Toyota Prius mit Plugin-Hybrid : Stecker rein, Konto leer

Der Prius zum Nachladen ist eine gute Idee. Nicht nur laden beim Fahren sondern auch beim Parken. Aber 10.000 Euro mehr für 23 rein elektrisch gefahrene Kilometer sind zuviel.

von
Wirklich hübsch war ein Prius noch nie. Das hat sich auch mit der Plug-in-Version nicht geändert.
Wirklich hübsch war ein Prius noch nie. Das hat sich auch mit der Plug-in-Version nicht geändert.Foto: Hersteller

47.642 Pkw mit Hybridantrieb listete das Kraftfahrt-Bundesamt Ende 2011 auf. Zehn Jahre zuvor war das erste Hybridauto auf deutschen Straßen aufgetaucht – der Toyota Prius. Er hatte neben dem üblichen Verbrenner auch einen Elektromotor und eine größere Nickel-Metall-Hydrid-Batterie an Bord, mit der er zwei Kilometer rein elektrisch fahren konnte. Vor sechs Jahren startete die zweite Generation. 2009 folgte die dritte, mit 136 statt 113 PS Systemleistung und dennoch 20 Kilogramm leichterer Antriebseinheit sowie einem Normverbrauch von nur noch 3,9 Litern Super auf 100 Kilometer.

Im September 2011 zeigten die Japaner auf der Frankfurter Automesse als jüngsten Spross der Prius-Familie – den Plug-in-Hybrid. Als der im Scheinwerferlicht glänzte, waren 600 Prototypen bereits zwei Jahre lang auf Testfahrten unterwegs: 200 in 18 europäischen Ländern und 20 in Deutschland. Ziel dieses Feldversuchs, der jetzt nach drei Jahren seinen Abschluss findet, war eine ausgedehnte Prüfung der Alltagstauglichkeit. Alles soll passen, wenn der neue Steckdosen-Hybrid im Juli dieses Jahres auf den Markt kommt.

Serienauto mit viel Reife

Nun liegen die Ergebnisse der langwierigen Operation vor: Das Serienauto kann 25 Kilometer rein elektrisch fahren, beim Prototypen waren es nur 20 Kilometer – jeweils bis maximal Tempo 100. Das reiche, meint Toyota, denn laut Bundesamt für Straßenwesen seien rund 75 Prozent der täglichen Fahrten ohnehin kürzer als 25 Kilometer. Das Serienauto wiegt mit 1420 kg immerhin 110 Kilogramm weniger als der Prototyp.

Jetzt auch mit Anschluss: Der Prius kann mit Aufladung seinen elektrischen Wirkungskreis erheblich erweitern.
Jetzt auch mit Anschluss: Der Prius kann mit Aufladung seinen elektrischen Wirkungskreis erheblich erweitern.Foto: Hersteller

Statt der bisherigen dreiteiligen Lithium-Ionen-Batterie mit einem Gewicht von 160 kg, bei der nur zwei Batteriepacks extern geladen werden konnten, tut es nun eine einteilige. Sie wiegt nur noch die Hälfte. Bei ihr kann im gesamten Block mehr Energie durch die Bremskraftrückgewinnung als bisher gespeichert werden. Weil dieser Speicher kleiner ist, steigt das Kofferraumvolumen von 403 auf 446 Liter.

Ordentliche Verbrauchswerte

Den Normverbrauch gibt Toyota nach der offiziellen ECE-Verbrauchsformel mit 2,1 Liter Super auf 100 Kilometer an – ein rechnerisches Konstrukt. Die Gesamtreichweite beträgt rund 1000 Kilometer. Im Feldtest ergab sich ein nach der komplizierten ECE-Methode errechneter Minimalverbrauch von 0,4 Liter Super pro 100 Kilometer bei 94 Prozent elektrischem Stadtbetrieb und 3,4 Ladezyklen am Tag. Der andere Wert lautete 2,4 Liter Super pro 100 Kilometer bei nur einem Ladezyklus pro Tag und insgesamt 44 Prozent elektrischem Fahrtanteil. Im Mischbetrieb mit ausgedehnten Überlandfahrten ergab sich ein Praxisverbrauch von 4,8 Liter; gut 15 Prozent weniger als beim normalen Hybrid.

Das Laden wurde vereinfacht. Der Anschluss, früher an der Front, ist nach rechts hinten gerückt, wo sonst der Tankstutzen sitzt. Zugleich gibt es dort nun eine Beleuchtung sowie eine Ladeanzeige. Gleichzeitig wurde das Ladekabel 430 Gramm leichter, und im Winter ist es nicht mehr so starr. Einige Probleme konnten jedoch nicht gelöst werden. Bei sibirischer Kälte wie Anfang Februar 2012 ziehen die Minusgrade gleich mal 20 Kilometer aus dem Stand aus der Batterie. Und eine im Hochsommer schuftende Klimaanlage verringert die Reichweite um zwei Kilometer. Beim bis zu 90-minütigen Aufladen des Stromspeichers an der Haushaltsteckdose – das dürfte weithin unbekannt sein – kommt es zu Verlusten.

1000 Euro pro kWh

Man lädt 3,4 kWh aus dem Netz; es stehen davon jedoch lediglich 2,6 kWh für das Fahren zur Verfügung, weil die Elektronik nur rund 60 Prozent der Batteriekapazität des 4,4 kWh starken Lithium-Ionen-Batteriepakets (56 Zellen zu je 3,7 Volt) nutzt. Ergo zahlt man mehr Strom, als man tatsächlich verfährt. Was würde denn ein Ersatz dieses aufwendigen extra luftgekühlten Stromspeichers beim Plug-in Prius kosten, auf den Toyota fünf Jahre Garantie gibt? Da hält man sich bedeckt. Die Faustformel, so ein Sprecher etwas gequält, laute 1000 Euro pro kWh.

Noch eine Sache, die in der Öffentlichkeit selten angesprochen wird: Woher kommt der Strom? Elektrisch fährt man ja nur lokal emissionsfrei. Richtig sauber ist lediglich jener unterwegs, der einen Solar-Carport neben seinem Haus besitzt. Dessen produzierter Strom von jährlich 2000 kWh reicht für 11.000 elektrische Kilometer. Allerdings kostet der Solar-Carport gut 8000 Euro extra. Was der neue Plug-in Hybrid kosten wird, will Toyota auch noch nicht verraten. Nur so viel sickerte durch: zwischen 36.000 und 37.000 Euro. Für den normalen Hybrid der dritten Generation, der maximal zwei Kilometer rein elektrisch fahren kann, verlangen die Japaner rund 26.000 Euro. Mit anderen Worten: Für die zusätzlichen 23 elektrischen Kilometer zahlt der Käufer einen Aufschlag von rund 10.000 Euro.

Angebot wird ausgebaut

Wenigstens scheint auch die neue Technik laut fast abgeschlossenem Feldversuch so zuverlässig zu sein wie die bekannte. Erst unlängst hat ja eine große deutsche Automobil-Fachzeitschrift nach einen 100 000-Kilometer-Dauertest festgestellt: Toyotas aktueller Prius ist nahezu unkaputtbar. Das sehen offenbar auch die kritischen Berliner Taxifahrer so; immerhin 140 Prius-Taxen fahren derzeit auf Berliner Straßen. Doch möglicherweise dürfte den Droschkenlenkern der neue Steckdosen-Hybrid – trotz seiner deutlichen Verbrauchsvorteile in der Stadt – zu teuer sein. Und vor allem zu umständlich beim Laden sein. Da trifft es sich gut, dass der „alte“ Prius weiter verkauft wird.

Das Planetengetriebe des Prius wird über einen joystick-ähnlichen Hebel auf der Mittelkonsole geschaltet.
Das Planetengetriebe des Prius wird über einen joystick-ähnlichen Hebel auf der Mittelkonsole geschaltet.Foto: Hersteller

Vielleicht greifen die Taxifahrer demnächst auch zum neuen Prius +, einem weiteren Neuling der Hybrid-Familie: Der erste Van mit zwei Motoren startet im Juni. Er ist 73 Zentimeter länger, fünf Zentimeter breiter sowie 1,5 Zentimeter höher als der Normal-Prius. Statt dessen bekannter Nickel-Metall-Hydrid-Batterie kommt hier eine zehn Kilogramm leichtere und kompaktere Lithium-Ionen-Batterie zum Einsatz, die nun unter der Mittelkonsole Platz findet. Das schafft Raum für sieben Sitze oder 500 Liter Kofferraumvolumen. Der Normverbrauch steigt um 0,4 auf 4,3 Liter. Preis? Noch unbekannt.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar