Auto : SUV, nein danke

Unterwegs im Alltag – heute für Familien, die entgegen der Mode nach Alternativen suchen.

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Wo steht eigentlich geschrieben, dass Familien nur noch SUV fahren dürfen? Schaut man sich die Zulassungen an, könnte man diesen Eindruck beinahe gewinnen. Dabei gibt es nach wie vor Alternativen. Neben dem Kia Carens haben wir uns zwei weitere Modelle angesehen, denen die SUV-Mode zu schaffen macht.

Beginnen wir mit einer Schrankwand namens Alhambra. Seat hat den Van seit vielen Jahren im Programm. Ein rundum gutes Auto ist er aber erst in der aktuellen Generation. Der Spanier ist eigentlich ein Deutscher. Baugleich mit dem Sharan der Konzernmutter VW. Und 22 Zentimeter größer als der Vorgänger. Den Zugewinn spürt man allenthalben; am meisten in der optionalen Sitzreihe drei, wo selbst Erwachsene auf Kurzstrecken ohne Pein zurechtkommen – hier hat die SUV-Fraktion eindeutig das Nachsehen. Auch der Klappmechanismus der Sitze ist im Alhambra vorbildlich. Das Gestühl lässt sich schnell und mühelos planeben versenken.

Was sich daraus ergibt, hat den Charakter eines Möbeltaxis: eine Höhle mit sagenhaften 2340 Litern Ladevolumen. Im Alltag dürften Familien aber noch dankbarer für die Längsverstellung der mittleren Sessel sein, auch für die auf Wunsch integrierten Kindersitze und die weit öffnenden Schiebetüren. Die sind zwar elegant in die Außenhaut integriert, haben aber einen nervtötenden Nachteil: Sie lassen sich nur öffnen, wenn man den Griff gerade zum Körper zieht. Weil man aber meist schräg zur Schiebetür steht, sind in der Regel zwei, drei Versuche notwendig, bis sich der Zugang zum Inneren öffnet.

Unterwegs gibt es dann wieder mehr Grund zur Freude: über die vielen Ablagen; über das komfortable, aber nicht schwammige Fahrwerk; und natürlich über den ausgereiften, sparsamen Zweiliter-TDI, den wir auch dank serienmäßiger Start-Stopp-Automatik mit gut sieben Litern durchs Land bewegten. Dagegen hat uns das allseits gelobte Doppelkupplungsgetriebe DSG im Alhambra nicht überzeugt. Bei schnellem Tempowechsel verschluckt es sich gerne und überspringt dabei eine Schaltstufe.

Unsere zweite SUV-Alternative wurde zum Jahresanfang erneuert und ist (preisgleich!) in zwei durchweg ordentlich verarbeiteten Karosserievarianten zu haben. Als Limousine schindet der Mazda 6 Eindruck, weil er wie ein rassiges Coupé gezeichnet ist. Und als Kombi lockt er Familien, denen es auf Stauraum ankommt (gute 425 bis 790 Liter), auf Variabilität (Rückbank lässt sich mit eingesteckten Kopfstützen vom Kofferraum aus umklappen) und auf modernste Technik ( „Skyactive“). Unter diesem Etikett vereint Mazda seine Spritsparmaßnahmen und verdient dafür mehr als ein Fleißkärtchen: Mit dem Basisdiesel (150 PS) brauchten wir um die sechs Liter; bei konsequenter Zurückhaltung des Gasfußes wäre gar ein halber Liter weniger drin gewesen.

Trotz seiner Sparsamkeit ist der kleine 2.2 D durchzugsstark; nur im 6. Gang wünscht man sich mehr Schmackes. Das Fahrwerk ist eher straff abgestimmt, kurze Wellen schlagen schon mal durch. Auffällig gut sind die Bremsen. Die Lenkung könnte etwas mehr Rückmeldung geben. An der Bedienungsfreundlichkeit gibt es generell wenig zu meckern, woran das neue Steuerrad auf dem Mitteltunnel entscheidenden Anteil hat. An drei Minuspunkten sollten die Japaner arbeiten: Es gibt zu wenige und in den Türen zu kleine Ablagen. Der Klimaanlage fehlt jegliches Feingefühl; hinten mangelt es gar an Heizleistung. Und schließlich läuft hin und wieder Regenwasser in den Kofferraum der Limousine, wenn man die Heckklappe öffnet. Eric Metzler

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