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Tankstellen verunsichern Verbraucher : Morgens wird Kasse gemacht

Wer hat sich nicht schon mal über die heftigen Preissprünge an den Tankstellen gewundert? Kann mal vorkommen, ist aber schon merkwürdig. Einer Studie zufolge hat das Ganze aber System. Aus Thüringen kommt derweil der Vorstoß zur Einführung einer Benzinpreisbremse.

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Frühmorgens sieht es besonders düster aus an der Tankstelle. Gegen Abend lassen die Preise oftmals nach.
Frühmorgens sieht es besonders düster aus an der Tankstelle. Gegen Abend lassen die Preise oftmals nach.Foto: dpa

Dass der Freitag ein schlechter Tag zum Tanken ist hat sich unter Autobesitzern bereits rumgesprochen. Immer pünktlich zum Wochenende erschüttern die Preise an den Zapfsäulen mit neuen Wochenhochs. Viele Kunden haben reagiert und tanken mittlerweile eher zu Wochenbeginn voll. Im Wochenvergleich ist das Befüllen des Tanks zwischen Montag und Dienstag am günstigsten. Doch die großen Tankstellenketten haben sich was Neues einfallen lassen, um die Kassen noch stärker klingeln zu lassen.

Laut ADAC ist der neueste Trend an den Tankstellen eine Art Preishopping. Mit Sprüngen von 10 Cent und mehr innerhalb eines Tages sollen Autofahrer gezielt verwirrt werden, so der Verkehrsclub. Dabei gibt es nur wenige klare Regeln, denen das Preischaos an den Tankstellen folgt. Eine davon ist, dass die Preise morgens besonders hoch sind, während sie abends eher niedriger angesetzt werden. Die größten Sprünge wiederum hat der Verkehrsclub bei seiner Studie aber nachts festgestellt. Daraus entsteht ein regelrechtes Glücksspiel für preisbewusste Autofahrer.

Zwölf Cent Aufschlag in Bielefeld

Der ADAC hat in elf verschiedenen Städten die Preisbewegungen an 33 Tankstellen der Ketten Aral, Shell und Jet eine Woche lang beobachtet. Dabei will der Autoclub hinter den hektischen Sprüngen ein bestimmtes Schema ausgemacht haben. Am offensichtlichsten waren die frühmorgendlichen Preisschübe, die bis zu 2,6 Cent im Schnitt ausmachten. In Berlin sanken die Preise zum Abend hin bis zu fünf Cent, in Bielefeld waren es sogar bis zu zwölf Cent an einem Tag. Der Preis für Dieselkraftstoffe sank dabei stets deutlicher als der Preis für Super-Benzin.

Aber auch von einem Tag zu anderem gab es deutliche Erhöhungen. In München registrierte der ADAC Steigerungen bis zu zwölf Cent über Nacht. Keine neue Erkenntnis, aber immer wieder wichtig ist, dass sich die Preise zwischen den Ketten ganz erheblich unterscheiden. Ohne dass dabei das Produkt unterschiedlich wäre, denn bis auf die aufgemotzten Spezialsorten kaufen alle Ölfirmen an den Rohstoffmärkten in Rotterdam ein.

Den Autofahrern bleibt nur die Möglichkeit sich über Preisportale und eigene Beobachtung die günstigste Tankstelle in der Nähe zu suchen. Der Autoclub empfiehlt die Betankungen der Studie entsprechend eher Abends vorzunehmen. Ob das allerdings auch in den bevorstehenden Osterferien was bringt, bleibt fraglich. Denn pünktlich zu Ostern haben die Ölfirmen stets zuverlässig mit neuen Höchstpreisen die Verbraucher geärgert.

ADAC-Päsident Peter Meyer sagte zu den Ergebnissen der Untersuchung: "Mit dieser Jo-Jo-Preispolitik kassieren die Ölmultis die Autofahrer systematisch ab." Für Autofahrer sei es kaum möglich "bei diesem Preiswirrwarr den Überblick zu behalten und den richtigen Moment zum günstigen Tanken zu erwischen."

Benzinpreisbremse in der Diskussion

In Thüringen läuft derzeit eine Initiative der Landesregierung zur Eindämmung der heftigen Preissprünge an den Zapfsäulen. Das Verkehrsministerium des Landes hat eine Internetabstimmung ins Leben gerufen, die es den Betreibern von Tankstellen künftig nur noch einmal am Tag erlauben würde ihren Preis anzupassen. Bisher haben sich fast 95 Prozent dafür ausgesprochen. In Österreich gibt es bereits ein solches Gesetz.

Auch Bundesverkehrsminister Ramsauer begrüßte diese Regelung am Wochenende. Thüringens Verkehrsminister Christian Carius sagte, eine solche Regelung schaffe eine stabile Preisobergrenze und bringe somit mehr Vertrauen und Verlässlichkeit. Am 30. März will der Bundesrat über den thüringischen Vorstoß abstimmen. ADAC-Sprecher Andreas Hölzl sieht den Vorstoß hingegen skeptisch. "Das Gesetz hat in Österreich zwar den Markt beruhigt, aber die Kosten auf höherem Niveau stabilisiert", sagte er dem Tagesspiegel. Die Verbraucher würden die Preissicherheit mit einem im Schnitt höheren Preis bezahlen.

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