Sportwagen : Porsche Cayman: Heizen wird billiger

In diesen Zeiten spricht auch Porsche über den Verbrauch – aber nicht nur. Der Cayman fährt mit zwei neuen Boxermotoren in die Zukunft.

Eric Metzler
242078_0_86396bf8.jpeg
Porsche Cayman -Foto: Promo

Die Prioritäten ändern sich – deshalb verabreichen wie die Nachricht vom neuen Cayman in zwei Dosen. Die erste: Porsche senkt den Verbrauch bei seiner kleinsten Baureihe um bis zu 16 Prozent. Die zweite: Die Leistung des Fahrgeräts und das Vergnügen damit haben nicht im Geringsten gelitten, nein, die zweite Generation des Cayman fährt sich tatsächlich noch zackiger als die erste.

Das liegt vor allem an technischen Leckerschmeckern, die Porsche im Sommer dem 911er gegönnt hat und die bis Februar 2009 nun Cayman-Fans den Mund wässrig machen. So spricht das Coupé dank Benzin-Direkteinspritzung noch direkter aufs Gas an als bisher. Und das neue Doppelkupplungsgetriebe PDK perfektioniert die Automatik auf eine Weise, die Walter Röhrl kapitulieren lässt. „Das ist einfach unschlagbar“, sagt die Rallye-Legende, „nichts zu machen“. Was er meint: Für gewöhnlich fährt Röhrl gegen jede Automatik bis Tempo 100 einige Zehntelsekunden heraus. Damit ist es nun vorbei – jedenfalls, wenn man für einen Cayman S zusätzlich zum PDK die Option „Launch Control“ ordert. Das Gaga-Spielzeug ermöglicht maximale Beschleunigung aus dem Stand: Mit links auf die Bremse, mit rechts das Gaspedal bis zum Anschlag. Der Motor dreht auf 6500 Umdrehungen hoch – und damit stürmt der Cayman los, sobald der Fahrer den Fuß von der Bremse nimmt.

Dass die Automatik trotz des Etiketts „Porsche Direktgetriebe“ im wesentlichen VW-Hirnen entsprungen ist, macht die Sache nicht schlechter. Ob man das sagenhaft schnelle, nahezu ruckfreie Hochschalten in einem Wolfsburger oder in einem Kollegen aus Zuffenhausen genießt, spielt unterm Strich keine Rolle – wächst nicht ohnehin alles zusammen? Allein der Aha-Effekt zählt.

Ähnliche Wallung lässt sich mit winzigen Tasten hinter dem Schalthebel erzeugen – beliebig oft und je nach Frustrationsgrad des abgelaufenen Arbeitstages. Mit Drücken von „Sport“ oder „Sport Plus“ ändert sich das Wesen: Der (ohnehin knackige) Sportwagen mutiert zum kernigen Rennauto. Die Software des Steuergerätes ist ein Meister des Multitasking. Sie dreht an nahezu allen Stellschrauben, die elektronisch erreichbar sind: Dämpfung, Federn, Ansprechverhalten des Gaspedals, Schaltkurven des Getriebes und mehr. Für einen Sonntagsausflug ist das Ergebnis die fantastische Härte; unter der Woche fährt man den Cayman eher mit der Standardeinstellung.

Mit der können ambitionierte Eigner im Extremfall sogar Verbrauchswerte um die zehn Liter erreichen. Zumindest experimentell lässt sich das nachweisen. Im Alltag des Porsche ist der Wert eher Makulatur. Der Messzyklus für die Verbrauchswerte im Prospekt berücksichtigt lediglich Geschwindigkeiten bis 120 km/h. Auf Dauer verlangt so ein Tempo allerdings mehr Gleichmut und Gelassenheit, als wir sie den Haltern des Reptils zutrauen. Doch gleich, von welchem Verbrauchs-Niveau man ausgeht: Der neue Cayman schluckt deutlich weniger Super als der Alte.

Ihre Sparerfolge realisieren die Tüftler mit zwei komplett neuen Boxermotoren. Das 2,9-Liter-Triebwerk des Cayman bietet 265 PS statt bisher 245; die Prospektangabe zum Verbrauch liegt bei 8,9 statt 10,1 Litern. Beim Cayman S mit 3,4 Litern Hubraum sinkt der Verbrauch um 16 Prozent (von 11 Liter auf 9,2 Liter); die Leistung steigt auf 320 PS. Beide Sechszylinder sind leichter geworden; dank neuer Teile gibt es weniger bewegte Massen; Reibungsverluste wurden minimiert (Details im Technikblock unten). Für die publikumswirksame Formel „Mehr Leistung bei weniger Verbrauch“ ist die Benzin-Direktenspritzung entscheidend: Mit ungeheurem Druck von bis zu 120 bar wird ein homogenes Benzin-Luftgemisch direkt in den Zylinder und nicht mehr wie bisher ins Saugrohr gefeuert.

Am Fahrwerk wurde wenig geändert, schon gar nicht am Mittelmotor-Konzept. Wer die Bauart nicht kennt, mag sich wundern, denn die Musik spielt gleich hinter den Sitzen. Nach drei Kurven dann haben sich alle Fragen, was das wohl solle, erübrigt: Das nennt man ideale Gewichtsverteilung! Nichts zerrt, nichts schiebt, der Schwerpunkt liegt schlicht da, wo er für hohe Geschwindigkeiten und den Kampf gegen Fliehkräfte am besten aufgehoben ist. Dass Fans des 911er trotzdem auf den Heckmotor schwören, ist eine andere Geschichte. Doch bevor wir jetzt abdriften…

PS: Walter Röhrl schaffte Tempo 100 mit Handschaltung in 5,0 Sekunden. Mit dem neuen PDG war er ein Zehntel fixer.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar