Stadtauto : SUV bleiben ein Thema – eine Nummer kleiner

Also doch: Die Diskussion über dicke Brummer hat Folgen. In Frankfurt war zu besichtigen, wie sich die Automode verändert.

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Neue Linie. Der BMW X1. -Foto: dpa

Sie sind das Feindbild der Klimaschützer und gelten als aussterbende Art. Doch auf der Internationalen Automobilausstellung, die an diesem Sonntag in Frankfurt zu Ende geht, sind die Geländewagen noch in großer Zahl vertreten. Nicht mehr ganz so groß und kantig, dafür sparsamer und sauberer fahren sie als Softies aus dem Sturm der Kritik und bleiben deshalb eine modische Alternative zu Kombi oder Großraumlimousine.

Ein Beispiel für diesen Trend ist der X1, der bei BMW Premiere hat und zu Preisen ab 27 200 Euro im Oktober zu den Händlern kommt. Der kleinste Kraxler aus Bayern ist mit einer Länge von 4,46 Metern eine Handbreit kürzer als der X3 und mit Verbrauchswerten von bis zu 5,8 Litern obendrein deutlich sparsamer. Außerdem baut BMW eine Start-Stopp-Automatik ein und spricht offen über eine Version ohne Allradantrieb. Sie soll nur 5,2 Liter verbrauchen. Mit dem X1 ist das Abspecken allerdings noch nicht vorbei: Schon auf dem Genfer Salon im März soll noch eine Nummer kleiner ein Allrad-Ableger des Mini stehen, der bislang den niedlichen Arbeitsnamen „CrossOver“ trägt.

Dass BMW mit der Schrumpfkur nicht alleine ist, belegt in Frankfurt der Stand von Hyundai. Dort dreht sich bislang noch als Studie der ix-Metro, den die Koreaner als Prototyp des „Stadtgeländewagens“ feiern und in zwei, drei Jahren als ix25 auf den Markt bringen könnten. Ob bis dahin allerdings auch schon der neue Dreizylinder-Benzindirekteinspritzer mit 92 kW/125 PS und Mild-Hybrid fertig ist, steht in den Sternen.

Aber Hyundai und die Schwestermarke Kia kommen dem Trend zum soften SUV schon früher entgegen. Der eher hemdsärmelige Hyundai Tucson steht als modisch-muskulöser iX35 auf der Messe und kontert die Klimakritik mit einem eingebauten Verbrauchstrainer. Und der Kia Sorento in der Klasse darüber wird vom harten Haudegen mit Leiterrahmen zum geschmeidigen Geländegleiter, den es mit Blick auf den Verbrauch auf Wunsch auch ohne Allradantrieb gibt. An der Sparschraube drehen auch die deutschen Hersteller. Deshalb steht der GLK bei Mercedes nicht nur mit neuen Motoren, sondern auch mit Heckantrieb und einem Minimalverbrauch von 6,0 Litern. Und VW verkauft den Tiguan ab November mit „Blue Motion“-Paket samt Start-Stopp- Automatik und verspricht bis zu einem Liter Verbrauchsvorteil.

   Ebenfalls auf Sparkurs fährt der überarbeitete Suzuki SX4, der zur Hälfte seines Modellzyklus unter anderem einen neuen Diesel bekommt. Den bisherigen 1,9-Liter mit 88 kW/120 PS ersetzt ein neuer 2,0-Liter, der 99 kW/135 PS leistet. Damit wird der SX4 schneller und sparsamer: So geht der Verbrauch von 6,3 auf 4,9 Liter zurück.  Obwohl mit der Größe neben dem Verbrauch auch die Kritik wächst, findet man auf der IAA auch eine Reihe neuer „Geländegiganten“. So zeigt Land Rover die neue Generation von Discovery, Range Rover und Range Rover Sport (siehe Beitrag auf der ersten Mobilseite). Und bei Toyota dreht sich die nächste Auflage des Land Cruiser im Rampenlicht. Doch selbst diese Dickschiffe fahren einen umweltfreundlicheren Kurs. So reklamiert Land Rover für die neuen V6-Diesel mit drei Litern Hubraum und 180 kW/245 PS und den neuen V8-Benziner mit fünf Litern Hubraum und 375 kW/510 PS „deutlich mehr Leistung bei spürbar weniger Verbrauch“. Und Toyota hat beim drei Liter großen und 127 kW/173 PS starken Vierzylinder-Diesel den Verbrauch nach eigenen Angaben auf 8,0 Liter gedrückt.

Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg wertet diese Entwicklung als lebensrettende Maßnahme für die SUV-Saurier: „Während größere Geländegänger einem unsicheren Schicksal entgegenzittern, steigen neue, kleinere Offroad-Phönixe aus der Asche der größeren Brüder“, sagt der Analyst. „Das Sparrezept heißt: Klein ist nicht nur fein, sondern auch politisch korrekt, sparsam und schick.“ In der Zulassungsstatistik wachse deshalb die Lücke zwischen „den Großen von gestern und den Gängigen der Gegenwart“.

Machten die Luxus-Lulatsche vor zwei Jahren knapp mehr als ein Viertel aller SUV-Neuzulassungen in den fünf größten europäischen Ländern aus, waren es im gleichen Zeitraum Januar bis August 2009 viel weniger: „Unsere Analysten konnten mehr als 83 Prozent aller Offroader-Zulassungen den kleinen und mittleren SUVs wie VW Tiguan, Audi Q5 und Ford Kuga zuordnen“, sagt Margetts und ist angesichts der kompakten IAA-Neuheiten überzeugt: „Schlanke SUV sind in. Gerade mit sparsameren Motoren setzen sie längst den Trend im Segment.“ dpa

Der Mini wird 50 – und das wird gegen Ende der IAA auch in der Hauptstadt gefeiert. So gibt es für alle, die sich in Ruhe mit der Historie des Kultnmodells beschäftigen möchten, die Jubiläumsausstellung „What a story. 50 Jahre Mini“ zu sehen. Bis zum 31. Oktober sind bei Mini Berlin in der Friedrichstraße 191-193. Neben den beiden Jubiläumsmodellen „50 Mayfair" und „50 Camden“ sind hier weitere originelle Fahrzeuge zu bestaunen: Zum Thema Performance" sind ein Classic Mini Cooper S und ein aktueller Mini John Cooper Works ausgestellt; zum Thema „Creative Use of Space“ ein Classic Mini Traveller und ein aktueller Mini Clubman. Zum Thema „Originality“ erwartet die Fans ein vom britischen Dessous Label Agent Provocateur gestyltes Exemplar und eine Mini-Skulptur in Originalgröße aus über 8 000 Eisennägeln. Abgerundet wird die Ausstellung durch großformatige Infoboards mit Highlights aus der Geschichte des Typs, mit spannende Filmen und Accessoires aus der Mini 50 Collection. Tsp

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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