Suzuki Alto : In aller Bescheidenheit

Für Suzuki könnte es das richtige Auto zur richtigen Zeit sein: Der kleine Alto startet mit drei Zylindern und ist ab 8.900 Euro zu haben.

Eric Metzler

Wie, Sie kennen den Alto nicht? Dann sind Sie in bester Gesellschaft. Den Alto kennen viele nicht. Dabei ist er ein ziemlich erfolgreiches Auto. Hunderttausende davon sind in der Welt unterwegs. In Deutschland gab es ihn bis 2006. In diesem April feiert er ein Comeback : Die Zeit ist reif für India’s next Topmodel. Der Alto wird bei Neu Delhi gebaut – und wie darob zu erwarten, ist er klein. Und billig.

Schlecht muss das nicht zwangsläufig heißen. Suzuki hat einen guten Ruf, landet auf Studien über die Kundenzufriedenheit häufig weit vorne. Insofern waren wir gespannt, wie sich ein Mobil anfühlt, das mit einem Basispreis von 8 900 Euro mitten ins Herz der Abwrackler und der Konkurrenz aus Rumänien zielt. Auf dem Papier jedenfalls stimmen die Fakten: 4,4 Liter Verbrauch sind im Kampf gegen die Krise ein Argument. Zudem trägt der kleine Motor das Etikett Euro 5, ist also steuerbefreit, wenn er bis Juli zugelassen wird. Es gibt 6 Airbags serienmäßig, ESP gehört schon ab der zweiten Ausstattungslinie Club dazu – für dann immer noch unter 10 000 Euro ein echter Pluspunkt.

Den verdient sich der Alto auch bei der ersten Ausfahrt – jedenfalls die angenehme Lenkung, das harmonische Fahrwerk und die 68 PS. Für einen Dreizylinder und für den Radius Berlin-Potsdam taugt das Maschinchen allemal. Es macht seine Sache besser als der Dreizylinder, den wir zuletzt im Ibiza Ecomotiove fuhren. Im Stand läuft der Benziner etwas unruhig, unterwegs fällt das nicht auf. Da störten wir uns schon mehr am handverstellbaren Außenspiegel. Dass wir uns quer über den Beifahrersitz beugen, um die richtige Position einzustellen, ist schon ein paar Jährchen her. Es war 1984 beim Subaru Libero, dem kleinen Stadtbus. Der hatte wie der Alto hinten Ausstellfenster. Parallelen gibt es noch mehr: Sein Kofferraum ließ sich auch nur mit einem eigenen Schlüssel öffnen. Und die Sitze, die fühlten sich nach zweihundert Kilometern an wie durchgesessen. (Möge eine derartige Aufzählung nicht als unbillige Mälekei verstanden werden: Für diesen Preis kann man eben nicht alles haben. Man sollte aber auch wissen, was nicht.)

Die Arbeit der Gestalter hat uns vor allem innen überzeugt. Nicht, dass sie mehr Farben als Grau und Silber eingesetzt hätten. Aber sie haben den Fond groß genug für Kinder im Teenageralter gemacht. Und sie haben dem Alto kleine Nützlichkeiten verpasst: Statt Handschuhfach gibt es vorne einen breiten Schlitz, in den man die eben gekaufte Morgenzeitung hineinstellen kann oder den Stadtplan oder fünf Flaschen. Auch das rutschfeste Fach fürs Brillenetui ist schlau. Ein steil nach unten stehender Platzhalter für Handy oder iPod ist bei der Konkurrenz viel zu selten zu finden, selbst in viel teureren Fahrzeugen fallen die meisten Gerätschaften aus zu flachen Mulden ständig heraus.

Dass der Kofferraum mit 129 Litern mickrig ausfällt, liegt an der Natur der kleinsten Fahrzeugklasse, die das Bundeskraftfahramt gesondert erfasst (A/Micro). Wer ab und an ein bisschen mehr zu laden hat, sollte die Version Comfort für 10 900 Euro wählen, bei der ist die Rückbank vorm Flachlegen 50:50 teilbar.

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