Strategie der deutschen Autobauer in den USA : Hybrid oder Diesel?

Hybride wurden lange als technische Spielerie belächelt, vor allem von der deutsche Autoindustrie, die fast nur auf Diesel als Antrieb setzte. In den USA hat sich das bisher als Fehler herausgestellt, denn der Diesel-Antrieb vegetiert dort in der Bedeutungslosigkeit. Im Gegensatz zu Hybrid-Autos.

Max-Morten Borgmann, Heiko Lossie
Stecker rein und los, den Trend zum Hybriden haben die Europäer etwas verschlafen.
Stecker rein und los, den Trend zum Hybriden haben die Europäer etwas verschlafen.Foto: dpa

Wer auf der US-Automesse in Detroit Ideen für eine mögliche Zukunft der individuellen Fortbewegung bekommen will, muss in die Etage unter der Ausstellungsfläche gehen. Dort, im Keller, ist rund um einen Springbrunnen ein fußballfeldgroßes Areal abgesteckt, auf dem sich Autos mit alternativen Antrieben aneinanderreihen. Vom rein elektrisch betriebenen Wagen bis hin zum Hybrid aus Batterie und Verbrennungsmotor - hier sind sie alle zu sehen.

Nur die deutschen Hersteller glänzen auf dem Areal mit einer Zurückhaltung, für die man sie sonst gar nicht kennt. Einzig Daimler hat seinen bereits in Serie gebauten Elektro-Smart aufgefahren und zeigt auch seine Mercedes B-Klasse „F-Cell“, die allerdings bisher über eine Kleinserie nicht hinauskam.

Marktanteil der Diesel unter einem Prozent

Die Szene aus dem Keller beschreibt die ganze Lage: Als Alternative zum Benziner haben sich die deutschen Hersteller früh auf effiziente Diesel-Motoren festgelegt - und stehen mit dieser Taktik heute praktisch alleine da. Zwar können sie Jahr für Jahr in den Staaten knackige Zuwachsraten präsentieren. Doch unter dem Strich lag der Marktanteil der Diesel-Autos in den USA 2012 bei deutlich unter einem Prozent. Und das, obwohl die Deutschen wie wild für ihre Technologie trommeln.

Anders sieht es mittlerweile beim Hybrid aus. Vergangenes Jahr wurden in den USA nach offiziellen Branchenzahlen gut zwanzigmal so viele Autos mit doppeltem Antrieb zugelassen wie in Deutschland. Dabei ist der Markt nur fünfmal so groß. Zum Vergleich: Die gut 427 000 Exemplare sind fast so viele Autos, wie VW insgesamt in den Vereinigten Staaten von seiner Kernmarke Volkswagen verkauft.

Subvention für Diesel in Europa

Auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer meint, dass die deutschen Autobauer bei der zukunftsweisenden Technologie nicht rechtzeitig aus den Startlöchern gekommen sind. „In Deutschland und Europa hat man die Hybrid-Technologie ein bisschen verschlafen“, sagte der Chef vom CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen im Interview mit dem Fernsehsender Phoenix.

Hybrid oder Diesel? Bisher ging die Rechnung in den USA zugunsten der Hybridtechnologie auf.
Hybrid oder Diesel? Bisher ging die Rechnung in den USA zugunsten der Hybridtechnologie auf.Foto: dpa

Zu allem Überfluss sei das Problem auch noch hausgemacht: Denn der Diesel, der etwa in Deutschland auf knapp 50 Prozent Marktanteil kommt, werde in Europa subventioniert. Diese Steuervorteile habe es beispielsweise in Japan nicht gegeben. „Deshalb ist man dort viel weiter mit modernen Technologien“, meint Dudenhöffer. Immerhin: Im Segment der Light Trucks, zu denen Geländesportwagen oder Pick-Ups zählen, mischen die Deutschen halbwegs erfolgreich im Hybrid-Wettbewerb mit und kommen auf sieben Prozent Marktanteil. Die Light Trucks stellen in den USA knapp die Hälfte des Pkw-Marktes.

Japan dominiert alles

Düster sieht es aber in der anderen Hälfte aus: Bei den Passenger Cars vom Kompaktwagen bis zur Luxuslimousine spielt Hybrid mit deutschen Wurzeln praktisch überhaupt keine Rolle. Zwar zeigen alle deutschen Hersteller in Detroit das eine oder andere Hybrid-Modell auf ihren Ständen. Vor allem gegen die stark hybridisierten Flotten der japanischen Konkurrenz wirken die aber eher verloren. Entsprechend ist das Bild im Keller der Messe: Japan dominiert alles.

Allen voran hat der weltweite Hybrid-Vorreiter Toyota in den USA rechtzeitig sein Feld abgesteckt - und fährt bereits die Ernte ein. Alleine von seinem Modell Prius verkaufte der japanische Konzern schon im ersten Halbjahr 2012 weit über 100 000 Stück. Das ist mehr als der gesamte Diesel-Absatz.

Trotzdem hält beispielsweise Porsche-Chef Matthias Müller eine gewisse Vorsicht beim Thema Hybrid für angebracht. „Wir werden jetzt im Sommer den Panamera-Plugin-Hybrid anbieten und dann schauen wir mal, wie er am Markt ankommt. Ich bin da deshalb ein bisschen skeptisch, weil man mit so einem Auto auch zu früh sein kann.“ Zwar stecke Porsche derzeit rund ein Drittel seines Entwicklungsaufwandes in alternative Antriebe. „Die Frage ist, wann dieses Geld zurückkommt und inwieweit der Kunde schon bereit ist, sich auf diese neue Technik einzulassen.“ Dennoch sei der Weg auf lange Sicht der richtige. „Wir sind überzeugt, dass die Hybridtechnik ein guter Schritt ist.“ Wenn der
Messekeller das Bild der Zukunft widerspiegelt, sollten sich die Deutschen sputen.

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