Stadtwagen : Smart Fortwo: Einfach nur Ladehemmung

Gleich zwei Konzepte für einen Umwelt-Smart hat Mercedes jetzt präsentiert. Aber nur eins davon ist gut – und nur das andere kann man kaufen.

Sven Jürisch
Fortwo
Cityfloh. Der neue Smart Fortwo mhd ist manchmal etwas bockig. -Foto: DaimlerChrysler

Erst einmal ein bisschen Vergangenheit: 1982 präsentierte Volkswagen eine Technik namens „Formel E“. Per Tippschalter ließ sich der Motor an Ampeln ausschalten, der Umwelt zuliebe. Doch zu umständlich war die Bedienung und zu gering die Ersparnis. Die Formel verschwand schnell wieder.

Jetzt ist sie wieder da. In Gestalt des Smart Fortwo Micro Hybrid (mhd). Hier stoppt eine Elektronik den Dreizylinder, wenn die Fahrgeschwindigkeit unter 8 km/h fällt und der Fahrer die Bremse tritt. Gestartet wird beim Loslassen des Pedals. Auch diesmal soll das Kraftstoff und Emissionen sparen. Um ein schnelles Anspringen des 70 PS starken Motors zu gewährleisten, verzichtet Smart auf den Anlasser. Stattdessen erledigt die Lichtmaschine den Job mit. Diese Lösung sieht allerdings keine Energierückgewinnung beim Bremsen vor.

So weit so schön. Nur auf der Straße kann das System wenig überzeugen. Unter anderem deshalb: Beim Anlassen des Motors gibt der Fahrer fast automatisch zu viel Gas, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dadurch dreht der Motor so hoch, dass das automatische Einkuppeln den Cityfloh hüpfen lässt wie einen Pingpongball. Das bereitet speziell beim Einfahren auf eine belebte Straße Probleme. Dann hilft nur das Ausschalten des Systems. Ob man es danach je wieder einschaltet, ist fraglich – auch deshalb, weil die Geräuschkulisse durch die häufigen Startvorgänge recht nervig variiert.

Das ist vor allem deshalb schade, weil die Mercedes-Tochter gleichzeitig zeigt, dass es anders geht. Allerdings mit einem Smart, den es nicht zu kaufen gibt. In der Haut des alten, ersten Fortwo hat man nämlich ein reines Elektroauto auf die Räder gestellt, dessen Motor über das auf den zweiten Gang reduzierte Getriebe die Hinterräder antreibt. Gespeist wird der 41 PS starke Zwerg von einer unsichtbar im Boden untergebrachten Batterie. Zum Aufladen reicht eine Steckdose.

Das hört sich einfach an. Und es funktioniert auch bei den Probefahrten erstaunlich gut. Nahezu lautlos setzt sich der Elektrosmart in Bewegung. Wie von einem Gummiband gezogen beschleunigt er, so dass man sich zügig in den fließenden Verkehr einfädelt. Nahezu jede gewünschte Geschwindigkeit wird binnen verblüffend kurzer Zeit ohne Ruckeln erreicht. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die neue Antriebstechnik nur deshalb, weil man nichts von ihr hört, so dass man immer wieder irritierte Fußgänger beobachten kann. Dass die Fahrt im E-Fortwo so viel Vergnügen bereitet, liegt auch an den praxisnahen Fahrwerten. Eine ausreichende Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h sowie eine Reichweite von rund 115 km sind Werte, die in der Stadt problemlose Mobilität sichern. Damit das Betanken unterwegs künftig noch problemloser klappt, arbeiten Konstrukteure und Stadtplaner an verschiedenen Modellen. So sind Parkuhren mit Zapfanlage genauso denkbar wie durch Solarenergie gefütterte Ladestationen.

Zwei Fahrzeuge, zwei Konzepte also. Und deshalb bleibt am Ende, dass der Start-Stop-Smart halbherzig ist. Auch deshalb, weil er sich für den Käufer in der Regel nicht rechnet: Die erzielbare Einsparung von etwa 0,5 Litern auf 100 Kilometer – der Verbrauch beträgt damit 4,3 Liter – sorgt dafür, dass der 500 Euro höhere Kaufpreis erst nach gut 70 000 Kilometern amortisiert ist. Für einen reinen Stadtwagen eine stolze Laufleistung. Dem Elektrosmart dagegen könnte die Zukunft gehören, auch deshalb, weil er Argumente hätte, Fahrverbote und Einschränkungen in Großstädten zu umgehen. Doch derzeit ist lediglich eine Versuchsflotte in London unterwegs. In Serie soll der Elektrosmart frühestens in zwei Jahren gehen – nicht, dass bis dahin noch jemand überholt. 

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