Standheizungen nachrüsten : Warme Zeiten für Fahrer und Motor

Schneeberge auf der Karosserie, Scheiben vereist, innen bitterkalt: Im Winter müssen Autofahrer die Zähne zusammenbeißen, bis der Wagen läuft und die Heizung Erlösung bringt. Es sei denn, das Auto hat eine Standheizung. Doch lässt sich diese einfach nachrüsten?

Tom Nebe

Wenn die Temperaturen unter die Null-Grad-Grenze sinken, ist bei Autofahrern ein dickes Fell gefragt. Mit klappernden Zähnen müssen sie ihr Gefährt im Winter oft startklar machen. Ist das geschafft, fahren sie bibbernd los, bis die Heizung nach einiger Zeit die Kälte verdrängt hat. Viele wünschen sich in solchen Situationen eine Standheizung. Die gute Nachricht: Die Technik ist für viele Autos nachrüstbar. Die schlechte Nachricht: Es lohnt sich nicht immer.

„Moderne Auto-Standheizungen erhitzen das Wasser im Kühlwasserkreislauf“, sagt Michael Szabo. Er ist Obermeister der Kfz-Innung Tauberbischofsheim. Über das Gebläse gelangt warme Luft ins Innere des Fahrzeugs. Außerdem wird bei Bedarf der Motor erwärmt. Das sei empfehlenswert. „Dann muss er nach dem Start nicht zu lange im Kaltlauf marschieren.“ Systeme, die nur die Luft aufheizen, gibt es vor allem für Wohnmobile und Fahrzeuge mit großem Innenraum. Diese ziehen Außen- oder Innenluft an, erwärmen sie und geben sie wieder ins Innere.

Es ist nicht nur warm, man fährt auch sicherer

Für ihren Betrieb brauchen Standheizungen Kraftstoff. Zwar gibt es auch rein elektrisch betriebene Motorvorwärmer und Heizlüfter. Weil man dafür aber eine 220V-Steckdose braucht, sind sie für Autofahrer kaum praktikabel. Außer, das Auto steht unter einem Carport oder in einer Garage. „Soll die Heizung standortunabhängig funktionieren, geht das nur über Kraftstoff“, sagt Eberhard Lang vom Tüv Süd.

Als Vorteil von Standheizungen wird oft genannt, dass der Motor weniger Sprit verbraucht, weil die Kaltlaufphase verkürzt wird. Daran zweifelt Carsten Graf vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg nicht. „Doch unterm Strich - also mit dem Verbrauch der Standheizung - gibt es eher einen minimalen Mehrverbrauch.“ Da eine Standheizung für 30 Minuten Betriebszeit 0,2 bis 0,3 Liter Sprit schluckt, fällt das aber kaum ins Gewicht.

Graf betont lieber andere Vorteile: „Es ist warm im Auto, und man fährt sicherer, weil man freie Sicht dank aufgetauter Scheiben hat.“ Bei vorgewärmtem Motor reduziert sich außerdem zwar nicht unbedingt der Verbrauch, dafür aber der Schadstoffausstoß.

„Je größer das Auto, desto teurer wird es“

Grundsätzlich kann nahezu jedes Auto mit einer Standheizung nachgerüstet werden, sagen die Experten. Neben der Heizkomponente gibt es für jedes Fahrzeug spezielle Einbausätze von den Herstellern. „Die Heizung muss schließlich an Tank, Kühlwasserkreislauf und die Elektrik angeschlossen werden“, sagt Graf.

In manchen Motorräumen ist nur wenig Platz. „Der Einbau kann dann sehr zeitaufwendig sein“, so Graf. Hobbyschrauber lassen lieber die Finger davon: Die Standheizungs-Montage ist ein Fall für die Profis in den Werkstätten. „Sie erfordert detaillierte Kenntnisse über das Auto“, sagt Tüv-Experte Lang.

Für einfache Modelle inklusive Einbau ist man ab rund 1000 Euro dabei, schätzt Graf. Kfz-Meister Szabo taxiert eine gute Standheizung samt Montage auf 1600 bis 1700 Euro. Die Kosten hängen auch von der Größe des Fahrzeugs ab. „Je größer das Auto, desto teurer wird es“, so Szabo. Das liegt daran, dass die Heizkomponenten dann in der Regel mehr Leistung brauchen.

Zeitschaltuhr oder Funkfernbedienung?

Auch der Bedienungskomfort ist ein Kostenfaktor. Systeme mit Zeitschaltuhr ermöglichen, Startzeit und Länge der Heizphase im Auto zu programmieren. Das ist die günstigste Variante. „Diese reicht in aller Regel aus“, sagt Lang. Wer jeden Tag zur gleichen Zeit fährt, kann damit zufrieden sein.

Funkfernbedienungen bieten mehr Flexibilität. Bequeme Autofahrer können ihre Heizung damit jederzeit vom Wohnzimmer aus anschalten. Hersteller versprechen mitunter eine Funkreichweite von bis zu 1000 Metern. „Das ist nur bei freier Sicht realistisch“, sagt Graf. „Sind Gebäude im Weg, wird das nicht klappen.“

Ganz ortsunabhängig ist man mit Systemen, die sich per Telefon, SMS oder App ansteuern lassen. An vielen Orten in Deutschland herrschen nur selten wirklich winterliche Bedingungen. Ob es sich lohnt, mehr als 1000 Euro zu investieren, ist eine Frage, für die es keine Pauschalantworten gibt.

Die Fahrtzeit sollte so lang sein, wie die vorherige Laufzeit der Standheizung

Laut Kfz-Meister Szabo ist der Einbau für Ultrakurzstreckenfahrer eher nicht zu empfehlen. „Für jemanden, der nur zwei Kilometer am Tag fährt, ist das nichts.“ Der Grund: Standheizungen ziehen für ihren Betrieb auch Strom von der Autobatterie. Wer ständig nur sehr kurze Strecken fährt, riskiert eine leere Batterie, weil die Lichtmaschine mit dem Nachladen nicht hinterherkommt. „Dann hat man es vielleicht warm, aber das Auto springt nicht mehr an“, sagt Graf.

Graf zufolge enthalten viele Fahrzeug-Bedienungsanleitungen aber Hinweise, wie das Fahrzeug bei nachgerüsteter Heizung bedient werden sollte. „Sie empfehlen dann etwa, die Heckscheibenheizung sparsam und nicht unnötig einzuschalten.“ Pauschal gilt die Regel, dass die Fahrtzeit mindestens so lang sein sollte, wie die vorherige Laufzeit der Standheizung.

Motor warmlaufen lassen kann 10 Euro kosten

Scheiben freikratzen ist vielen Autofahrern lästig. Wer sich nachträglich eine Standheizung einbaut, kann den Wagen schon vor dem Start aufheizen.
Scheiben freikratzen ist vielen Autofahrern lästig. Wer sich nachträglich eine Standheizung einbaut, kann den Wagen schon vor dem...Foto: Bodo Marks/dpa

Wer sich im Winter über eisige Finger ärgert und die Nachrüstung erwägt, sollte sich bewusst sein: Die günstigsten Angebote sind in der Zeit nicht zu erwarten. „Natürlich werden sie meist in der kalten Jahreszeit nachgerüstet“, erklärt Szabo, der in Wertheim ein eigenes Autohaus besitzt. Das sei ähnlich wie mit den Winterreifen. „Wer im Sommer nachrüsten lässt, kann Geld sparen“, schätzt er. Nur ist die Frage, ob frierende Autofahrer bis dahin warten wollen.

Wer keine Standheizung hat, lässt beim Freikratzen seines Autos mitunter den Motor laufen, damit es warm wird. In vielerlei Hinsicht ist das keine gute Idee: „Der Verschleiß ist hoch, der Spritverbrauch auch. Und die Nachbarn steigen einem aufs Dach“, sagt Carsten Graf vom ADAC. „Das Auto wird auch nicht wirklich warm.“ Dazu droht ein Bußgeld von 10 Euro, wenn man erwischt wird.

(dpa)

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