Tipps für die Fahrt im Winter : Da hilft nur kühle Vernunft

Wie sich im Winter der Bremsweg verändert und was hinter dem Winterdiesel steckt: Hans-Georg Marmit von der Prüforganisation KÜS weiß Bescheid.

Gibt es eine Faustregel, um wie viele Meter sich auf schneebedeckten Fahrbahnen der Bremsweg verlängert im Vergleich zu trockenen Straßen?

Auf Schnee ist der Bremsweg rund viermal so lang wie auf trockener Straße. Auf Eis ist es noch schlimmer: Dort dauert das Stoppen mehr als siebenmal so lange wie gewohnt. Führt man sich vor Augen, dass der Bremsweg aus Tempo 50 bereits bei guten Bedingungen rund 14 Meter beträgt, erkennt man, wie dramatisch Notbremsungen auf Eis und Schnee sind. Hinzu kommt außerdem noch die Reaktionszeit, die für weitere Meter ungebremster Fahrt sorgt. Zudem gelten die genannten Werte lediglich für optimale Reifen. Unabdingbar sind Winterpneus – Sommerreifen sorgen für eine weitere deutliche Verlängerung des Bremswegs. Zudem sollten mindestens vier Millimeter Restprofil vorhanden sein, auch wenn der Gesetzgeber lediglich 1,6 Millimeter vorschreibt.

Mindestens ebenso wichtig ist eine angepasste Fahrweise. Wer das Auto nicht komplett stehen lassen kann, sollte bei Eis und Schnee besonders aufmerksam fahren. Der Abstand zum Vordermann muss deutlich vergrößert werden, am besten um den Faktor drei. Ansonsten drohen schon bei alltäglichen Bremsmanövern Auffahrunfälle mit teuren Blechschäden. Elektronische Helfer sind im Winter nur begrenzt von Nutzen. Die Stotterbremse ABS kann unter Umständen sogar den Bremsweg verlängern. Wenn nämlich der Schnee recht locker ist, schieben blockierende Räder einen bremsenden Schneekeil vor sich her. Ohne ABS blockieren die Räder nicht und die Keilwirkung entfällt. Eine Deaktivierung ist allerdings aus Sicherheitsgründen trotzdem nicht sinnvoll und funktioniert sowieso nur bei den wenigsten Autos. In der Regel klappt das nur bei kernigen Geländewagen – denn die nutzen den Blockade-Effekt auch bei der Fahrt auf Kies und Sand.

Ich habe an der Tankstelle gelesen, dass es jetzt Winterdiesel gibt. Wozu braucht mein Auto das und warum bekomme ich den „normalen“ Diesel nicht mehr?

Normaler Diesel eignet sich bei Temperaturen ab minus zehn Grad Celsius nicht mehr, weil der Kraftstoff dann ausflockt und nicht mehr flüssig bleibt. Es können sich Paraffinkristalle bilden, die den Kraftstofffilter verstopfen und den Durchfluss des Diesels vom Tank zum Motor verhindern. Dagegen enthält Winterdiesel Additive, die das Ausflocken von Paraffinen bei niedrigeren Temperaturen verhindern. In Deutschland bieten Tankstellen daher zwischen dem 17. November und 29. Februar ausschließlich Winterdiesel an, der laut DIN EN 590 eine Fließgarantie bis minus 20 Grad besitzt. Für den Konsumenten ist normalerweise kein Unterschied zwischen Sommer- und Winterdiesel spürbar.

Wer seinen Selbstzünder-Pkw allerdings nur selten bewegt, sollte den Tank bald mit Winterdiesel befüllen. Ansonsten kann es passieren, dass das Fahrzeug zwar in der heimischen Garage anspringt, aber nach wenigen Metern im Freien auf der Straße liegen bleibt. Daher empfiehlt sich, beim Tanken auch gleich den Ersatzkanister mit dem frostsicheren Kraftstoff zu füllen, ansonsten hilft der Reservesprit im Ernstfall nicht weiter. Ein weiterer Grund für das Einfrieren des normalen Dieselkraftstoffs ist, dass dieser bis zu acht Prozent Wasser aufnehmen kann, das dann im Winter gefriert. Viele Diesel-Pkw sind mit einer Filtervorwärmung ausgestattet, die den Betrieb mit Winterdiesel über den in der DIN-Norm festgelegten Temperaturgrenzwert hinaus sicherstellt. Ist der Sommerdiesel im Tank einmal eingefroren, hilft nur das Auftauen in einer beheizten Garage. Auf externe Wärmequellen wie Gasbrenner oder Ähnliches sollte allerdings verzichtet werden. (sppr)

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