Auto : Stop and go

Trotz spannender Neuheiten sieht es für Citroen derzeit nicht rosig aus – eine Bestandsaufnahme.

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Aufgerollt.
Aufgerollt.

Citroen hat es nicht leicht dieser Tage – nicht in Deutschland und schon gar nicht in Europa. Die Verkaufszahlen wollen sich einfach nicht erholen; ein Schicksal, das man mit fast allen Herstellern teilt. Doch die Franzosen leiden mehrfach. Citroen gehört wie Peugeot zum PSA-Konzern. Und in dem hatte in den letzten beiden Jahren eigentlich nur eines Konjunktur: die schlechten Nachrichten.

Zu Hause wurden Werke geschlossen. In Deutschland verlor Peugeot wegen der verhassten Zusammenlegung seiner Deutschlandzentrale mit Citroen zwei Drittel seines Personals und seines Know-how. Die Mitarbeiter waren nicht bereit, von Saarbrücken nach Köln zwangsumzusiedeln. Im Frühjahr präsentierte Citroen den neuen C3 – konnte aber wegen eines Streiks in Frankreich kaum liefern. Und zuletzt schloss PSA seine Konzernrepräsentanz in Berlin und musste – wann hat es so etwas je gegeben? – zugeben, dass man sich den Aufritt Unter den Linden wegen allzu schlechter Geschäfte nicht mehr leisten könne.

Von den andauernden Gerüchten, hinter den Kulissen werde an einer Fusion von Opel und Peugeot gebastelt, ist Citroen zwar nicht unmittelbar betroffen. Aber das Endlos-Gerede zeigt, wie dramatisch die Lage im Konzern, in der französischen Autoindustrie insgesamt ist. Kein Wunder also, wenn Citroens Deutschland-Chef Holger Böhme den Tiefpunkt der Talsohle für Ende des Jahres beschwört. Damit es nicht beim Pfeifen auf Halde bleibt, setzt die Marke in diesem Jahr vor allem auf zwei Modelle. Zum einen erlebt der offene Ableger des Kompakten DS3 seinen ersten Sommer – und die Debatte darüber eine Neuauflage, wo das Cabrio anfängt und das Schiebedach aufhört. Die andere Neuheit, der Familienvan C4 Picasso, ist nicht minder spannend – für den Kunden ob seines außergewöhnlichen Stylings und für den Konzern ob der erstmals eingesetzten Plattform EMP2.

An der entscheidet sich möglicherweise die Zukunft von Citroen und PSA. Sie erlaubt es, vom Hochdachkombi bis zum Sportwagen alles aus einer Basis abzuleiten – mit kurzen Reaktionszeiten und geringen Produktionskosten; ganz so, wie es der VW-Konzern mit seinem „Modularen Querbaukasten“ vorlebt. Speziell für Citroen birgt EMP2 noch eine andere Chance: Die Marke kann die Differenzierung ihrer Untermarken C und DS noch konsequenter ausbauen als bisher. Zwar hält der Absatz der luxuriösen DS-Modelle noch nicht ganz, was die durchweg positiven Kritiken der Autotester versprechen. Der Weg aber ist eindeutig richtig. In Aachen hat gerade die deutschlandweit erste DS-Lounge eröffnet: ein Aushängeschild, von dem die Konzernschwester Peugeot nur träumen kann.

Überhaupt scheint die Rollenverteilung innerhalb des PSA-Konzerns voll zu Lasten Peugeots zu gehen: Wird Citroen immer frischer und emotionaler inszeniert, so droht Peugeot das Image einer grauen Maus – woran auch der gute Start des kleinen Crossover 2008 nichts zu ändern vermag. Die spannenderen Studien, die schlüssigere Strategie hat Citroen. Da erscheint die Frage, wohin die Zusammenarbeit von Opel und Peugeot am Ende führen könnte, in ganz anderem Licht.

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