Suzuki Splash : Stadtfloh bleibt Stadtfloh

Der runde Suzuki Splash löst den eckigen Wagon R+ ab. Mini ist er geblieben – eine erste Fahrt mit dem kleinen Neuling.

Stefan Robert Weissenborn

Ein Zahlenspiel zu Beginn: Die in Deutschland lebende Frau bekommt ihr erstes Kind mit 26. Idealerweise ist die Geburt des Kindes auch die einer Familie. Spätestens jetzt muss ein Auto her. Und da kommt der neue Suzuki Splash ins Spiel, ein Microvan und der perfekte Begleiter „für die junge Familie in europäischen Großstädten“, wie Ingenieur Toshikatsu Hibi den Kleinwagen beschreibt: 6000 Einheiten sollen im vollen Jahr abgesetzt werden, so die Pläne. Insgesamt findet Suzuki hierzulande derzeit rund 36 000 Abnehmer für fabrikneue Karossen. Der Splash-Anteil läge also bei einem Sechstel. Diesen in die Waagschale geworfen, und das Durchschnittsalter des Neuwagenkäufers bei Suzuki müsste von derzeit 47 um fast drei Jahre fallen, selbst wenn der mit vielleicht 32 Jahren ältere Vater seine Unterschrift unter den Vertrag setzt. Dass das mit einem einzigen Modell innerhalb eines Jahres geschafft werden kann – eher unwahrscheinlich.

Sollte der Splash, wie er ab Ende April bei den Händlern vorrollt, in urbanen Straßenschluchten folglich chancenlos bleiben? Nein, denn das Absatzziel ist nicht unrealistisch. 6000 im Jahr, im verbleibenden noch 4000, das scheint möglich, vor allem mit Blick auf den Wachstumsschub von 12,8 Prozent beim Japaner im vergangenen Jahr und dem steigenden Bedarf an wendigen Kleinwagen. Nur dürften sich unter die Käufer dann doch ein paar betagtere mischen. Der Zweck heiligt die Werbemittel. Nahezu baugleich mit dem Minivan ist übrigens der Opel Agila II, der auch auf seine Markteinführung wartet. Eine Kooperation hatte es auch schon beim Wagon R+ gegeben, der hieß bei den Rüsselsheimern Agila.

„Spritzig und jugendlich“ soll immerhin der Splash selbst sein, betont Suzuki-Sprecher Axel Seegers. Dynamischer und entschlossener als sein Vorgänger Wagon R+ wirkt er dank geschwungener Linienführung und ausgestellter Radkästen allemal. Man entschied sich, von der Kastenform Abschied zu nehmen. Bezahlt wird die Verjüngungskur des um 20 Zentimeter gegenüber dem Vorgänger auf 3,72 Meter gestreckten Splashs mit dem Verlust an Stauraum. Von 248 auf 202 Liter ist der geschrumpft. Immerhin: Bei umgelegter Rückbank (im Verhältnis 60:40 teilbar) können auf die ebene Ladefläche 1050 Liter gepackt werden. Das ist mehr als etwa beim Konkurrenten Fiat Panda (860 Liter), allerdings weniger als beim höheren Vorgänger (1250 Liter).

Wem es nicht nur aufs Beladen ankommt, der kann den Fünftürer anders als vorher nun als Fünfsitzer nutzen, auch wenn der Platz hinten bei voller Besetzung eigentlich nur für Kinder Bequemlichkeit verspricht. Eine dritte Kopfstütze im Fond schützt aber den, der auf der Ritze sitzt.

Anstoß können Ästheten am Instrumententräger nehmen. Der wartet mit verschiedensten Oberflächenmaterialien auf, was dem ansonsten angenehmen Cockpit-Ambiente an Harmonie nimmt. Aufgesetzt wirkt der rechts oberhalb vom Volant aufgesetzte Drehzahlmesser, er kündet von sportlicher Wichtigkeit, die ihm in diesem Automobil nicht zusteht. Weiter nach oben versetzt ist auch der Schaltknüppel, was die Gangwechsel bequem macht, zumal der Fahrer selbst eine leicht erhöhte Sitzposition einnimmt. Geschwindigkeitsangepasst ist die Servolenkung. Bei gemäßigter Fahrt nicht ohne Vermittlung eines gewissen Gefühls, gerät sie mit steigendem Tachozeiger doch zunehmend teigig. Bei hektischen Lenkmanövern, wie sie wohl nur zu Testzwecken oder bei Ausweichmanövern zur Anwendung kommen, streichelt das Reifenprofil zumindest im gefahrenen Exemplar doch geräuschvoll das Federbein, so sehr neigt die Karosse zu seitlichem Nicken.

Ansonsten fährt sich das Auto, das sich mit dem Swift Basis und ungarische Produktionsstätte in Esztergom teilt, so wie viele neuere Gefährte: Man meint in einem größeren Auto zu sitzen. Die Fahrt vermittelt ein sicheres Gefühl, die Motorengeräusche sind angenehm gedämmt, aber vernehmbar. Benziner und Diesel halten sich dabei in etwa die Waage, auch wenn beide ihre Charakteristik nicht verheimlichen: Der Stich für den Spritzigsten geht eindeutig an den Selbstzünder mit seinem naturgemäß höheren maximalen Drehmoment. In der Endgeschwindigkeit von 165 km/h muss er sich dem Vierzylinder unter den beiden angebotenen Benzinern jedoch knapp beugen. Letzterer kann, was in der Wagenklasse eher die Ausnahme ist, mit Automatikgetriebe geordert werden – eine sinnvolle Spielart für einen Microvan mit dem Attribut „stadttauglich“.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar