SUVs und Toyota : Anschluss gesucht

Toyota war einst Vorreiter bei den SUVs. Modelle wir der Toyota RAV4 waren schon da, als kaum jemand die Bezeichnung kannte. Heute suchen die Japaner den Anschluss an das Boom-Segment.

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Der Edel-Ableger Lexus hat derzeit das reichhaltigste Angebot an SUVs vorzuweisen. Mit dem Lexus NX 300h gibt es da auch schon einen Hybriden.
Der Edel-Ableger Lexus hat derzeit das reichhaltigste Angebot an SUVs vorzuweisen. Mit dem Lexus NX 300h gibt es da auch schon...Foto: promo

Die eigentliche Geburtsstunde des Toyota RAV4 fiel zusammen mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989. In jenem Jahr präsentierten die Japaner auf der Tokio Motor Show das Konzeptfahrzeug RAV Four Concept mit Kulleraugen und im rot-schwarzen Zweifarblook. Trotz hoher Bodenfreiheit und Allradantrieb hatte es mit einem Geländewagen, wie man ihn bislang kannte, nur wenig gemein. Es war etwas Neues. Aus heutiger Sicht war das quasi die Geburtsstunde des SUVs, auch wenn das damals kaum jemand so sah. Und so sollte es noch fünf Jahre dauern, bis dieses neue Konzeptauto zur Serienreife gebracht wurde. 1994 startete der erste RAV4. Ohne Kulleraugen, aber hochbeinig und frech. Nur 3,70 Meter lang, nur mit zwei Türen. Erst ein Jahr später folgte der Fünftürer. Und ohne den geländewagentypischen Leiterrahmen. Der SUV mit der selbsttragenden Karosserie (ein Novum!) wog nur 1,25 Tonnen. Anfangs gab es nur einen Zweiliter-Benziner mit 129 PS aus dem Carina E.

Dieser Frechdachs sollte den SUV-Boom in der Kompaktklasse einläuten. Honda brachte 1996 den CR-V, Land Rover folgte 1997 mit dem Freelander. Ab 2006 setzte Nissan in der Kompaktklasse auf den Qashqai, der sich bis heute wie geschnitten Brot verkauft. Erst 2007 entschloss sich auch VW, ins Kompakt-SUV-Segment einzusteigen. Der Tiguan kam, sah und siegte. BMW verzichtete beim Einser auf eine Kombiversion und brachte stattdessen 2009 den X1. Den günstigsten SUV auf dem Markt stellt seit 2010 Dacia mit dem Duster.

Nicht nur das Toyota RAV4 Cabrio war seiner Zeit voraus

Und der RAV4? Der war anfangs ein Super-Erfolg. Und seiner Zeit weit voraus. Wie das Elektrofahrzeug RAV4 EV, das ab Ende 1997 in Kalifornien verkauft wurde, eine Reichweite von 160 bis 190 Kilometern hatte und bis Ende 2003 insgesamt 1575 Mal produziert wurde. Oder wie das RAV4 Cabrio (1998 bis 2000). Erst im nächsten Jahr wird mit dem Range Rover Evoque Cabrio wieder eine offene SUV-Version starten.

Der Toyota RAV4 war einst ein Pionier. Bereits 1997 fuhr der Japaner in Kalifornien elektrisch. Bald soll er wieder mit Hybrid zu haben sein.
Der Toyota RAV4 war einst ein Pionier. Bereits 1997 fuhr der Japaner in Kalifornien elektrisch. Bald soll er wieder mit Hybrid zu...Foto: promo

Doch von Mal zu Mal entfernte sich der RAV4 weiter von seinen Wurzeln. Am deutlichsten wurde das vor drei Jahren, als die vierte Generation des SUVs startete. SUV? Der RAV der Neuzeit ist mehr Familienmobil denn Spaßmacher. Der Radstand wuchs auf 2,66 Meter, die Gesamtlänge auf 4,57 Meter. Und so ist der aktuelle RAV4 20,5 Zentimeter länger als das Vorgängermodell. Gleichzeitig schrumpfte er in der Höhe um 25 Millimeter. Das Auto wurde länger und flacher, ähnelt so mehr einem Van denn einem SUV. Obwohl die Bezeichnung RAV4 für „Recreational Active Vehicle with 4 wheel drive“ steht, ist dieses Auto schon seit der dritten Generation ab 2006 auch als Fronttriebler zu haben.

Neuer Hybrid für den Toyota RAV4

Bereits knapp zweieinhalb Jahre nach Markteinführung überarbeitet Toyota nun den RAV4. Neben einem modernisierten Front-Design mit LED-Scheinwerfern und einer stärker geänderten Heckpartie gibt es neue Assistenzsysteme wie einen adaptiven Tempomaten und einen Notbremsassistenten. Wichtigste Änderung ist ein Hybridantrieb.

Details nennt der Hersteller noch nicht. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um den leicht veränderten Antriebsstrang aus dem gerade vorgestellten Kompakt-SUV Lexus NX 300h. Hier arbeitet ein 2,5-Liter-Benziner mit mindestens einem Elektromotor zusammen. Gegen Aufpreis treibt ein zweiter E-Motor die Hinterachse an. Die sogenannte Systemleistung beträgt 197 PS, der Verbrauch 5,5 Liter. Der Marktstart des Hybrid-RAV4 ist für Anfang 2016 geplant.

Toyota Urban Cruiser gescheitert

Um auch in der boomenden Klasse der Kompakt-SUVs mitzumischen, startete Toyota 2009 den Mini-Allrader Toyota Urban Cruiser. Doch es war ein mutloser Versuch. Vergangenes Jahr wurde dieses Modell wegen schwacher Verkaufszahlen aus dem Programm genommen. Angesichts der starken Konkurrenz war der Urban Cruiser einfach zu blass und zu teuer.

Größer und immer größer. Seit 1994 ist der 3,70 Meter kurze, zweitürige RAV4 in der nunmehr vierten Generation auf immerhin 4,57 Meter Länge gewachsen und damit der Kompaktklasse schon fast entwachsen. Doch nun scheint sich Toyota endlich auf seine Wurzeln zu besinnen. Motto: Weg mit dem Speck und alles auf Anfang. Der nächste RAV soll nicht nur nicht mehr größer und schwerer werden, sondern auch wieder richtigen Spaß machen. So wie die erste RAV4-Generation. Auf dem letztjährigen Pariser Autosalon zeigten die Japaner einen Ausblick auf ein Crossover-Modell, das kleiner und viel leichter als der aktuelle RAV4 ist.

Die Studie C-HR Concept passt in keine Schublade, und das ist gut so. Erste Fotos zeigen einen schnittigen Zweitürer, der Elemente eines SUVs wie ausgestellte Radhäuser und Offroad-Beplankung mit der abfallenden Dachlinie eines Coupés verbindet. Nur mit Mut kann Toyota auf dem wachsenden Markt der Kompakt-SUVs wieder Boden gut machen. Auf den Markt kommen könnte der neue Konkurrent für Nissan Juke, Opel Mokka und Skoda Yeti innerhalb der nächsten zwei Jahre. Konsequenterweise müsste er RAV4 heißen, um nach 20 Jahren an den Erfolg des Urvaters anzuknüpfen. Auf jeden Fall kommt er mit einer Besonderheit: Alle Autos, die ab sofort vom Band laufen, werden nämlich mit einem siebenstelligen Kilometerzähler ausgerüstet. Das soll auf die wachsende Langlebigkeit von Toyota-Modellen hinweisen.


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