Subaru Levorg 1.6 GT Sport CVT : Ein Auto für Individualisten

Subarus sind in Europa eher selten. Der neue Levorg sieht stattlich aus und der Vierzylinder überzeugt. Viel zu wählen gibt es jedoch nicht.

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Der neue Subaru Levorg sieht stattlicher aus, als er von den Maßen her tatsächlich ist.
Der neue Subaru Levorg sieht stattlicher aus, als er von den Maßen her tatsächlich ist.Foto: R. Ruthe

Ein Subaru fällt auf, denn er ist etwas Besonderes. Vor allem, wenn er in dieser auffälligen, aber aufpreisfreien Pure-Red-Lackierung wie der Testwagen daher kommt. Ein Subaru steht hierzulande nicht an jeder Ecke. Und das, obwohl der weltgrößte Hersteller von Allradautos bislang über 14 Millionen vierradgetriebener Autos gebaut und weltweit verkauft hat. Bei uns sieht man die Modelle mit den sechs Sternen im Logo eher selten. Die erst vor sechs Jahren eingeführte Legacy-Baureihe – Limousine und Kombi – ist in Europa ausgelaufen. Sie wurde ersetzt durch den neuen Levorg. Diese etwas sperrige Bezeichnung basiert auf der Kombination von Legacy, Revolution und Touring. Dieser Levorg ist ein Kombi, der ganz anders ist. Ein Auto für Individualisten. Zumal es Subaru Interessenten beim neuen Levorg nicht gerade einfach macht. Denn gibt nur eine Kombiversion mit einem Benziner und den auch nur mit einem stufenlosen Automatikgetriebe. Einen Diesel wird es ebenso wenig geben wie eine Schaltversion. Und Allrad ist immer an Bord. Also alles oder nichts! Das ist die Frage beim Levorg, der wir bei unserem Praxistest mit dem Topmodell 1.6GT Sport nachgehen, das für 34900 Euro fast alles an Bord hat.

Außen und innen

Der Levorg sieht stattlicher aus, als er von den Maßen her tatsächlich ist. Mit 4,69 Meter Länge ist der 1,49 Meter hohe Levorg zehn Zentimeter kürzer als der abgelöste Legacy Kombi, bietet dennoch mit 522 Litern Kofferraumvolumen fast so viel Laderaum wie der Vorgänger. Optisch trickst dieser Subaru, denn er macht auf dicke Hose. Nicht nur wegen des markanten Doppelauspuffs am Heck. Die auffällige Hutze auf der Motorhaube signalisiert Subaru-Kennern: Hier steckt ein leistungsstarker Turbo drunter. Doch unter der Haube sitzt „nur“ ein 170 PS starker Benziner. Der hat es allerdings faustdick in seinen vier Zylindern, wie noch festzustellen sein wird. Als Hingucker erweisen sich auch der imposanten Chromgrill und die LED-Hauptscheinwerfer, die übrigens bereits beim Basismodell serienmäßig an Bord sind. Da können sich Hersteller wie VW zwei Scheiben abschneiden.

Und innen? Da machen die Japaner auf gediegene Vornehmheit. Auf modische Spielereien wie virtuelle Cockpits oder versenkbare Bildschirme verzichten sie zugunsten klarer analoger Instrumente und  eindeutig zuordenbarer Tasten und Drehregler, die überdies fein einrasten. Da muss keiner die Bedienungsanleitung durchlesen. Da findet sich jeder gleich zurecht – und wohl. Das wie bei Audi unten abgeflachte Sportlenkrad ist mit weichem Leder bezogen und fasst sich sehr gut an. Die vielen Tasten in den Mittelspeichen erschließen sich nach kurzem Check sofort.

Sitzen und Laden

Im Topmodell warten vorn Sportsitze auf Fahrer und Beifahrer. Sie verdienen ihren Namen, stützen den Körper gut ab, ohne auf längeren Strecken das Hinterteil zu malträdieren. Der Verstellbereich ist so groß, dass nahezu jeder seine optimale Arbeitsposition finden sollte.

Auf modische Spielereien wie virtuelle Cockpits oder versenkbare Bildschirme verzichten sie zugunsten klarer analoger Instrumente und eindeutig zuordenbarer Tasten und Drehregler.
Auf modische Spielereien wie virtuelle Cockpits oder versenkbare Bildschirme verzichten sie zugunsten klarer analoger Instrumente...Foto: R. Ruthe

Der Subaru Levorg bietet mehr Ladekapzität als ein 23 Zentimeter längerer Opel Insignia Country, der nach ähnlichem Strickmuster aufgestellt ist. Und der Japaner überzeugt mit praktischen Details: So klappt mit nur einem Griff die Rücksitzlehne automatisch um,  und es entsteht bei Bedarf eine 1,94 Meter lange ebene Ladefläche. Die Ladekantenhöhe ist mit nur 61 Zentimetern extrem niedrig,  der flache Kofferraum lässt sich gut beladen. Und im „Untergeschoss“ warten noch zwei größere Ablagen auf Kleinkram. Das große Manko des stattlichen Kombis ist die zu geringe Zuladung von nur 444 Kilogramm.

Fahren und Tanken

Die größte Überraschung ist der neue Benziner mit Direkteinspritzung und Turboaufladung. Es handelt sich hier um die neueste Boxermotor-Generation von Subaru: 1,6 Liter Hubraum, ein Drehmoment von 250 Newtonmetern über einen weiten Drehzahlbereich von 1800 bis 4800 Umdrehungen pro Minute. Die Drehmomentkurve ist mit dem berühmten Tafelberg in Kapstadt zu vergleichen: ein hohes Plateau. Und das spürt man! Die Kombination von Direkteinspritzung und Twin-Scroll-Turbolader garantiert aber nicht nur höhere Literleistung, sondern auch niedrigeren Kraftstoffverbrauch als bei früheren Motorgenerationen. Unterstützt wird das Sparprogramm dadurch,  dass der kleine Boxer als erster bei Subaru mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet ist. Sie funktioniert perfekt. Subaru gibt einen Normverbrauch von 7,1 Litern pro 100 Kilometer an. Bei unseren Testfahrten über 1500 Kilometer (inklusive Autobahnfahrten bis maximal 140 km/h) waren es 8,4 Liter. Selbst ein Verbrauch von nur 6,8 Litern Super E10 ist bei vorausschauender  Fahrweise auf Landstraßen bis maximal Tempo 100 möglich. Allerdings wandeln sich die Trinksitten des Turbo-Boxers, wenn man Tacho 210 fährt. Dann werden es elf, zwölf Liter. Aber da ist der kleine Turbo-Boxer ja keine Ausnahme. Schnelle Autobahnfahrten bis Tempo 160 hingegen quittiert der Subaru mit akzeptablen 9,4 Litern im Schnitt.

In anderer Hinsicht ist der Vierzylinder fast schon eine kleine Sensation. Er kennt kein Turboloch und dreht sauber hoch. Dabei arbeitet er aufgrund seiner Boxerbauform stets vibrationsfrei und überdies unglaublich leise. Selbst wenn man ihn ausdreht, verliert der kleine Boxer nicht die Contenance. Das fasziniert auch deshalb, weil das Zusammenspiel mit der serienmäßigen stufenlosen Automatik so überraschend gut funktioniert. Vor allem dann, wenn man im Sport-Modus des SI-Drive-Fahrprofilsystems unterwegs ist. Dann wechselt beim zügigen Niederdrücken des Gaspedals die Automatik, von Subaru Lineartronic genannt, von der stufenlosen Kraftübertragung sofort zu virtuell geschalteten Gangwechseln. Das stufenlose Getriebe ahmt dann die Wirkungsweise einer konventionellen Wandlerautomatik nach. Der ganz sportlich ausgerichtete Fahrer kann die „Gangwechsel“ aber auch selbst in die Hand nehmen. Im  manuellen Modus stellt die Lineartronic nämlich sechs definierte Schaltkennlinien zur Verfügung. Doch das muss man eigentlich nicht, denn die Elektronik passt  so aufmerksam auf, dass stets das passende Übersetzungsverhältnis zwischen den beiden Kegelradscheiben anliegt. Das geschieht unmerklich, aber so beflissen wie bei einem britischen Butler seiner Majestät.

Der Levorg startet grundsätzlich im sogenannten Intelligent-Modus, wo die Elektronik das Optimum zwischen Effizienz, Komfort und Vortrieb wählt. Diese Einstellung ist auch nützlich, um auf schwierigen Untergründen wie verschneiten, nassen oder gar glatten Straßen sicher unterwegs zu sein. Satt liegt der mit 1537 Kilogramm vergleichsweise leichte Allrad-Kombi auf der Straße, lässt sich mit der präzisen Lenkung zentimetergenau dirigieren. Das macht richtig Spaß. Auch abseits absolut ebener Straßen. Der bullig wirkende Japaner besitzt zwar keine „Offroad-Anbauten“, verfügt aber über den Subaru-typischen Allradantrieb, mit dem unbefestigte Wege kein Problem sind, wenn der Fahrer die mit 13,5 Zentimetern eher knapp bemessene Bodenfreiheit stets im Hinterkopf hat. Wer etwas tiefer ins Unwegsame vordringen will,  für den gibt es ja noch den 2014 stark überarbeiteten Subaru Outback als eigenständiges Crossover-Modell.

Hören und Sehen

Man soll sich zwar vor Superlativen hüten, doch der neue Boxer-Turbo ist der kultivierteste Vierzylinder, den der Autor seit vielen Jahren gefahren ist! Man wird das Gefühl nicht los, einen Sechszylinder zu bewegen. In keinem Drehzahlbereich drängt sich der Vierzylinder-Boxer akustisch auf, bleibt unglaublich leise. Das ist großes Kino! Deswegen fallen die Abrollgeräusche der 18 Zoll großen Winterräder mit flachem 45er Querschnitt umso deutlicher auf, doch richtig störend sind sie nicht. Es gibt nicht viele Autos in dieser Leistungs- und Preisklasse, die leiser sind.

Auch bei der Rundumsicht kann der Kombi punkten. Die „Lufthutze“ auf der Motorhaube hilft bei der guten Übersicht ebenso wie die großen Außenspiegel, die versenkbaren Fondkopfstützen und die vergleichsweise großen Fensterflächen. Als anfangs störend erweist sich nur der aus dem Dachhimmel kommende Sicherheitsgurt für den Mittelplatz in der zweiten Reihe. Geradezu vorbildlich ist die Tatsache, dass eine gute Rückfahrkamera stets serienmäßig an Bord ist.

Wählen und Zahlen

Viel zu wählen gibt es beim neuen Subaru Levorg nicht. Eine Karosserieversion. Ein Motor. Eine serienmäßige Getriebeautomatik. Drei Ausstattungsniveaus namens Trend, Comfort und Sport. Aus. Doch das muss kein Nachteil sein, wie der Levorg beweist. Schon das Basismodell Trend kommt bereits –  überdurchschnittlich ausgestattet – serienmäßig mit Allradantrieb, Automatik, LED-Scheinwerfer, Soundsystem, Aluräder, Zweizonen-Klimaautomatik, Sitzheizung,  Rückfahrkamera, Regensensor, Telefon-Freisprecheinrichtung mit Tasten am Lenkrad. Fast keine Wünsche offen lässt das von uns gefahrene Topmodell Sport mit serienmäßigem (gut funktionierenden) Navigationssystem und großem Glasschiebedach. Im Gegensatz zu anderen Systemen bei anderen Herstellern lassen sich beim Levorg Smartphones bereits ab  i-Phone 4 und ab Android 4.0 einbinden. Nur noch Metalliclack (560 Euro) und  eine aufwendige Lederausstattung mit blauen Ziernähten auch an den Türen und einem Teil des Armaturenbretts (2590 Euro) stehen in der Aufpreisliste.

Kleine Einschränkung für Technik-Begeisterte: Mit den Assistenzsystemen hält es Subaru nicht so üppig. Für den neuen Levorg sind derzeit gerade mal ein Fernlichtassistent, ein Totwinkel- und ein Querverkehrassistent im Angebot.

Gutes und Schlechtes

Zunächst dürften die meisten stutzen: Nur ein Benziner im Angebot? Dabei haben die Japaner doch einen vorzüglichen Boxer-Diesel. Angesichts der derzeit harschen Diskussionen um die Überlebensfähigkeit des Dieselmotors ist das vielleicht gar keine so schlechte Wahl, wenn es sich um einen so guten Otto-Motor wie den neuen Turbo-Boxermotor handelt, der uns im Kapitel Fahren und Tanken  überzeugt hat. Und da sind wir gleich bei der Antwort auf die eingangs gestellt Frage: Alles oder nichts? Klar, alles! In der Kombination von Eigenschaften, Leistung und Preis ist der Levorg als Kombi der besonderen Art derzeit kaum zu schlagen. In Verbindung mit dem stark verbesserten stufenlosen Automatikgetriebe empfiehlt sich der komfortabel abgestimmte Levorg als angenehmer Reisewagen.

Das überdurchschnittlich gut ausgestattete Basismodell Trend ist ab 28900 Euro zu haben. Zum Vergleich: Ein vergleichbarer (kleinerer) VW Golf Alltrack mit 180 PS starkem Benziner, Doppelkupplungsautomatik und Allradantrieb kostet gut 4000 Euro mehr als ein Levorg Sport. Und ein VW Passat Alltrack ist gleich über 8000 Euro teurer.

Dieser Subaru Levorg bietet jedoch nicht nur ein überdurchschnittliches Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern als Sahnehäubchen oben drauf noch ein Fünf-Jahres-Sorglosangebot (Vollgarantie und Mobilitätsgarantie bis 160000 Kilometern), das so in dieser Branche einmalig ist.

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