Toyota Avensis Diesel im Test : Kombi-Ansatz auf japanisch

Die automobile Mittelklasse ist in Deutschland schwieriges Terrain für Importeure. Volkswagen, Audi, BMW und Mercedes haben das Segment fest im Griff. Der Toyota Avensis hat sich aber bisher ganz gut behauptet. Und das fast untypisch für einen Japaner ganz ohne Hybrid. Wir haben mal im Alltag überprüft, warum das so ist.

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Der Toyota Avensis Kombi hält in der Mittelklasse die Fahne Japans hoch. Immerhin rund 6,8 Prozent Marktanteil ist für ein Importmodell schon ein stolzer Wert.
Der Toyota Avensis Kombi hält in der Mittelklasse die Fahne Japans hoch. Immerhin rund 6,8 Prozent Marktanteil ist für ein...Foto: Markus Mechnich

In der Mittelklasse ist Deutschland einig Kombiland. Und es dieselt gewaltig. Drei von vier zugelassenen Fahrzeugen sind Kombis (77 Prozent) und fast ebenso hoch (70 Prozent) ist der Anteil der Selbstzünder. Wer hier ein erfolgreiches Modell platzieren möchte muss also auf jeden Fall ein Langheck mit Dieselantrieb im Angebot haben. Sonst bleibt der Absatz wohl eher mau.

Das sind allerdings zwei Disziplinen, für die Toyota nicht ungedingt bekannt sind. Dem Trend zum Kombi haben sich die Japaner eher widerwillig verschrieben. Noch in der vorletzten Generation mit der internen Nummer T22, die bis 2003 auf dem Markt war, hat man einen Kombi aus dem Nischenmodell für den japanischen Markt, dem Toyota Caldina, abgeleitet. Erst mit der aktuellen Baureihe wurde dem in Südfrankreich entwickelten und in England sowie Polen gebauten Modell auch ein eigenständiger Kombi gegönnt.

Ähnlich sieht es bei den Dieselantrieben aus. Erst mit der aktuellen Produktionslinie mit der internen Bezeichnung T27 gibt es mehr als einen Selbstzünder zur Auswahl. 2008 lag der Anteil gerade mal leicht über 20 Prozent und die neue Generation hat es nach dem Facelift zu Beginn des letzten Jahres auf knapp über 30 Prozent geschafft. Da verwundert es wenig, dass der Marktanteil bei rund zwei Prozent verharrt. Zurecht? Tagesspiegel.de hat mal genauer hingeschaut.

Draufschauen:

Ein Toyota Avensis hat bisher in der Regel mehr mit der ausgesprochen positiven Pannenstatistik, denn mit optischen Reizen überzeugt. Das wollten die Designer schon mit der aktuellen Generation ändern und mit der Überarbeitung zu Beginn des vergangenen Jahres nochmals unterstreichen. Herausgekommen ist ein durchaus hübsches Äußeres, das mit breiten Schultern auf der Straße steht und mit abfallender Dachlinie und flotter Abrisskante auch sportlich orientierten Kunden gefallen will.

Prunk und Glamour in Motor City
Immer wieder im Januar trifft sich die Autobranche zu der wichtigsten Motor Show auf dem amerikanischen Kontinent in Detroit. Motor City, wie die Metropole zwischen dem Lake St. Clair und dem Eriesee genannt wird, steht als Stadt immer noch stellvertretend für die us-amerikanische Automobilindustrie.Weitere Bilder anzeigen
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15.01.2013 17:10Immer wieder im Januar trifft sich die Autobranche zu der wichtigsten Motor Show auf dem amerikanischen Kontinent in Detroit....

Zweifellos hat der Avensis optisch gewonnen, weil die Designer endlich auch wirklich für den europäischen Geschmack entwerfen durften. An der stark überarbeiteten Fahrzeugfront sind die japanischen Gene durchaus noch zu erkennen. Aber das muss ja auch nicht unbedingt verkehrt sein. Vor einem Volkswagen Passat muss sich der Japaner jetzt jedenfalls nicht mehr verstecken. Dennoch ist er auch kein Mainstream-Auto geworden. Der Toyota Avensis ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, weiß aber doch zu gefallen.

Reinschauen:

Toyota hat sich beim Facelift vor allem dem Innenraum gewidmet und versuchte die Wertigkeit dort zu erhöhen. Das ist aber nur bedingt gelungen. Zwar wirkt das Interieur durchaus stimmig und zeigt sich gut verarbeitet. Aber die Aluminium-Simulation in Hartplastik rund um das Display des Navigationssystems kann nicht ganz so begeistern. Gleiches gilt für den Aufsatz auf dem Lenkrad und rund um den Schaltheben auf dem Mitteltunnel.

Im Heck spielt der Toyota Avensis seine Stärken aus. Der Kofferraum mit den beidseitigen Schienen ist sehr praktisch ausgelegt und der Ausschnitt für die Heckklappe ist breit und tief.
Im Heck spielt der Toyota Avensis seine Stärken aus. Der Kofferraum mit den beidseitigen Schienen ist sehr praktisch ausgelegt und...Foto: Markus Mechnich

Bei den Verkleidungen der Türen, auf dem Armaturenbrett und rund um das Cockpit wirkt die Materialauswahl überzeugender. Auch die Armlehne mit Leder, die die höchste Ausstattungslinie mitbringt, weiß zu gefallen. Zumal sie noch eine schöne Form mit guter Funktionalität in Sachen Becherhalter zu vereinen weiß. Es bleibt allerdings beim Becher, schon die Ein-Liter-Flasche wird während der Fahrt abgeworfen wie ein Reiter von einem Rodeo-Pferd, weil sie nicht passt. Auch sonst gibt es für ein japanisches Auto erstaunlich wenige Ablagen. Da sind wohl einige dem Design zum Opfer gefallen.

Die Bedienelemente sind alle logisch positioniert, gut erreichbar und erschließen sich schnell. Dass der Bedienstock für den Tempomat auf der rechten Seite und der Einstellknopf für die Außenspiegel links unter dem Cockpit sitzen wird schon nach wenigen Minuten normal. Warum allerdings die Taste für das Öffnen des Tankdeckels so versteckt ist, bleibt das Geheimnis von Toyota. Jedenfalls ist der Zughebel, dessen Sinn ohnehin mal dahingestellt bleibt, recht schwer zu finden.

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