Suzuki Hayabusa : Ganz nah an die Grenze

Die aufgefrischte Suzuki Hayabusa wäre gut für Tempo 320. Aber ganz so schnell darf sie nicht sein.

Bernd Zimmermann

Da stand 1999 die ganze Nation Kopf: Toni Mang überholt bei deutlich über 200 km/h fast auf dem Grünstreifen einen auf der linken Autobahnspur fahrenden PKW. Das war nicht nur sehr eng, sondern wurde dummerweise auch noch gefilmt. Und so konnte man die Missetat des Ex-Motorradweltmeisters wenig später im Fernsehen verfolgen. Toni war auf der neuen Suzuki GSX 1300 R unterwegs, dem ersten Serienbike, das mit 302 km/h die magische Grenze von 300 Stundenkilometern schaffte.

Zehn Jahre später schiebt Suzuki eine modernisierte Hayabusa zu den Händlern. Das Triebwerk hat jetzt einen um 41 ccm vergrößerten Hubraum und leistet mit 197 PS noch einmal 22 Pferdestärken mehr als die erste Generation. Wenn man diesen Zossen ungezügelt auf den Asphalt losließe, würde er etwa bis auf 320 Kilometer pro Stunde rennen. Darf er aber nicht: Bei 299 km/h tritt die Elektronik auf die Bremse.

Erhöhte Verdichtung, Titanventile mit größerem Hub, Druckausgleichbohrungen zwischen den Zylindern, vergrößerte Drosselklappendurchmesser und eine modifizierte Einspritzanlage sind zusammen mit der Hubraumvergrößerung für den Leistungszuwachs der Hayabusa verantwortlich. Außerdem kommen verstärkte Kupplungsfedern zum Einsatz, die Kupplung erhielt eine Anpresskraftverstärkung unter Last. Die Doppelscheibenbremse im Vorderrad vertraut jetzt auf Vierkolben-Radial-Bremssättel, die Scheiben schrumpften von 320 auf 310 mm. Dafür wuchs die hintere Scheibe von 240 auf 260 mm. Optisch hat sich dabei recht wenig getan: Zur durchweg älteren Käufergruppe passt das überarbeitete Cockpit mit seinen klassischen Rundinstrumenten.

Der Pilotensitz fällt relativ komfortabel aus, die Höhe ist mäßig. Man greift weit nach vorn über den Tank, um die tief liegenden, nicht verstellbaren Lenkerstummel zu packen. Auch der Sozius sitzt auf dem wahlweise statt des Höckers zu montierenden Sitzkissen verhältnismäßig bequem. An der rechten Lenkerseite kann das Mapping des Triebwerks während der Fahrt in drei Modi verstellt werden. A steht für volle Kraft, B für 90 Prozent der Maximalpower sowie sanftere Kraftentfaltung und C für 65 Prozent Leistung und noch weicheren Leistungseinsatz. Selbst bei dieser Einstellung stehen noch rund 125 PS an. Diese Kraft lässt sich über die hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung sauber dosieren. Auch die Antihopping-Kupplung funktioniert unauffällig. Mit der immerhin vollgetankt etwa 264 Kilogramm schweren Maschine wird bei Bedarf die 100 km/h-Marke in drei Sekunden übersprungen, 200 km/h werden schon nach gut sieben Sekunden erreicht. Das sanfte, nur in wenigen Drehzahlbereichen fein vibrierende Triebwerk zieht schon knapp über Leerlaufdrehzahl kräftig durch. Zwischen 3800 und 10400 Umdrehungen pro Minute stemmen die Kolben kontinuierlich ein Drehmoment von mindestens 130 Nm auf die Straße.

In Kurven fällt die Hayabusa allerdings nicht ganz so leicht wie ihre supersportlichen Schwestern. Die Bridgestone BT 015-Bereifung bietet eine gute Haftung, ermöglicht spektakuläre Schräglagen und macht kleine Kurskorrekturen in der Kurve leicht. Aber Achtung, beim Bremsen in den Rundungen richtet sich das Motorrad sofort auf und vermasselt die Ideallinie. Aber dafür: Lastwechselruckeln kennt dieses feine Bike nicht. Und selbst bei knapp 300 Sachen liegt die Maschine sehr stabil. Durch die 15 Millimeter höhere Verkleidungsscheibe wird in diesen Geschwindigkeitsbereichen Druck vom Piloten genommen. Die größten Feinde des Hayabusa-Piloten sind deshalb andere Verkehrsteilnehmer, die die linke Spur blockieren oder sich zu einem Spurwechsel entscheiden, ohne auf den schnell herannahenden Lichtpunkt im Rückspiegel zu achten. Dann ist Vorsicht geboten: 300 Meter braucht es, um die Hayabusa von 300 auf 140 km/h herunterzubremsen.

Sanft abrufbare Leistung in allen Lebenslagen und ein superstabiles Fahrwerk: Was will man mehr? ABS oder eine bessere Sitzposition vielleicht, welche die durchaus vorhandene Tourentauglichkeit noch verbessern würde.

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