Tesla kündigt bezahlbares E-Auto für 2016 an : Zocken in Reno

Tesla hat mit der Ankündigung eines Elektroautos für die Mittelklasse die Branche nicht zum ersten Mal in Aufruhr versetzt. Den großen Autokonzernen dürfte das Lachen allerdings schon vergangen sein. Die Pläne von Elon Musk wurden, früher oder später, stets Realität.

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Immer für eine Schlagzeile gut. Tesla kündigt nicht nur ein neues Elektrofahrzeug an, sondern vesetzt die Branche mit seinen neuen Ankündigungen in Aufruhr - denn das neue Modell 3 ist in der Mittelklasse angesiedelt und wird deutlich billiger sein als die Konkurrenz, darunter der BMW i3 und der e-Golf.
Immer für eine Schlagzeile gut. Tesla kündigt nicht nur ein neues Elektrofahrzeug an, sondern vesetzt die Branche mit seinen neuen...Foto: dpa

0,04 Prozent – Das ist der Marktanteil von Tesla im ersten Halbjahr auf dem deutschen Markt. Ganze 696 Autos hat das kalifonische Unternehmen des charismatischen Elon Musk hierzulande an den Kunden gebracht. Vielleicht ist das der Grund, warum Tesla von der mächtigen deutschen Autoindustrie immer noch etwas belächelt wird. Dabei gibt es dafür längst keinen Grund mehr. Tesla macht heute weit mehr als Notebook-Batterien in ein Auto zu bauen. Immerhin liegt die Steigerung im Vergleich zum Vorjahr bei 110 Prozent und in den USA werden mittlerweile mehr Oberklasse-Tesla verkauft als S-Klassen von Mercedes. Jetzt holt Elon Musk zu einem weiteren Schlag aus. Und der könnte den deutschen Premium-Autobauern richtig weh tun.

Im Frühjahr 2016, genauer gesagt schon nächsten März, will Tesla ein Mittelklasse-Modell vorstellen. Das Model 3 soll weniger als 35.000 US-Dollar kosten und sich auf dem Niveau eines 3er BMW oder der Mercedes C-Klasse bewegen. Das wäre ein harter Schlag für die gesamte Autoindustrie, speziell aber für die erfolgsverwöhnten deutschen Hersteller. Denn die predigen seit Jahren, dass genau das nicht möglich sei: Ein preisgünstiges Elektroauto mit ordentlicher Reichweite auf den Markt zu bringen. Beim heutigen Umrechnungskurs läge das Model 3 bei rund 31.500 Euro. Damit wäre es deutlich billiger als ein BMW i3 oder ein e-Golf, beides Kompaktmodelle.

Musk hat seine Ziele immer erreicht

Stellt sich die Frage, ob da nicht viel heiße Luft verbreitet wird. Schließlich kündigt Tesla seit gefühlten zwei Jahren seinen Geländewagen Model X an. Zwar standen schon diverse Prototypen auf den Messen und Autoshows, zuletzt im Januar in Detroit. Auf der IAA in Frankfurt, die übernächste Woche beginnt, wird das Auto aber nicht zu sehen sein und zu kaufen ist es bisher auch noch nicht. Immerhin hat Tesla diesen Donnerstag den Konfigurator freigeschaltet. Und ab September soll dann ausgeliefert werden, wirklich!

Noch ist der Marktanteil von Tesla auf dem deutschen Markt verschwinden gering, daran ändern auch die schicken Showrooms (wie dieser hier in München) nichts. Doch das könnte sich mit dem neuen Kompakt-Model 3 bald ändern. Denn Elon Musk geht in die Preisoffensive.
Noch ist der Marktanteil von Tesla auf dem deutschen Markt verschwinden gering, daran ändern auch die schicken Showrooms (wie...Foto: dpa

Dennoch, Experten nehmen das Model X ebenso ernst, wie den neusten Vorstoß in Sachen Mittelklasse. „Es ist bekannt, dass Tesla schon länger an einem Mittelklassemodell arbeitet“, sagt etwa Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen ist sich sicher, dass das Elektro-SUV von Tesla demnächst kommt. „Vielleicht agiert Musk etwas chaotisch. Bisher hat er aber seine Ziele immer erreicht", sagt Dudenhöffer. Vor Jahren habe ihm niemand seine Ankündungen geglaubt. „Heute sehen wir, dass Tesla deutlich weiter ist als gedacht." Musk wolle Elektromobilität in die Breite bringen. Und dafür sei das, ganz zeitgemäß über den Kurznachrichtendienst Twitter angekündigte neue Modell genau das richtige Instrument.

Die Gigafactory ist der Schlüssel zum Erfolg

Auch Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach, rät dazu Tesla ernst zu nehmen. „Es wird ein Lackmustest für die Elektromobilität“, schätzt der Branchenkenner. Wenn Tesla es schaffe das Auto auf den Markt zu bringen, dann wäre der Beweis erbracht, dass man mit Elektroautos auch in die Breite gehen könne. Allerdings ist Bratzel eher skeptisch, was die Kompetenz einer Massenfertigung angehe. „Bei hochpreisigen Modellen ist es relativ einfach Elektroautos zu bauen.“ In einem preissensiblen Segment wie der Mittelklasse sei das aber deutlich schwieriger. „Entscheidend wird die Reichweite sein“, schätzt Bratzel. „Wenn das Model 3 auf eine Reichweite von 400 bis 500 Kilometern kommt, dann bewegt es sich auf Augenhöhe mit der Verbrenner-Konkurrenz. Dann ist es wirklich ernst zu nehmen."

High-Tech-Unternehmer Elon Musk vor einer US-Flagge. Ein ähnliches Grinsen dürfte er bei der Ankündigung des neuen Tesla Model 3 auf den Lippen gehabt haben.
High-Tech-Unternehmer Elon Musk vor einer US-Flagge. Ein ähnliches Grinsen dürfte er bei der Ankündigung des neuen Tesla Model 3...Foto: dpa

Entscheidend dürfte aber auch die Produktionsseite werden. „Bei den Prozessen einer Massenproduktion sind die großen Autokonzerne Spezialisten", sagt Bratzel. Um diese für weitaus größere Stückzahlen als die nicht mal 50.000 Einheiten, die Tesla derzeit im Jahr baut, zu etablieren, wird Expertise benötigt. Derzeit baut Tesla aber noch eifrig an seiner „Gigafactory“, wie das Unternehmen die riesige Baustelle bei Reno in Nevada nennt. Bis 2020 soll der Produktionsstandort für Lithium-Ionen-Zellen und sogenannte „Packages“, wie die Batteriemodule genannt werden, fertig sein. Dann sollen in der Gigafactory jährlich 35 Gigawattstunden an Zellen produziert werden. Das würde reichen um 500 000 Elektroautos zu bestücken. „Hier liegt der Schlüssel für den Erfolg von Tesla“, glaubt Bratzel.

Audi kündigt "Tesla-Killer" an

Gelinge es mit dem Standort, der zusammen mit Panasonic realisiert wird, die Preise für Batterien deutlich zu senken, dann könne das ein Durchbruch für die Elektromobilität werden. Das sieht Ferdinand Dudenhöffer ähnlich: „Tesla hat bereits beim Model S gezeigt, dass ein Elektroauto 500 Kilometer Reichweite haben kann. Warum nicht auch in der Mittelklasse?"

Eines hat Tesla jedenfalls jetzt schon erreicht: Das Unternehmen treibt die Autobranche regelrecht vor sich her. Audi hat für die IAA ein Geländewagen mit Elektroantrieb, einen "Tesla-Killer" angekündigt. Der soll 500 Kilometer Reichweite haben, wird aber frühestens 2018 auf den Markt kommen. BMW forscht wohl ebenfalls an einem E-SUV und Mercedes hat hektisch in diesen Tagen eine rein elektrische E-Klasse angekündigt. All diese Tesla-Gegner sind aber noch mindestens drei Jahre vom Markteintritt entfernt. Da könnte sich Tesla noch reichlich Zeit lassen mit dem Model X. Und selbst wenn das Mittelklasse-Modell später kommt – ein Konkurrent wäre erst mal weit und breit nicht in Sicht.

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