Subaru Forester als Neuauflage : Arbeiter im Ausgeh-Anzug

Er ist ein bisschen eigen, aber er war schon ein Vorreiter zu Zeiten, als Geländewagen wirklich noch für Offroad konstruiert wurden. Im Unterschied zu anderen SUVs kommt er auch im Gelände zurecht: An diesem Wochenende startet der neue Subaru Forester.

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Authentisch und wirklich geländefähig: Der Subaru Forester kommt an diesem Wochenende als Neuauflage zu den Händlern.
Authentisch und wirklich geländefähig: Der Subaru Forester kommt an diesem Wochenende als Neuauflage zu den Händlern.Foto: Hersteller

Wir sind zugange auf der Offroad-Strecke des ADAC-Fahrsicherheitsgeländes Lüneburg. Und die ist schwierig: Allein die 45 Grad steile Auffahrt hat etwas Abschreckendes. Dort hinauf soll der neue Forester fahren? Ja, und das tut er mit seinen 22 Zentimetern Bodenfreiheit in einer lässigen Souveränität, die Vertrauen einflößt. Auch wenn ständig das mulmige Gefühl mitfährt, nach hinten überzukippen, weil man vor sich nur noch den Himmel sieht. Und so lässig fährt der Allrader auch wieder herunter. Die elektronische Geländefahrhilfe X-Mode regelt alles; man muss nur noch lenken. Andere so genannte SUV wären hier längst gescheitert.

Nein, auch die nunmehr vierte Generation des Subaru Forester ist keiner dieser Pseudogeländewagen, die so tun als ob, aber in Wirklichkeit nicht können. Auch dieser neue Forester, der ab 23. März beim Händler steht, ist der ehrliche Naturbursche für den rustikalen Einsatz geblieben, weswegen ihn Förster und Jäger bereits in der Vergangenheit so ins Herz geschlossen hatten.

In allen Richtungen gewachsen

Im Gegensatz zu vielen anderen SUVs ist der Subaru Forester innen eher Basic.
Im Gegensatz zu vielen anderen SUVs ist der Subaru Forester innen eher Basic.Foto: Hersteller

Und doch hat sich der Neue verändert. Er ist nicht mehr das Fortbewegungsmittel nur für Förster, sondern jetzt auch ein attraktives SUV für all jene, die etwas Besonderes fahren wollen. Ein Typ, der nicht an jeder Ecke steht und dessen Fans dafür bereit sind, einige Unzulänglichkeiten in Kauf zu nehmen. Forester Nummer vier ist rundum größer geworden, allein schon deshalb, um einen Abstand zum kompakten Allradmodell Subaru XV zu schaffen, das im Herbst 2012 startete.

Boom bei Kleinwagen und SUVs
Das Zulassungsstellen waren im Jahr 2012 nicht unbedingt überfüllt von Neuwagenkunden. Mit 3,082 Millionen frisch angemeldeten Fahrzeugen ist der Markt um 2,9 Prozent zurückgegangen, wie das Kraftfahrtbundesamt berichtet. Das bedeutet einiges an Schatten, aber durchaus auch Licht für die Modelle der Autobauer. Im Vergleich zu den zweistelligen Einbrüchen auf den Märkten unserer europäischer Nachbarn ist das sogar ausgesprochen komfortabel.Weitere Bilder anzeigen
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15.01.2013 09:25Das Zulassungsstellen waren im Jahr 2012 nicht unbedingt überfüllt von Neuwagenkunden. Mit 3,082 Millionen frisch angemeldeten...

Der 4,60 Meter lange Forester offeriert mit seiner aufrechten Form eine ordentliche Übersicht, im Innenraum bietet er viel Platz, im Fond sogar vorzügliche Beinfreiheit. Das Cockpit ist übersichtlich, die verwendeten Materialien könnten etwas hochwertiger wirken, sind aber gut verarbeitet. Die Sitze sind bequem, könnten jedoch – vor allem beim Einsatz im Gelände – etwas mehr Seitenhalt vertragen. Im Heck warten stattliche 505 Liter Kofferraum auf Futter, die sich auf 1577 Liter vergrößern lassen. Und erstmals öffnet bei der Topversion die große Heckklappe auch elektrisch. Allerdings tut sie das so behäbig, dass man in dieser Zeit getrost den Füllstand vom Motoröl prüfen könnte.

Unter der Haube immer Boxer

Subaru bietet den Forester mit zwei Boxer-Benzinern in insgesamt fünf Ausstattungsvarianten an (150 PS; ab 28 900 Euro und 240 PS; ab 39 900 Euro) sowie einem Boxer-Diesel (147 PS; ab 31 200 Euro). Allrad ist immer an Bord. Neu ist der mittels zweier Abgasturbolader aufgeladene Vierzylinder-Benziner, der nur in Verbindung mit der stufenlosen Automatik Lineartronic angeboten wird. Keiner dieser derzeit angesagten hubraumkastrierten Turbomotoren, sondern eine ausgewachsene Zweiliter-Maschine, die es auf stramme 240 PS und ein Drehmoment von 350 Newtonmetern bei 2400 bis 3600 Touren bringt. Von seiner Charakteristik her ein durchaus gelungener kräftiger, kultivierter Motor, wenn man den Verbrauch außen vor lässt. Die theoretischen 8,5 Liter Normverbrauch wachsen sich im Alltag locker zu zehn, elf Litern pro 100 Kilometer aus. Also eher Nischenprogramm.

In den Abmessungen ist der Subaru Forester in allen Dimensionen gewachsen. Auch um den Abstand zum kompakteren XV wieder herzustellen.
In den Abmessungen ist der Subaru Forester in allen Dimensionen gewachsen. Auch um den Abstand zum kompakteren XV wieder...Foto: Hersteller

Besser macht es der überarbeitete Zweiliter-Benziner mit serienmäßiger Start-Stopp-Automatik. Er zieht dank seiner Boxer-Charakeristik auch für einen Saugbenziner ordentlich durch und empfiehlt sich für Normalfahrer als durchaus überlegenswerte Alternative. An die Besonderheit der stufenlosen Automatik (2000 Euro Aufpreis) kann man sich gewöhnen. Bei verhaltenem Gasfuß stört der Gummibandeffekt nur wenig; und die Automatikversion ist sogar sparsamer als der Handschalter. Der Automatik-Benziner lässt sich gut mit einer Acht vor dem Komma fahren.

Automatik und Diesel erst nächstes Jahr

Störender wirkt da schon die gefühllose Lenkung des komfortabel abgestimmten Allraders. Ausgerechnet beim wichtigsten Modell patzen die Japaner: Den Forester 2.0D (65 Prozent Anteil beim Vorgänger) gibt es derzeit nur mit Sechsganghandschaltung. Die hierzulande eigentlich unverzichtbare Kombination Diesel und Automatik wird erstmals beim überarbeiteten Outback angeboten, der im Juni startet. Erst 2014 soll, wie man uns auf Nachfrage versichert, der Forester 2.0D automatisch die Gänge wechseln können und so auch in den Genuss der damit gekoppelten elektronischen Geländehilfe X-Mode kommen.

Dieser Forester 2.0D Lineartronic (ab 33 200 Euro) dürfte dann der ultimative Arbeiter im Ausgehanzug werden. Ein feiner Kumpel, auf den man sich verlassen kann, schließlich gibt es von Subaru Deutschland seit Jahresbeginn auf alle neu zugelassenen Autos fünf Jahre Garantie bis zu 160000 Kilometer, was einer jährlichen Laufleistung von immerhin 32000 Kilometern entspricht.

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