Stau : Man kommt drum herum – oder auch nicht

Soll man wirklich die Umleitung nehmen? Bei Staus helfen Meldungen im Verkehrsfunk meist wenig. Wann das Ausweichen Sinn macht: einige Rechenbeispiele.

Stefan Woltereck

Drei, fünf, zehn, an Urlaubs-Wochenenden auch rekordverdächtige hundert Kilometer: Aber wann lohnt es sich, dem Stau auszuweichen? Die Antwort gerät zur Rechen- und nicht selten zur Intelligenzaufgabe. Außer dem verstopften Abschnitt muss die Umleitung ins Kalkül gezogen werden: Sie ist länger als die Autobahn, komplizierter, weniger sicher – und oft so langsam, dass sie sich nicht lohnt.

Am besten dran sind Fahrer, deren Auto über TMC verfügt. Dieser Traffic Message Channel bringt Verkehrsmeldungen aktuell – im Ausland sogar in deutscher Sprache und im Navigationssystem für die gesamte Strecke bis zum Ziel. Die Pro-Version nennt dazu nicht nur die Staulänge in Kilometern, sondern auch den voraussichtlichen Zeitverlust.

Radiosender melden Staus nur in ihrem Gebiet. Dazu beschränkt sich der übliche Verkehrsfunk nach den Nachrichten in der Regel auf die Länge in Kilometern. Die sagt aber zunächst gar nichts: Der Fahrer will wissen, wie lange ihn die Engstelle aufhält. Dazu ist nötig, den Verkehrsfunk über einen längeren Zeitraum zu hören, am besten schon zu Hause vor der Abfahrt: Wird ein Stau bei mehreren Durchsagen nicht länger, so rollt es einigermaßen. Wächst er, so stockt es wirklich: Die Umleitung wäre angeraten.

Umleitung oft nicht sinnvoll

Beispiel: Ein Stau wegen einer Baustelle wird über längere Zeit mit fünf Kilometern gemeldet. Hört sich schlimm an, ist es aber nicht unbedingt. Beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit nur zehn Stundenkilometer – besseres Fußgängertempo – so dauern fünf Kilometer eine halbe Stunde. Bei 20 km/h, immer noch entnervend langsam, ist die Engstelle in einer Viertelstunde passiert: Da lohnt kein Umweg. Selbst bei längerer Stockung ist der Blick auf die Karte nötig, bevor man die Autobahn verlässt: Wie lang ist die Umleitung? Wie sieht sie aus? Vor allem Orte halten richtig auf: Unter Umständen sind nur 30 km/h Durchschnitt möglich. Und jetzt beginnt die Rechenaufgabe – auch für TMC-pro-Fahrer mit Zeitangaben. Die Navi fragt, ob sie eine Umleitung ausweisen soll. Oft ist sie aber nicht sinnvoll: Zehn Kilometer etwa von einem Autobahnanschluss zum nächsten. Fünf Kilometer Stau, der sich bei mehreren Durchsagen nicht verlängerte. Er dauert, Kriechtempo von 10 km/h vorausgesetzt, die erwähnte halbe Stunde. Die übrigen fünf Kilometer erfordern bei Tempo 120 gerade zweieinhalb Minuten. Macht für die zehn Kilometer zusammen also 32,5 Minuten. Die Umleitung dagegen sei 20 Kilometer lang und habe drei Ortsdurchfahrten. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h dauern diese 20 Kilometer eine Zweidrittelstunde, also 40 Minuten! Trotz Stau ist die Autobahn also der schnellere Weg.

Anders sieht es bei einem sehr langen Stau aus und vor allem, wenn die Autobahn ganz gesperrt ist. Aber: Sehr viele verlassen dann die Schnellstraße, die Umleitung ist ebenfalls verstopft. Einzige Alternative: Die Klemmstelle weiträumig umfahren – auf ganz kleinen Straßen. Für sie braucht man die richtigen Karten, etwa die Generalkarte im Maßstab eins zu 200.000. Sie zeigt fast jeden Feldweg. Den Stau weiträumig mit der elektronischen Navi zu umfahren, ist ebenfalls möglich: einfach einen Ort auf der gewählten Umleitung als (Zwischen-)Ziel eingeben. Auf längeren Fahrten ohne Navi empfiehlt es sich, den Verkehrsfunk sozusagen vorauszuhören – also denjenigen des Gebiets, das man demnächst durchfährt. Am besten hält man sich an Gebietsbezeichnungen wie Norddeutscher, Hessischer, Bayerischer Rundfunk.

Profis übrigens stoppen rechtzeitig vor den Meldungen, die zumindest zu jeder vollen Stunde kommen, und legen Karte, Papier und Schreibzeug bereit: Denn in fremder Umgebung kann man sich die Autobahnnummern und Abfahrten nur sehr schlecht merken. Ganz hervorragend für solche Fälle sind auch Autoradios, die Verkehrsmeldungen speichern können: Auf Knopfdruck lassen sie sich dann beliebig oft erneut abspielen.

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