Sportwagen : Lancer Evolution: Das darwinsche Prinzip

Der Lancer Evolution ist nicht bloß eine verspoilerte Familienkutsche. Er hat echte Rallye-Gene

Ingo von Dahlern,Kai Kolwitz

Sollen doch andere an ihre Langweilerkisten ein bisschen Plastik kleben, den Motor chippen und dann die Marketingabteilung damit beauftragen, das Resultat als Sportmodell unter die Leute zu bringen.

Bei den Evolution-Modellen der Lancer-Baureihe lag der Fall schon immer ein wenig anders: Der erste erschien Anfang der Neunziger als Homologations-Modell für den Wagen, der für den Konzern Rallyes gewinnen sollte. Das Prinzip dahinter: Um in der Weltmeisterschaft antreten zu dürfen, musste und muss jeder Hersteller eine gewisse Anzahl straßenzugelassener Exemplare seiner Renn-Boliden bauen. In der Rallye-Theorie soll das für Seriennähe sorgen, dafür, dass kein Team mit einem millionenteuren Einzelstück alle anderen in Grund und Boden fahren kann. In der Praxis sorgte es allerdings vor allem für Schulterzucken. Na ja, dann baut man halt ein paar mehr davon.

Im Ergebnis waren die ersten Generationen des Lancer Evolution damit notdürftig gezähmte Rennwagen – ohne viel Image, für den Laien optisch leicht mit einem pubertär getunten Second-Hand-Fahrzeug zu verwechseln. Aber mit immer noch genug Renntechnik an Bord, um deutlich prestigeträchtigerer Konkurrenz in der Kurve zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und was beim Start niemand erwartet hätte: Immer mehr Liebhaber erkannten die geheimen Qualitäten und scharten sich um die Wölfe in der Familienkutschentarnung.

Auf der Piste wie auch in den Showrooms lieferte sich Mitsubishi seitdem heiße Kämpfe mit dem Konkurrenten Subaru und dessen Impreza Turbo. Im Zuge des Wettrüstens hielten Goodies Einzug in die Straßenversionen wie etwa Trockeneis- und Wasserbehälter im Motorraum, die dazu da waren, Ansaugluft und Turbolader zu kühlen und dem Wagen damit zu noch ein paar Extra-PS zu verhelfen. Und natürlich: Elektronik, Elektronik und noch mal Elektronik, vor allem im Fahrwerksbereich. Alltagstauglich? Na ja. Wahnsinn? Na und?

Allerdings stellt sich die Frage, warum wir das an dieser Stelle schreiben. Denn, wir zitieren aus der offiziellen Produktinformation des neuesten Lancer Evolution: „Statt des traditionellen Duells mit dem Subaru Impreza Ausrichtung auf ein breiteres, anspruchsvolles Publikum.“ Und: „Weg vom ,Boy-Racer’-Image.“ Also Schluss mit der Pubertät, ein angepasster Evo für die Masse?

Nein, Gott sei dank nicht. Zumindest nur im positiven Sinn: Nach den Eindrücken, die einige flotte Ausritte hinterlassen haben, darf man den Evo auch weiterhin ohne jeden Abstrich Sportwagen nennen. Zwar ist die Optik deutlich ziviler geworden, lediglich Spoiler und Ölkühler heben den Lancer Evolution aus der Masse heraus. Aber unter der Hülle ist er immer noch ein hoch entwickelter Technologieträger. Ihn bewegen zu dürfen jagt Kennern den Puls in die Höhe.

Grund Nummer eins dafür ist der Motor – ein Zweiliter-Vierventil-Turbo, der sich mit knapp 300 PS wohl nicht zufällig fast exakt an den Grenzen des Rallye-Reglements bewegt. Als Hochleistungsversion des neuen Mitsubishi-Zweiliters aus Aluminium verfügt er über eine vollvariable Ventilsteuerung und liefert ein bulliges Drehmoment von 366 Newtonmetern. 5,4 Sekunden reichen aus, um die Tempo-100-Marke zu erreichen.

Grund Nummer zwei ist das, was Mitsubishi mit dem Kürzel „S-AWC“ für „Super All Wheel Control“ bezeichnet: ein elektronisch gesteuertes Allradantriebssystem, das laut Mitsubishi fast genau so auch in der Rallye-WM zum Einsatz kommt. Eine ins System integrierte Fahrdynamikregelung, ein Mittendifferenzial, ein Sport-ABS und – alles andere als Standard – ein Sensorsystem für Bewegungen um die Hochachse, sorgen dafür, dass die Antriebskräfte blitzschnell neu verteilt werden können. So wird der Lancer Evolution in jeder Fahrsituation an jedem einzelnen Rad mit der optimalen Antriebskraft versorgt und fährt exakt dorthin, wohin der Fahrer es wünscht. Damit ist diese Lancer-Version ein Auto, das auch extrem schnell gefahren extrem stabil ist. Zumindest so lange, wie man die Naturgesetze nicht infrage stellt. Wer keine Lust auf Handschaltung hat, bekommt dazu mit dem Evo nun auch von Mitsubishi ein automatisiertes Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe mit Schaltwippen und dreifach einstellbarer Charakteristik – selbst bei voll durchgetretenem Gaspedal absolut ruckfrei.

45 950 Euro ruft Mitsubishi mindestens für den Lancer Evolution auf. Für eine Limousine ist das ein stolzer Preis – aber den Evolution muss man mit reinrassigen Sportwagen vergleichen. Und gegen die ist er als Limousine alltagstauglicher. Und damit fast ein Sonderangebot.

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