Toyota : Ein Prius namens Auris

Nächste Woche startet Toyatas Hybrid für die Golf-Klasse: in der Anschaffung teuer, im Unterhalt günstig und unterwegs so lala.

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Der neue Prius auf im Motor's showroom in Tokio.
Der neue Prius auf im Motor's showroom in Tokio.Foto: AFP

Interessenten eines Auris Hybrid sollten besser nicht ins Handschuhfach schauen. Sonst bekommen sie einen Schreck: In der kiloschweren Mappe stecken unter anderem ein 253 Seiten dickes Bedienhandbuch für das DVD-Navigationssystem und eine Bedienungsanleitung für das Auto mit sage und schreibe 552 Seiten!

Nein, so kompliziert, wie es Toyota einem machen will, ist der erste Vollhybrid in der Golf-Klasse nicht. Reinsetzen und losfahren, das funktioniert auch beim Auris nach kurzer Eingewöhnung. Und vom komplizierten elektronisch gesteuerten Zusammenspiel der beiden Motoren spürt der Fahrer nichts: Der 1,8-Liter-Benziner mit 99 PS und der 82 PS starke Elektromotor teilen sich die Arbeit nämlich so auf, dass der Hybrid unterm Strich möglichst wenig verbraucht. Die sogenannte Systemleistung beider Maschinen beträgt 136 PS. Der Verbrennungsmotor lädt „nebenbei“ das Nickel-Metallhydrid-Batteriepack auf, das den Elektromotor mit Strom versorgt. Beim Anfahren unterstützt der E-Motor den Benziner. Und beim Bremsen lädt ein spezielles Bremsenergie-Rückgewinnungssystem die Batterie.

Wenn man so will, ist der Auris Hybrid ein Elektroauto. Das heißt: Sollte die Batterie defekt sein, fährt der Auris keinen Meter. Doch Toyota besänftigt ängstliche Gemüter mit fünf Jahren Garantie, die bis zur Marke von 100 000 Kilometern gilt. Und danach? Da zahlt der Kunde dann selbst. 1833 Euro kostet der Ersatz. Unser Vorschlag: Man kann ja immer ein paar der Euros zurücklegen, die man beim Tanken, beim Unterhalt und bei der Kfz-Steuer spart. Die ist mit 36 Euro nämlich rekordverdächtig niedrig.

Technisch ist der optisch eher brave Auris – profan gesagt – ein anders eingekleideter Prius. Der kam schon vor 13 Jahren auf den Markt. Ein Auto nicht für jedermanns Geschmack und auch nicht gerade billig. Aber, anders als von vielen herbeigeredet, ungemein zuverlässig. Nur 1,8 Prozent der gesamten Garantiekosten entfielen bislang auf die Hybridkomponenten. Auris-Fahrer müssen also keine Furcht haben, ein technisch überzüchtetes Gerät zu fahren. Besser noch: Systembedingt fallen bei einem Auto dieser Art viele Verschleißteile eines konventionellen Benziners weg, die gewartet werden müssen: keine Kupplung, kein Anlasser, keine Lichtmaschine und keine Riementriebe für Nebenaggregate. So wiegt der Auris Hybrid 25 Kilogramm weniger als sein Bruder mit 2,0-Liter-Diesel.

Aber sie müssen zumindest zwei offensichtliche Nachteile in Kauf nehmen: Zum einen den kleinen und auch noch zerklüfteten Kofferraum, denn das Nickel-Metallhydrid-Batteriepack nimmt viel Platz in Anspruch. Nach der Testfahrt beim Händler also unbedingt mal die Heckklappe öffnen! Und zum anderen darf der Auris Hybrid keinen Hänger ziehen.

Zurück ins Cockpit, denn dort spielt die Musik. Es gibt drei Fahrprogramme. Rein elektrisch kann man bis zu zwei Kilometer mit maximal Tempo 50 fahren. Dann gibt es noch Eco und Power. Bei Eco fährt der Auris an wie schaumgebremst; bei Power geht es spürbar flotter voran. Aber auch lauter, denn bei mutigem Gasfuß schreit der Benziner auf und das stufenlose Getriebe zeigt sich wie beim Prius von seiner schlechten Seite: Es nervt mit einem Gummibandeffekt, weil es dauert, bis akustischer Eindruck und tatsächlicher Tempozuwachs annähernd im Einklang stehen. Wer Auris fahren will, darf keine sportlichen Ambitionen haben. Bei Tempo 180 regelt die Elektronik ohnehin ab; der unübersichtlich eng skalierte Tacho reicht jedoch albernerweise bis 240.

Und wie steht es um den Verbrauch? Nur bei extremer Schleichfahrt wird er in die Nähe der von Toyota versprochenen 3,8 Liter Spritkonsum kommen. Auf unserer gemütlichen Testfahrt rund um Duisburg waren es realistische 4,9 Liter. Damit befriedigt der erste Vollhybrid durchaus das grüne Gewissen. In der ACE-Liste der umweltfreundlichsten Autos steht der Auris sogar an erster Stelle – gemeinsam mit seinem größeren Bruder Prius.

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