Sportwagen : Mitsubishi Lancer: Aus der Dämmerung

Der Mitsubishi Lancer? Stimmt, den gab’s ja auch noch. Mit sportlichem Design soll er jetzt um junge Käufer buhlen.

Gerd Nowakowski
Mitsubishi Lancer
Der Mitsubishi Lancer. -Foto: Promo

Schrecklicher geht es nicht. Zumindest nicht für einen Marketing-Mann. Ach was, für einen Auto-Manager ist ein solcher Befund die schiere Katastrophe. Vor allem Ehepaare um die 60, deren Kinder längst aus dem Haus sind, kaufen noch einen Lancer. „Empty Nesters“ nennt man in Marketing-Kreisen diese Gruppe. Zukunft sieht anders aus. Nachdenken, wir müssen nachdenken, hieß deswegen offenbar die Parole in der Mitsubishi-Chefetage: Was machen?

Das Ergebnis solchen Nachdenkens steht in den sardischen Bergen und ist knallrot. Das Ding könnte einen ernsthaften 30-jährigcn Familienvater mit zwei kleinen Kindern durchaus zum Staunen bringen und dazu, etwas wie „uiuiui“ zu sagen – und sich an jene Tage zu erinnern, als er sich noch nicht für schnittige Buggys interessierte, sondern für Rallyes und mit dem ersten eigenen Auto versuchte, mit Gas und Bremse mit dem Hintern um die Kurve und so.

Derzeit staunt nur der sardische Schäfer hoch droben in seinen Bergen über das knallrote Auto. Das steht eingekeilt von seinen Schafen auf der engen Bergstraße auf Sardinien. So ein Ding hat er noch nie gesehen. Kann er auch nicht. Die Lancer Sportlimousine kommt erst jetzt auf den Markt. Auf den vielen Kurven im sardischen Hochland kann der Wagen richtig zeigen, dass in ihm weit mehr steckt als eine biedere Familienkutsche. Das soll er auch. Denn Mitsubishi – siehe oben – will weg vom Langweiler-Image. Lange war der Lancer ein grundsolides, aber wenig spektakuläres Auto, für das sich zuletzt immer weniger Käufer interessierten. Nun hat man sich in Japan wieder daran erinnert, dass der Lancer einst als Rallye-Kracher begonnen hat, als etwa 1974 die Afrika-Rallye gewonnen wurde. Lange her. Damals war es eine spartanische Blechbüchse mit dünnen Reifen und an der hinteren Stoßstange angeschweißten Fußklampen, auf die sich der Beifahrer stellen konnte, wenn die Kiste sich mal wieder im Sand festgefahren hatte.

Ja, fahren soll wieder Spaß machen. Deswegen haben die Designer dem Lancer ein betont dynamisches Profil verpasst. Das beginnt bei der markanten Front mit den aggressiv wirkenden, schmal zulaufenden Scheinwerfern, denen die nach vorn gezogene Haube den Eindruck finster zugezogener Augenbrauen vermittelt. Die ansteigende Seitenlinie und das kurze hochgezogene Heck unterstreicht das sportliche Aussehen. Da sind einige so gute Ideen beim Design dabei, dass man sich gleich wie unter alten Bekannten fühlt. Anders gesagt: Was die Designer an stilistischen Lösungen zusammengetragen haben, erzeugt ein wenig das entfernte Gefühl von das-hab-ich-doch-schon-mal-gesehen. Die flotten Rücklichter erinnern an Alfa, der Frontgrill an Fiat, der markante Kurvenverlauf am Heck ein wenig an Volvo. Wen stört es, wenn sich alles in ein ansehnliches Konzept fügt. Und viele innere Werte hinzukommen, damit auch der verantwortungsvolle Familienvater und seine Frau zu ihrem Recht kommen.

Die viertürige Stufenhecklimousine ist jedenfalls flott unterwegs. Der Wagen ist zunächst ausschließlich mit einem von Volkswagen gelieferten 140 PS starken Zwei-Liter-Diesel erhältlich. Der verhilft mit seinem kraftvollen Drehmoment dem Lancer zu einer zügigen Fahrt. Ein straffes Fahrwerk, das den Wagen ohne Murren über die holprigen Wege und durch die engen Kurven bringt, sowie ein Sechs-Gang-Schaltgctricbe mit knackig-kurzen Schaltwegen kommen hinzu. Beim Sicherheitspaket wurde mit sieben Airbags, elektronischer Stabilitätskontrolle und wählbarem aktiven Kurvenlicht nicht gespart. Ab Februar 2008 soll dann ein 1,8-Liter-Benzinmotor mit 143 PS Leistung folgen.

Mitsubishi erwartet sich einiges von der neuen Lancer Sportlimousine. Im Werbe-Sprach-Geschwurbel ist viel von einem neuen „Global Car“ die Rede, das zugleich ein „Regional Car“ sein soll, ohne eines der offenbar in Verruf geraten „World Cars“ zu sein. Verstehe, wer das will. Nur eines ist klar: Angreifen will Mitsubishi in Deutschland mit dem Lancer und rechnet sich in der Mittelklasse eine solide „Conquest Rate“ aus – jeder zweite Käufer soll neu zu Mitsubishi kommen. Soll heißen: Wer Ford Mondeo, Volvo S 40 oder sogar Audi A4 fährt, soll ins Grübeln kommen und seine alte Kiste für einen Lancer in Zahlung geben. Die Japaner wollen von dem in Deutschland gezeichneten Wagen im kommenden Jahr 8000 Stück absetzen – Ankurbeln soll den Verkauf zusätzlich eine bald nachfolgende Fließheckvariante.

Unmöglich scheint das nicht. Denn der Lancer bietet hohen Nutzwert, gutes Raumangebot und erstaunlichen Komfort. Mit 4,57 Meter Länge ist der Lancer ein ausgewachsener Mittelklassewagen. Mit dem erfreulich durchzugsstarken Diesel kommt man in 9,6 Sekunden auf Tempo 100 und der Verbrauch beträgt ordentliche 6,1 Liter nach EU-Zyklus. Die viertürige Stufenhecklimousine ist mit dem 2,0-Liter-Diesel ab 21 490 Euro zu haben, mit einem 1,8-Liter-Benziner sogar schon ab 19 250 Euro. Selbst mit dem allergrößten Extrapaket ist der Preis von 27 990 Euro voll konkurrenzfähig.

Die Innenausstattung ist ansprechend, die Rundinstrumente sind allerdings trotz des tiefen Röhren-Dekors nicht ganz blendfrei. Nur wenn Papa – ohne Kinder auf dem Rücksitz – so richtig durch die Kurven hirscht, zeigt sich, dass den Sitzen ein wenig mehr Seitenstabilität gut täte. Ein wenig billig wirken nur die Rundknöpfe über der Mittelkonsole. Aber wenn Papa einkaufen geht, und mal wieder mit vier vollen Eüten in der Hand am Kofferraum steht, dann ist der berührungslose Schlüssel in der unerreichbaren Hosentasche Gold wert – der entriegelt automatisch den Kofferraum per Funk, so dass der Fahrer nur noch den Knopf drücken muss, damit die Klappe aufspringt. Da ist dann auch der Rallyefahrer im Papa zufrieden.

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