ab 46 529 Euro). Da passt alles, auch weil der Testwagen mit dem 1178 Euro teuren Fahrdynamik-Paket mit tiefergelegter Karosse, elektronisch geregeltem Fahrwerk und Sport-Parameterlenkung ausgerüstet ist. Wer in der C-Klasse sportlicher fahren will, muss halt extra zahlen. Aber es ist kein rausgeworfenes Geld.

Kurven? Ja, bitte. Komfort? Aber klar, das gehört sich beim Daimler so. Alle C-Klassen besitzen serienmäßig die variablen Dämpfer, welche den Mercedes-typischen hohen Fahrkomfort situationsgerecht zur Verfügung stellen. Trotz deutlich herausgekehrtem Sportsgeist ist auch diese stark verbesserte C-Klasse nach wie vor ein typischer Mercedes. Der optische Auftritt ist jetzt zwar etwas greller geworden, aber der elegante Abgang beim Fahren zum Glück geblieben – so wie bei einem guten Rotwein.

Das T-Modell ist 1666 Euro teurer als die Limousine und bietet mit bis zu 1500 Litern einen großen Laderaum. Wie die Limousine steht das T-Modell ab diesem Samstag beim Händler. Der Kombi hat serienmäßig umklappbare Fondlehnen. Bei der Limousine kosten die 309 Euro extra.

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