Touran : Da macht man praktisch nichts falsch

Ein Langweiler, unser Touran? VW kann darüber nur lachen – und baut den Erfolg mit neuen Motoren und einem Park-Wunder aus.

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Sie werden sich immer ähnlicher, die neuen Volkswagen. Dem Touran tut die Wolfsburger Evolutionslehre gut.
Sie werden sich immer ähnlicher, die neuen Volkswagen. Dem Touran tut die Wolfsburger Evolutionslehre gut.Foto: promo

So banal der Dreh sein mag, so wahr ist er: Attraktivität liegt im Auge des Betrachters. Nehmen wir den Touran, mit dem VW seinerzeit auflief, als Konkurrenten längst mit Vans auf dem Platz waren: ein ziemlich biederer Spielkamerad. Aber ein erfolgreicher. Der erfolgreichste seiner Klasse, um genauer zu sein. Wenn in Deutschland ein Familienrat zusammentritt, um das Für und Wider eines Renault Scénic oder eines Opel Zafira abzuwägen, kommt mit großer Wahrscheinlichkeit ein VW Touran dabei heraus: Fast jede zweite Entscheidung im Segment der mittelgroßen Vans ist ein Geschäft für VW.

Dass der 47-Prozent-Marktanteil des Bestsellers in naher Zukunft schrumpft, steht nicht zu erwarten – im August nämlich erscheint die neue Generation. Und die hat in optischer wie technischer Hinsicht viel Frisches zu bieten. Das Wichtigste: Endlich profitiert auch der Touran von den aktuellen Motoren, die den Ruf der Wolfsburger ausmachen. So schmückt sich der Touran nun mit dem 1.6 TDI, den es mit 90 und 105 PS gibt. Letzteren haben wir in Verbindung mit dem Blue-Motion-Paket probiert; an Bord waren also leichte Felgen, rollwiderstandsoptimierte Reifen, ein aerodynamisch geglätteter Boden, eine Start-Stopp-Automatik und die Bremsenergie-Rückgewinnung. Das Aggregat zählt zwar nicht zu den leisesten, gefällt aber mit gutem Durchzug und vor allem mit einem realistischen Verbrauch von um die fünf Litern, so man den Schalt-Empfehlungen des Bordcomputers folgt und auf der Autobahn mit maximal 140 km/h segelt.

Gleichfalls neu unter acht Motorisierungen ist der 1.2 TSI, der im hochbauenden Touran naturgemäß nicht ganz so beeindruckt wie im viel leichteren Polo. Dennoch kann der Basisbenziner für Familien, denen Leistung nicht das Wichtigste ist, eine gute Wahl sein: Ab 21 750 Euro gibt es im Trendline eine umfangreiche Serienausstattung inklusive Klima und ein Fahrwerk, das man nur als souverän bezeichnen kann. Es schluckt einerseits alles, was deutsche Großstädte an Mistigkeiten zu bieten haben, neigt aber andererseits kaum zum Wanken und Schwanken. Wer selbst bestimmen will, wie hart es zur Sache geht, bestellt für 995 Euro die adaptive Stoßdämpferverstellung DCC, die wir aus dem Scirocco kennen.

Als ziemlich helle erwiesen sich die VW-Ingenieure bei zwei Technik-Extras, die im Touran Luxus-Flair verbreiten. So blendet ein dynamischer Licht-Assistent das Fernlicht automatisch nur in den Bereichen ab, die den Gegenverkehr blenden würden. Und der „Park Pilot“ wurde so perfektioniert, dass er mithilfe des Fahrers auch im 90-Grad-Winkel einlochen kann – eine Weltpremiere (siehe Grafik).

Beim Design weicht die Langeweile einer gewissen Eleganz – man schaue sich nur die neue Front mit dem breit gespannten Grill und den Scheinwerfern an. Da, wo bislang klobige Leuchtsteine saßen, funkeln fortan frech gezeichnete LED-Tagfahrlichter. Nach hinten ziehen sich horizontale Linien; die Kotflügel sind deutlicher ausgearbeitet; die hinteren Leuchten nun geteilt. Bis auf die Türen, sagen die Designer stolz, haben wir alle Karosserieteile angepackt und gestriegelt.

Wenn dabei im Windkanal zugleich ein deutlich besserer cw-Wert herausgekommen ist (0,29), macht das die Sache nicht schlechter – genauso wenig wie feinere Kunststoff-Narbungen und Chromdetails im Inneren. Entscheidender sind für Familien die praktischen Werte, die man nicht aufgegeben, aber auch nicht wesentlich verbessert hat: Es bleibt bei Einzelsitzen in der zweiten Reihe, die sich längs verschieben oder ausbauen, aber anders als im Zafira nicht versenken lassen. Eine dritte, nur für Kinder leicht erreichbare Sitzreihe ist optional; die Sessel Nummer 6 und 7 verschwinden im Boden, wenn sie nicht benötigt werden. An Ablagen und Ladevolumen gibt es nichts zu meckern – wie bisher 695 bis 1989 Liter (beim Opel Zafira sind es 645 bis 1820 Liter). Löblich am Rande: Die Seitenwände des Kofferraums sind nun durch Teppich geschützt.

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