Auto : Traditionell Glücksache

Quadrifoglio Verde: Die Geschichte von Alfas Topversion begann 1923 und reicht bis zu einem bemerkenswerten Sondermodell.

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GESTERN waren Alfas Spitze. Unter anderem auf der legendären Targa Florio, einer zuerst 108, später nur noch 72 Kilometer langen Rennstrecke auf Sizilien. Sie eilten von Sieg zu Sieg; zehn waren es an der Zahl. Den ersten Gesamtsieg für Alfa Romeo fuhr Ugo Sivocci 1923 ein. Eigentlich wollte er gar nicht starten, denn der zutiefst abergläubige Süditaliener bekam die Startnummer 13 zugelost. Seine Mechaniker überzeugten ihn, indem sie einen Glücksbringer auf die Motorhaube pinselten – ein grünes vierblättriges Kleeblatt (Italienisch Quadrifoglio Verde). Sivocci siegte! Seitdem tragen die schnellsten und besten Alfa das Vierblättrige Kleeblatt. Mit der Zeit wurden aber die engen kurvenreichen Sträßchen ohne Auslauf zu gefährlich für die mittlerweile 500 PS starken Renner. 1977 wurde das letzte Rennen auf der Targa Florio gefahren. Doch die zivilen Alfa Romeo mit dem Vierblättrigen Kleeblatt auf dem Kotflügel blieben Kult und waren begehrt. Bis sie schlechter wurden – und das auch die Amerikaner merkten. Weil die Qualität nicht mehr stimmte, gingen die Umsätze zurück. 1995 zogen sich die Italiener schließlich vom US-Markt zurück. Aus der große Traum.

HEUTE sieht es trotz Glückskleeblatt nicht rosig aus. Da drückt die Staatsschuldenkrise der Italiener auf die Verkaufszahlen. Bisher minus 27 Prozent für Alfa Romeo in diesem Jahr. Und die eher durchschnittliche Qualität frisst die Meriten der großen Vergangenheit Stück für Stück auf. Alfa geht es ein bisschen wie der legendären Targa Florio. Die kann heutzutage stellenweise nur im Schritttempo befahren werden, weil sonst die Autos in den halbmetertiefen Löchern verenden würden. Im nächsten Jahr feiert die Targa ihren 90. Geburtstag. Alfa hat sich vorab ein besonderes Geschenk einfallen lassen: Die Alfa Romeo Giulietta 1.8 Tbi Quadrifoglio Verde, mit 235 PS das stärkste Auto dieser Reihe mit dem berühmten Kleeblatt auf dem Kotflügel, wird noch bis 30. September mit einem offiziellen Rabatt von 4600 Euro angeboten. Damit kostet das nahezu komplett ausgestattete und rundum edel wirkende Auto 24 950 Euro. Dabei ist diese Giulietta QV eigentlich ganz gut. Der drehmomentstarke Direkteinspritzer-Turbo (340 Newtonmeter schon bei 1900 Touren) kommt schnell zur Sache, wenn der DNA-Schalter auf Dynamic steht. Dieses serienmäßige Fahrmodi-Programm funktioniert so ähnlich wie das von Audi; damit lassen sich die Parameter von Motor, Lenkung, Sperrdifferenzial und ESP verändern. In GTI-Manier durcheilt man so mit diesem Fronttriebler die Kurven der Targa Florio und bremst rechtzeitig vor den tiefen Löchern das Tempo runter. Aus Vorsicht um das 15 Millimeter tiefer gelegte Auto. Macht schon Spaß, aber ein – Entschuldigung Ihr Alfisti – VW Golf GTI kann das eben noch den entscheidenden Tick besser.

MORGEN soll aber alles bei Alfa Romeo besser werden. Nicht zuletzt dank der amerikanischen Tochter Chrysler, wo sich die Alfa-Mutter Fiat 2009 eingekauft hat und die jetzt mit ihrem Gewinn für schwarze Zahlen bei den Italienern sorgt. Die andere Fiat-Tochter Alfa Romeo wärmt noch immer die Herzen. Wer erinnert sich nicht noch heute an die berühmte Szene, in der Dustin Hoffman mit der geraubten Braut im Alfa Spider 1967 in dem Hollywood-Film „Die Reifeprüfung“ davon braust?

2014 sollen wieder Alfas über amerikanische Highways brausen und in den USA die Herzen der Amerikaner wärmen. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat dieser Tage in Las Vegas verkündet, dass in zwei Jahren Alfa Romeo mit zwei brandneuen Modellen auf den US-Markt zurückkehren werde, mit dem Coupé 4C und der Limousine Guilia. Bei denen soll die Qualität endlich rundum stimmen, damit der Einstieg in den weltgrößten Automarkt nicht noch einmal verschoben werden muss. Die Hoffnung stirbt halt zuletzt. Rainer Ruthe

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