Test von Stiftung Warentest und ADAC : "Mangelhaft" - Vier Kindersitze fallen durch

Wenn der Nachwuchs reist, dann soll er bestmöglichst geschützt sein. Doch die Auswahl an Sitzen ist riesig und die Unterschiede schwer zu erkennen. Stiftung Warentest und der ADAC haben eine größere Auswahl an Kindersitzen getestet.

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Kindersitze auf dem Prüfstand: Bei den Crashtests werden Frontal- und ein Seitenaufpralle simuliert - sowohl in Sitzposition als auch in der Ruheposition.
Kindersitze auf dem Prüfstand: Bei den Crashtests werden Frontal- und ein Seitenaufpralle simuliert - sowohl in Sitzposition als...Foto: ADAC

Die Auswahl ist riesig, die Versprechen groß – der Kauf eines guten und sicheren Kindersitzes für das Auto kann sich kompliziert gestalten. Die Angelegenheit wird nicht einfacher, weil für die Qualität eines guten Sitzes gleich mehrere Kriterien eine Rolle spielen. Verbraucher sind daher in der Regel für jede Hilfe dankbar, die sie bei der Auswahl des richtigen Sitzes für den Nachwuchs bekommen können.

Jedes Jahr testen der Automobilclub ADAC und die Stiftung Warentest Kindersitze auf Herz und Nieren. Das Ergebnis der diesjährigen Erhebung ist allerdings etwas ernüchternd. Kein Sitz konnte die Bestnote „sehr gut“ erreichen. Vielmehr fielen vier Sitze sogar mit „mangelhaft“ komplett durch. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Mehr als die Hälfte der geprüften Produkte kam auf die Note „gut“, vier weitere konnten ein „befriedigend“ erreichen. Damit übertreffen diese Sitze immer noch deutlich die gesetzlichen Mindestanforderungen.

Babysitze besonders mangelhaft

Den größten Fauxpas im Testfeld erlaubte sich der Hauck Varioguard (Klassen 0+/1; bis 18 Kilogramm). Beim Crashtest löste sich die Sitzschale von der Basis und der Sitz klappte samt Kind nach vorne. Im Ernstfall wäre das Kind auf den Vordersitz geprallt und hätte sich schwerer verletzt. Der Sitz bietet allerdings auch die Möglichkeit das Kind rückwärts gewandt zu setzen, was das Verletzungsrisiko deutlich senkt. Ohnehin sind die rückwärtsgewandten Sitze empfehlenswert, weil sie die auf das Kind wirkenden Kräfte signifikant minimieren.

Vieles ist Geschmackssache bei einem Kindersitz, doch eines nicht: die Sicherheit. Daher testen der ADAC und Stiftung Warentest einmal pro Jahr, wie sich die Sitze im Ernstfall behaupten.
Vieles ist Geschmackssache bei einem Kindersitz, doch eines nicht: die Sicherheit. Daher testen der ADAC und Stiftung Warentest...Foto: ADAC

Drei weitere Sitze bekamen bei der Überprüfung der Stiftung Warentest und des ADAC ein „mangelhaft“. Alle drei aus der Gewichtsklasse bis 13 Kilogramm. Der Casualplay Sono Fix, Simple Paranting Doona und Simple Parenting Doona & Isofix Base wiesen allesamt eine erhöhte Belastung mit Schadstoffen auf, weshalb am Ende die Note fünf heraus kam. Dass ein guter Sitz nicht unbedingt teuer sein muss, beweist der Cybex Cloud Q, der trotzt eines relativ günstigen Preise von 230 Euro in der Klasse bis 13 Kilogramm (0+) am besten abschnitt. In der Zwischenklasse i-size (6 Monate bis 4 Jahre) siegte der Maxi Cosi Axissfix und in der Klasse I war der Inglesina Amerigo I-Fix am besten. Der nur halb so teure Britax Römer King II ATS schnitt allerdings nur geringfügig schwächer ab.

Weitere Testergebnisse erfreulich

Erfreulich positiv schnitten die Sitze in den Klassen von 9 bis 36 Kilogramm (Klassen I,II und III) und 15 bis 36 Kilogramm (Klassen I und II) ab. Hier gab es bei elf geprüften Sitzen acht mal die Note „gut“ und drei mal die Note „befriedigend“. Der Cybex Pallas M-fix erreichte mit einer durchweg soliden Leistung für das Alter von 1 bis 12 Jahren die beste Wertung (Note 2,1). Der Britax Römer Kidfix SL SICT schrammte für den Altersbereich von 4 bis 12 Jahren sogar knapp an einem „sehr gut“ vorbei (Note 1,8).Die gleiche Note bekamen die beiden Sitze von Cybex Solution M und Solution M-fix.

Viermal "mangelhaft", fünfmal "befriedigend", vierzehnmal "gut", kein "sehr gut" - insgesamt also Note 3,1 und damit ein durchwachsenes Ergebnis.
Viermal "mangelhaft", fünfmal "befriedigend", vierzehnmal "gut", kein "sehr gut" - insgesamt also Note 3,1 und damit ein...Foto: ADAC

In die Wertung des ADAC flossen vier Wertungen ein. Die Sicherheitswertung beeinflusst die Gesamtnote zu 50 Prozent. Hierfür wurde ein Frontal- und Seitenaufprall simuliert und der Dummy, der den Körper des entsprechenden Kindes simuliert, jeweils in Sitz- und in der Ruheposition angebracht. Die Bedienung der Sitze beeinflusste die Endnote zu insgesamt 40 Prozent und die Ergonomie floss zu zehn Prozent in die Wertung ein. Die Schadstoffprüfung floss nur indirekt in die Wertung ein. Lag hier die Note bei „ausreichend“ oder schlechter, dann wurde die Gesamtnote direkt abgewertet.

ADAC und Stiftung Warentest geben Eltern auch Empfehlungen für den Kauf des passenden Kindersitzes mit auf den Weg. So sollten bei der Auswahl im Geschäft das Kind und möglichst auch das Auto dabei sein. So kann noch vor Ort eine Sitzprobe gemacht werden. Denn der beste Sitz nützt nichts, wenn das Kind nicht rein möchte. Außerdem sollten sich die Eltern nach dem Kauf richtig mit der Bedienung des Sitzes vertraut machen. Der Kindersitz sollte stabil stehen, die Gurte gerade und straff angelegt werden und bei zweiteiligen Sitzen der Aufbau sicher mit der Basis verbunden sein. Sonst kann der beste Sitz die Kinder nicht richtig schützen.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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