Tourneo Connect : Kommt Zeit, kommt Trend

Kastenwagen müssen nicht automatisch Lieferwagen sein: Ford will mit dem runderneuerten Tourneo Connect Familien erobern.

Eric Metzler

Hat wohl nicht für ein richtiges Auto gereicht? Wer vor Jahren den Mut hatte, seine Familie im Kastenwagen zu transportieren, wurde zumeist belächelt. Heute adelt die Mode den Nutzen zum Lifestyle. Ob Fiat Qubo, C3 Picasso oder Kia Soul: Kartons auf vier Rädern gelten plötzlich als schick und individuell, während Vans weiter an Zuspruch verlieren. Für die Anbieter klassischer Bäckerautos fallen bei diesem Sinneswandel auch Krumen ab – sie trimmen ihre Liefergesellen auf Pkw, um an Kunden ohne Gewerbeschein heranzukommen. Ein Beispiel dafür ist Fords Tourneo Connect, der mit einem grundlegenden Facelift die Kluft des biederen Kleintransporters ablegen will.

Äußerlich ist das gelungen, so gut es bei unveränderter Grundform machbar ist – schon weil die gewaltigen Brummi-Spiegel an der Seite durch zierlichere Exemplare ersetzt wurden. Neu sind die Scheinwerfer und die Rückleuchten, auch der markentypische, trapezförmige Grill. Dass Ford angesichts dieser Retuschen meint, nun gefalle auch der Tourneo Connect im „Kinetic Design“, verdient bestenfalls Kopfschütteln. Es ist blödsinnig, die Optik dieses Autos auch nur im entferntesten mit den dynamischen Gesichtern von Focus oder Mondeo in Verbindung zu bringen. Im Inneren hat der aufgefrischte Connect nur noch wenig mit dem Vorgänger gemein: Jetzt kann man sich hier tatsächlich auch ohne Blaumann wohlfühlen. Zwar dominiert wie im Renault Kangoo Hartplastik, aber Schalter und Instrumente sind ebenso geschickt wie gut erreichbar arrangiert. Der Armaturenträger ist dem S-Max entlehnt, das Lenkrad dem Fiesta. An Ablagen in Türen, Mittelkonsole und Himmel ist kein Mangel, an Kopffreiheit sowieso nicht. Dank des durchlaufenden Fensterbandes nach hinten ist die Rundumsicht prima.

Den Connect gibt es in einer langen und in einer gekappten Version mit 20 Zentimeter kürzerem Radstand. Entsprechend verfügt das Mobil über Sitzplätze für bis zu fünf oder bis zu acht Personen (dritte Sitzreihe gegen Aufpreis). Überrascht hat uns bei einer ersten Ausfahrt, wie komfortabel sich das Fahrwerk anfühlt. Angesichts einer Starrachse mit Einzel- (kurze Version) oder Mehrfachblattfedern (lange Version) hatten wir mit weitaus Schlimmerem gerechnet. Weniger begeistert hat uns der kleinere der zwei verfügbaren Diesel. Der 1,8-Liter-Common-Rail mit seinen 90 PS hat Mühe, den Eineinhalb-Tonner auf Touren zu bringen. Die 110-PS-Variante mit gleichem Hubraum macht seine Sache besser. Vor allem ermöglicht es das höhere Drehmoment von 250 Newtonmetern, niedertouriger zu fahren. So erklärt sich, warum der schwächere Selbstzünder mit 6,4 fast einen halben Liter mehr verbraucht als der stärkere. Kombiniert werden beide Motoren mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe.

Die wahre Stunde des Connect schlägt beim Thema Nutzwert. Schon die obligatorische Schiebetür auf der Beifahrerseite ist im Alltag einer Familie Gold wert. Aber die zweite, die ab Ausstattungslinie Trend mitgeliefert wird, nimmt Möbelhaus und Badesee den Schrecken. Wer öfter dickes Gepäck zu verstauen hat, profitiert von der XL-Version des Tourneo nicht nur wegen der längeren Ladefläche: Das Dach liegt 15 Zentimeter höher, zudem erleichtert statt der einfachen Klappe eine zweiflügelige Hecktür das Beladen. Die Bank in der zweiten Reihe ist in allen Versionen teilbar - schön, dass sich die Elemente umklappen lassen, ohne die Kopfstützen zu entfernen.

Wenn Ford für seinen aufgefrischten Fronttriebler Preise zwischen 18 000 und 21 000 Euro aufruft, eröffnet das allen eine Chance, die Franzosen nicht mögen und denen die Deutschen wie der Caddy zu teuer sind. Wer es oft und auf langen Strecken eilig hat, sollte sich eher bei der Konkurrenz umsehen: Ab Tempo 100 verhagelt einem die Geräuschkulisse den Fahrspaß – als solle man nicht vergessen, wo die Wurzeln dieses Autos liegen.


WAS ER KOSTET

Der Tourneo Connect ist ab 18 100 Euro zu haben – mit einer Ausstattung, die dem Begriff Basis trotz CD-Radio und verstellbarem Lenkrad gerecht wird. Mehr Luxus mit Klima, zweiter Schiebetür und elektrischen Außenspiegeln offeriert die Linie Trend (ab 19 500 Euro). Richtig schön ist der Ableger Limited, den es ab 21 100 Euro allerdings nur als Kurzversion gibt: An Bord sind dann unter anderem Bordcomputer, Lederlenkrad, Park- und Regensensoren und ein 12-Volt-Anschluss im Fond. eric

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