Stufenheck-Modell : Nissan Tiida: Ganz einfach

„Tiida“ klingt spektakulärer als er ist: Nissans Neuer für alle, die es herkömmlich mögen.

Eric Metzler

Das Stufenheck-Modell, wie es unten abgebildet ist, versehen wir nach reiflicher Überlegung mit einem Eigenschaftswort, mit dem man höflich umschreibt, dass dieses Auto für Leute mit besonderem Geschmack gedacht ist: exorbitant. Ja. Der Tiida ist ein exorbitantes Auto. Weil das Biedere sein Prinzip ist; weil ihn der Zeitgeist nicht kümmert. Der Wagen trägt einen bunt klingendenNamen, aber ein grauflaues Kleid; er hascht keinen Effekt, er ist einfach nur – ein zweckdienliches Auto.

Dass die Japaner hierzulande etwas derartiges in den Markt schieben, ergibt aus Hersteller-Sicht dreifachen Sinn. Zum einen vermissen Nissans Getreue einen Nachfolgetypen für die abgewickelten Almera und Primera. Zweitens ist der Tiida in Asien, Nordamerika und Osteuropa bereits auf dem Markt. Da musste man für die Deutschlandreise also kaum Geld in die Hand nehmen. Drittens schließlich klafft hierzulande eine schätzungsweise 5000 Autos jährlich große Lücke zwischen dem Mini-Van Note und dem halb-SUV-halb-Golf-Auto Qashqai. Den startete Nissan im letzten Jahr mit einer ebenso fetten wie erfolgreichen Kampagne – inzwischen ist der selbsternannte „Stadt-Indianer“ der einzig wirkliche Verkaufsschlager des Hauses. Aber vielen ist er zu mutig. Zu anders. Für die gibt es nun den Tiida; wahlweise 4,30 Meter (Schrägheck) oder 4,48 Meter lang (Stufenheck); entweder mit einem der beiden Benziner (110 PS oder 126 PS) oder mit dem 1,5-Liter-Turbodiesel (106 PS), der nur knapp über fünf Liter verbrauchen soll.

Mit dem aus anderen Renault- und Nissanmodellen bekannten Diesel ist der Tiida ausreichend stark motorisiert – jedenfalls, wenn man überwiegend in der Stadt unterwegs ist. Über Land sollten Eilende allerdings sehr genau überlegen, welches Überholmanöver sie wagen und welches nicht. Die größte Stärke des Tiida liegt ohnehin nicht in seiner soliden Technik, bemerkenswert mehr ist die unvermutete Größe. Der Neuling wirkt angesehen schmächtiger als er tatsächlich ist. Über Bein- und Kopffreiheit können auch größere Passagiere nicht klagen; hinten haben die Knie nicht weniger Platz als in einem 3er BMW. Die Vordersitze sind bequem, bieten aber so gut wie keinen Seitenhalt. Die meisten Schalter lassen sich wie im Note intuitiv finden und bedienen – es sei denn, man investiert zusätzliches Geld in die Option „Intelligent Key“. Dann nämlich ist Frust inklusive, weil man es beim Starten nicht mehr mit einem funktionierenden Schlüssel, sondern mit einem hakeligen Drehknopf zu tun hat.

Die Preispolitik für den Tiida finden wir selbstbewusst: Für den 1.5 dCi werden mindestens 18 940 Euro aufgerufen. Einen VW Golf mit vergleichbarem Motor gibt es für knapp 800 Euro mehr. Damit machen die Wolfsburger trotz etwas schlechterer Grundausstattung das bessere Angebot: Für den Tiida schlägt nach Jahren auf dem Gebrauchtwagenhof die Stunde der Wahrheit – und obwohl auch der Golf ein Auto fürs Zweckdienliche ist, wirkt das Innere insgesamt niveauvoller und das Konzept weniger exorbitant.

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