Toyota RAV4 Hybrid : Der Prius unter den SUV

Nach der jüngsten Überarbeitung gibt es den Toyota-SUV auch als Hybrid. Das hat zwar seinen Preis, gelungen ist der RAV4 aber allemal.

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Der RAV4 als Hybrid, zu erkennen am blauen Logo.
Der RAV4 als Hybrid, zu erkennen am blauen Logo.Foto: Toyota

Hybrid oder nicht Hybrid. Das ist nun die Frage auch beim RAV4. Denn den gibt es im Zuge der jüngsten Überarbeitung ab sofort auch mit zwei oder drei Motoren. Toyota besitzt ja in der Hybridtechnik einen großen Vorsprung. Und eine lange Erfahrung: Vor nunmehr schon 18 Jahren kam der erste Prius Hybrid auf den Markt. Seither hat Toyota davon weltweit 3,5 Millionen verkauft. In Berlin hat der Prius dem traditionellen Mercedes als Taxi schon längst den Rang abgelaufen. Kein Wunder, ist das japanische Zwei-Motoren-Auto nicht nur Spritsparer, sondern fast unkaputtbar! Davon können andere Hersteller nur träumen.

Und wie passt der Hybridantrieb zu einem großen SUV? Besser als gedacht. Zwar erhöht sich das Gewicht auf mehr als 1,6 Tonnen und das Kofferraumvolumen sinkt von 547 auf 501 Liter. Aber das war es schon. Die Vorteile überwiegen, auch dank eines Tricks: Statt der bekannten kleinen Prius-Maschine mit 1,8 Liter Hubraum und 99 PS besitzt der RAV4 den aus dem Lexus NX 300h bekannten Benziner mit 2,5 Liter Hubraum und 155 PS. Die Systemleistung beträgt 197 PS.

Um den Hybridantrieb im RAV4 zu puschen, beschränken die Japaner das Dieselangebot auf nur noch ein Modell mit dem von BMW zugekauften Vierzylinder mit 143 PS und einem Normverbrauch von 4,7 Litern. Und den gibt es auch nur mit Frontantrieb und Handschaltung. Wer also Allrad oder Automatik möchte, muss sich für den Zweiliter-Benziner (152 PS, ab 27990 Euro) oder eben den Hybrid (ab 31990 Euro) entscheiden. Und damit die Entscheidung für den Hybrid ein bisschen leichter fällt, ist der Allrad-Automatik-Benziner stets mit einem gewöhnungsbedürftigen stufenlosen CVT-Automatikgetriebe gekoppelt, was letztlich mit mindestens 32290 Euro zu Buche schlägt.

Ein Sportler ist der RAV4 beileibe nicht

Der RAV4 ist übrigens Toyotas erster Hybrid in Deutschland, der als Allradler einen Anhänger mit bis zu 1,65 Tonnen Last ziehen darf. Dafür installieren die Japaner einen zusätzlichen Elektromotor mit 50 kW an der Hinterachse, der sich bei Bedarf elektronisch zuschaltet. Die Systemleistung erhöht sich allerdings nicht, weil der dritte Motor seine Energie direkt vom Hauptantrieb bezieht. Der Allrad-RAV4 ist kein permanentes vierradgetriebenes Auto. Der Allradaufschlag beträgt heftige 3000 Euro.

Und wie fährt sich der hybridisierte SUV? Einfach entspannt! Ist der Startknopf gedrückt, bleibt das Auto dennoch leise. Nur der grüne „Ready“-Schriftzug im Display signalisiert, dass man trotz der ungewohnten Stille losfahren darf. Weil die Übersetzungsänderungen im komplizierten Planetenradsystem stufenlos erfolgen, gibt es keine Schaltrucke. Dabei ist die Abstimmung im Vergleich zum Lexus NX300h spürbar besser geraten. Auch bei etwas forscherer Fahrt lässt die überarbeitete Steuerelektronik den Motor nicht zu hoch drehen – und dann etwas lauter werden. Wer den Kickdown fordert, spürt tatsächlich einen „Kick“, weil in diesem Fall die E-Maschine auf Volllast geht. Dann marschiert der Hybrid flinker, als es das Fahrgefühl vermuten lässt. Doch ein Sportler ist dieser RAV4 beileibe nicht. Und das ist auch gut so. Auf Dauer erzieht er seinen Fahrer zu gelassenem vorausschauendem Fahren ohne Stress. Das Fahrwerk spielt mit, das SUV erweist sich als angenehmer (Be-)Gleiter. Und dank komfortabel abgestimmtem Fahrwerk bewegt sich der Toyota auch sanft über holprige Straßen. Die Lenkung ist jedoch zu leichtgängig ausgelegt.

Im Innenraum ist der RAV4 schlicht gehalten.
Im Innenraum ist der RAV4 schlicht gehalten.Foto: Toyota

Bei der Überarbeitung hat Toyota den Geräuschpegel des konzeptbedingt bei Last hochtourig laufenden Atkinson-Motors hörbar gesenkt. So kann man noch bei Tempo 140 eine ruhige Unterhaltung mit dem Beifahrer führen. Das nervige Aufjaulen vernimmt man praktisch nur noch bei Vollgas und nicht mehr bei Überholvorgängen. Damit lässt sich gut leben.

Toyota hofft auf 60 Prozent Hybrid-Käufer

Auch Mitfahrern geht es im RAV4 gut, denn Platz ist genügend vorhanden. Kein Wunder angesichts einer Länge von 4,61 Metern, womit der RAV4 zu den größeren Vertretern seiner Klasse gehört. Sogar in der zweiten Reihe reist man auf längeren Touren recht angenehm. Das Gestühl geht in Ordnung, die Polster sind straff und dennoch bequem gepolstert.

Bei der Sicherheitsausstattung hat der RAV4 nun den Klassenstandard erreicht. Für vergleichsweise günstige 750 Euro gibt es ein empfehlenswertes Paket aus Spurhalte-Kontrolle mit teilaktiver Lenkung, Verkehrszeichen-Erkennung, adaptivem Tempomaten und Pre-Collision-System, das bei einem drohenden Auffahrunfall eine Notbremsung einleitet. Laut Toyota soll es auch Fußgänger erkennen können.

Beim Verbrauch gilt auch im RAV4 die alte Prius-Weisheit: Der Hybrid mag gelassen agierende Fahrer mit gefühlvollem Gasfuß. Bei Stadtgeschwindigkeit und bei Landstraßen ohne Steigungen lässt sich der Normverbrauch von 4,9 Liter Super auf 100 Kilometer sogar leicht unterbieten. Wer den RAV4 dagegen hektisch tritt, zahlt an der Tankstelle einen Aufschlag. Im Schnitt kommt man jedoch mit unter sechs Litern gut hin und ist damit ganz weit vorn.

Auf Dauer erzieht der RAV4 seinen Fahrer zu vorausschauendem Fahren ohne Stress.
Auf Dauer erzieht der RAV4 seinen Fahrer zu vorausschauendem Fahren ohne Stress.Foto: Toyota

Und wie steht es um die Preise des Prius im SUV-Gewand? Den ebenfalls überarbeiteten Diesel-RAV4 mit einem Verbrauch von 4,7 Litern gibt es zwar schon ab 27290 Euro. Doch der bietet weniger Ausstattung und nur ein Handschaltgetriebe. Wer also ohnehin Aluräder, LED-Scheinwerfer oder einen bequemen Tempomaten will und sich nicht zur Vielfahrer-Fraktion zählt, dürfte jetzt ins Grübeln kommen: Hybrid oder nicht Hybrid? Und er dürfte diese neue Frage mit einem klaren Ja für den mindestens 31990 Euro teuren RAV4 Hybrid beantworten. Der hat im Zuge der Überarbeitung das neue Toyota-Gesicht mit dem schmalen Grill und am Heck LED-Leuchten bekommen. Vorn ist das Logo der Nase blau – eben ein Hybrid!

Toyota hofft, dass gut 60 Prozent der Käufer sich für den Hybrid entscheiden. Am ersten Verkaufswochenende waren es gar 80 Prozent, viele davon fuhren zuvor ein Auto einer anderen Marke. Die Hybridisierung kommt auch bei den SUV in Gang an, und die Umwelt darf sich freuen. 

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