Sport-SUV : Mazda CX-7: Wanderschuhe zum Abendkleid

Wenn ein SUV ein Sportwagen sein will, schaut man ganz genau hin: Seit einer Woche steht der CX-7 beim Mazda-Händler. Eine überraschende Kombination.

Eric Metzler
Mazda CX-7
Sportliches UV: Der Mazda CX-7 kann auch bei SUV-Gegnern punkten. -Foto: Mazda

Wenn es einer schafft, SUV-Hasser zu bekehren, dann der hier. Dieser CX-7 sieht einfach schnittiger aus als der hochbeinige Rest – und vor allem: Er fährt sich in der Tat sportlich. Dank elastischem Motor und harter Abstimmung macht dieser Mazda auf Landstraßen und Autobahn richtig Spaß. Genug Platz hat die kleine Familie zudem. Insofern scheint das Experiment geglückt, ein Coupé mit einem geländetauglichen Vehikel zu kreuzen.

Auf derart schräge Ideen kann nur eine Spezies kommen, die es zur Aufgabe hat, menschliche Schwächen zu Geld zu machen – Leute vom Marketing. Deren Kopfgeburt basiert auf zwei gegensätzlichen Erkenntnissen: Erstens boomen die mehr oder weniger spießigen SUV nach einem halben Dutzend erfolgreicher Jahre noch immer. Und zweitens hören große Jungs heimlich nie auf, von Sportwagen zu träumen. Der CX-7 nun ist das erste Auto, das beidem Rechnung trägt. Wer hier einsteigt, darf zu Wanderschuhen ein frech geschnittenes Abendkleid tragen.

Seit einer Woche steht der Japaner bei den Händlern. Vorne trägt er eine scharf gezeichnete Nase, wie sie auch dem reinrassigen Sportler RX-8 im Gesicht sitzt. Markanter Grill, keilförmige Scheinwerfer, eine flache, lang gezogene Frontscheibe – komme hier bloß keiner auf die Idee, es fehle an Dynamik. Im Inneren setzt sich die flotte Linie fort. Das doppelstöckige Armaturenbrett mit seinen drei Rundinstrumenten ist modern, aber unverschnörkelt gezeichnet; das Dreispeichenlenkrad kennen wir aus dem MX-5. Der Kunststoff ist durchgängig schwarz, typisch Mazda, hart, kratzempfindlich, aber knarzfrei. Die Sitze könnten mehr Beinauflage und Seitenhalt vertragen; Kopf- und Fußfreiheit in dem 1,65 Meter hohen Auto gehen aber in Ordnung.

Dass der CX-7 für den US- Markt konzipiert war, merkt man ihm unterwegs nicht an. Mazdas Ingenieure haben ihr Lager wochenlang auf dem Nürburgring aufgeschlagen, um aus dem Weichei einen harten Athleten zu machen – mit bemerkenswertem Erfolg. Nun liegt der Wagen selbst bei schnellen Kurvenfahrten satt auf der Straße. Der 260 PS starke Vierzylinder wirkt in diesem schweren Auto zwar nicht so brachial wie im leichten Mazda 3 MPS. Doch druckvoll und drehfreudig genug ist die 2,3-Liter-Maschine plus Turbolader allemal. Wer es darauf anlegt, kann die Vorderräder beim Spurt aus dem Stand kurz aus der Fassung bringen. Sobald die Elektronik das mitbekommt, wird die Kraft dann auch auf die Hinterräder geschickt. Schließlich verfügt der CX-7 über (variablen) Allradantrieb. Ein Offroader ist der Mazda damit natürlich nicht, für matschige Feldwege dürfte es aber reichen. Mit Blick darauf bietet der Kofferraum ein nettes Detail: Der Ladeboden lässt sich umdrehen, wobei die Unterseite aus abwaschbarem Plastik besteht.

Für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich nüchtern geht es in der Preisliste zu: Es gibt nur einen Motor und nur zwei Ausstattungslinien. Die Basisversion Energy hat so ziemlich alles an Bord, was der Normalo an Komfort und Schnickschnack braucht: Klimaautomatik, Tempomat, MP-3-Radio, höhenverstellbarer Fahrersitz, heizbare Außenspiegel,18-Zoll-Alus mit 235er-Bereifung. Für dieses Einstiegspaket werden 31 800 Euro aufgerufen; für einen BMW X3 2.5si legt man gut und gerne 10 000 Euro mehr hin.

Nach unserem ersten Eindruck funktioniert das Konzept des CX-7 durchaus; in einer neu entdeckten Nische wird er Käufer finden, die noch mehr anders als die anderen sein wollen. 1700 Autos will Mazda im kommenden Jahr von diesem Typen verkaufen. Hätten die Japaner einen sparsamen Diesel im Angebot, könnte der Hersteller diese Marke vermutlich sogar übertreffen. Bei zügiger Fahrt haben wir 12 Liter Benzin gebraucht – auch für wohlwollende Freunde des Crossover liegt dieser Wert nah an der Schmerzgrenze.

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