Tipps fürs Fahrrad in der Kälte : Nicht nur für die Harten

Radfahren im Winter kann durchaus ebenso viel Spaß machen wie im Sommer, Schnee und Kälte auch mit zwei Rädern getrotzt werden. Gute Vorbereitung ist allerdings entscheidend - und die richtige Ausrüstung.

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Dem Winter trotzen: Mit der richtigen Vorbereitung können Fahrräder auch bei Schnee und Kälte ihren Drahtesel stehen.
Dem Winter trotzen: Mit der richtigen Vorbereitung können Fahrräder auch bei Schnee und Kälte ihren Drahtesel stehen.Foto: dpa

Lange war es vergleichsweise mild in Berlin, nun kommen Eis und Schnee auch hier mit voller Wucht. Noch Ende des letzten Jahres hatten viele Radfahrer ihre Drahtesel schon in vorsorglich in den Winterschlaf versetzt - trotz fast schon frühlingshafter Temperaturen. Der Kälteeinbruch nun gibt ihnen Recht - bedingt. Denn selbst bei geschlossener Schneedecke muss das Rad nicht im Keller schmoren.

Fahrrad wintertauglich machen

Der erste Blick sollte dem Bike selbst gelten. Besonders die Bremsen sind zu überprüfen und vor dem Winter neu einzustellen. Wenn das Fahrrad draußen steht, ist auch jeden Tag eine Funktionsprüfung zu empfehlen. Denn der Bremsweg verlängert sich nicht nur durch die Straßenverhältnisse. Kälte macht die Bremsgummis hart, was das "Zupacken" erschwert.

Besonders wichtig in der dunklen Jahreszeit ist ein ordentliches Licht am Rad. Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht betont: "Eine funktionierende Beleuchtung ist eine kleine Lebensversicherung." Der vordere Scheinwerfer und das Rücklicht müssen zusammen leuchten, rät die Expertin. Je zwei Speichenreflektoren oder reflektierende weiße Streifen am Reifen sind zusätzlich sinnvoll. Zur Sichtbarkeit tragen auch helle Kleidung und Reflektorbänder bei, die sich um die Hosenbeine tragen lassen.

Richtig pflegen

"Nässe kriecht überall rein", sagt Andreas Götz vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Züge können einfrieren und so Schaltung und möglicherweise auch Bremsen matt setzen. "Der Verschleiß ist insgesamt größer, und Streusalz ist ein extremer Multiplikator", sagt Götz. Das Rad sollte, am besten im warmen Keller, regelmäßig gesäubert und die Kette neu gefettet werden. Als Tipp vom Profi gibt er mit: vor dem Winter das ganze Rad einmal mit Frostschutzmittel einsprühen – wirkt fast den ganzen Winter lang.

Richtige Kleidung

Mit der richtigen Kleidung ist das Radfahren selbst bei Minustemperaturen noch angenehm. Wer zur Arbeit pendelt, sollte aber seine Berufskleidung erst am Arbeitsplatz anziehen und für den Weg auf Thermohosen und eine winddichte Jacke zurückgreifen. Handschuhe und eine Mütze unterm Helm sind selbstverständlich.

Wann kann ich noch fahren?

Geübte Radfahrer können eigentlich immer fahren. Wer viele Kilometer im Jahr zurücklegt und sein Fahrrad sicher beherrscht, wird auch im Winter bei entsprechend vorsichtiger Fahrweise wenig Probleme bekommen. Bei "Schönwetter-Radlern" sieht das schon anders aus. Diese sollten sich morgens erst mal vor der Tür über die Straßenverhältnisse informieren, sagt Andreas Götz vom BDR. Bei überfrierender Nässe und geschlossener Schneedecke rät er, das Rad besser stehen zu lassen.

Richtig fahren im Schnee

Auch für geübte Radfahrer ist eine geschlossene Schneedecke eine Herausforderung. Das Wichtigste ist, Abstand zu halten sowie früh und maßvoll zu bremsen. Auf einer Eisfläche wird es besonders heikel. Hier sollte sogar gar nicht oder nur sehr vorsichtig gelenkt werden. Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht empfiehlt außerdem: "Radler sollten sich vor Straßen mit Kopfsteinpflaster, eisernen Kanaldeckeln und Brückenbereichen mit überfrierender Nässe hüten." Hilfreich ist es außerdem, vor Fahrtantritt den Luftdruck der Reifen etwas abzusenken. Damit vergrößert sich die Auflagefläche, was mehr Haftung bringt. Auch der Sattel sollte etwas niedriger eingestellt werden. Dann sind die Füße im Fall der Fälle schneller auf dem Boden.

Brauche ich Spikes?

Reifen mit Spikes sind für extreme Bedingungen gedacht und helfen in der Stadt in der Regel kaum. Sie haben ihre Stärken bei geschlossener Schneedecke. In städtischen Gebieten werden die Straßen allerdings relativ schnell geräumt und ohne Schnee fährt es sich mit Spikes gar nicht gut. Entgegen der landläufigen Meinung bringen Spikes auf Asphalt mit einer Eisoberfläche gar nichts. (mit dpa)

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