Traditionsmarke : Aston Martin V8: Ein British Beast

Der Aston Martin V8 Vantage ist nicht ganz perfekt. Man kann auch sagen: Er hat Charakter.

Kai Kolwitz

Mann, ist der schön – das war so ungefähr der erste Gedanke, als der Wagen endlich da war. Denn der ist einer von denen, über die man einfach nicht sachlich und nüchtern schreiben kann. Allein schon deshalb, weil in einer sachlichen und nüchternen Welt kein Platz für ihn wäre. Das ist also der Aston Martin V8 Vantage. Eine Art Testosteron-Version der klassischen Sportwagenform – lange Haube, kurzes Heck, alles fließt, diesmal nur eben: flacher, kürzer und vor allem breiter. Und dieser Motorsound: Wenn ab 4000 Touren die Bypassventile im Auspuff aufmachen und den Staudruck mindern, fängt der Achtzylinder an zu brüllen. Laut. Infernalisch. Sinfonisch. Mehr. Mehr. Mehr.

Für die Briten ist Aston in etwa das, was Porsche für die Deutschen ist – die heimische Sportwagenikone. Allerdings ist die Inselversion ungleich exklusiver: Nur ein paar 1000 Stück werden pro Jahr produziert (was ein Fortschritt ist, nachdem man in den Neunzigern schon einmal bei 42 stand), in reiner Handarbeit. Der Vantage ist mit einem Basispreis von gut 110 000 Euro als Einstiegsmodell konzipiert und spielt ziemlich eindeutig in der Liga des Porsche 911 – auch wenn man bei Aston den Vergleich mit der deutschen Massenware nicht gern hört.

Denn in der Tat wirkt der Zuffenhausener fast schon wie von der Stange, verglichen mit der britischen Handarbeit: Inseltypisch ein Meer aus handgenähtem Leder im Innenraum, versetzt mit allerlei Alu-Applikationen und Instrumenten, die mit ihrer spiegelnden Hinter-Glas-Optik so schön sind, dass man über so etwas Schnödes wie Ablesbarkeit gar nicht mehr nachdenkt. Dass vor dem Starten die Begriffe „Power, Beauty, Soul“ im Display aufleuchten – interessant. Und der Aston erwartet, dass man sich auf ihn einstellt: Das merkt man schon, wenn man versucht, die Handbremse zu lösen, die sich nicht nur zwischen Schweller und Fahrersitz versteckt, sondern zum Lösen auch ganz nach oben gezogen sein will.

Na gut, der Wagen ist Chef. Und nach dem Losfahren merkt man: Er ist ein Men’s Car. Die Kupplung will mit Kraft getreten sein, auch die Lenkung braucht bei niedrigen Geschwindigkeiten einen starken Arm. Wer mit dem Vantage jeden Tag im Stopp and Go durch den Berufsverkehr schleicht, wird das hassen lernen, spart aber gleich das Abo für das Fitnessstudio. Übrigens wäre es keine Alternative, sich die Pein durch die Wahl einer Automatikversion zu ersparen. Denn erstens verwässert die den Charakter des Wagens, zweitens schaltet sie zu langsam und drittens nervt sie mit ausgesprochen unkultivierten Rucken bei Gangwechseln – zumindest noch so lange, bis die angekündigte Überarbeitung vollzogen ist.

Und irgendwie gehört es auch zum Charakter dieses Wagens, mit einem Schaltknüppel zu arbeiten. Das merkt man spätestens dann, wenn man die verstopfte Avus endlich hinter sich hat und es in Brandenburg in den Alleen richtig fliegen lassen kann: Bremspunkt suchen, hart in die Eisen, rechte Hand vom Lenkrad, runter in den zweiten, einlenken, voll aufs Gas und ab dafür. Der Wagen ist mit der guten Balance und dem kurzen Radstand ein Kurvenräuber vor dem Herrn, jeder Überholvorgang ist ein neues Grinsen, jedes Einlenken ein neues Abenteuer. Der Motor dankt einem das mit schlagartig einsetzendem Schreien, die Beschleunigung ist so eindeutig nicht linear, dass noch eine Portion Gänsehaut extra aufgelegt wird, der Ritt dabei so sportwagenmäßig hart und direkt, dass man nie wieder aufhören möchte.

Es gibt Autos, mit denen man als Fahrer richtiggehend verwächst. Der Aston ist eins davon. In der offenen Version kommen dann noch Sonne und Wind im Haar dazu – der V8 Vantage wird dann zur perfekten Therapie gegen miese Tage im Büro: Ein paar Stunden raus an die Luft und auf die Straße – und wird es schon wieder gehen.

Ach ja, um es gesagt zu haben: Als Cabrio ist der Aston Martin noch einmal 11 000 Euro teurer, null auf 100 schafft er in fünf Sekunden, Schluss ist bei 280 km/h. Es mag also sogar sein, dass man mit Stoppuhr und Messgeräten herausfinden würde, dass andere Sportwagen manches noch besser können. Aber das ist egal. Auch, dass der Zündschlüssel aussieht wie bei einem Mondeo. Und dass andere sparsamer sind: 15 Liter (358 g CO2/km) schluckt der Aston nach EU-Zyklus, wer ihn artgerecht fährt, wird wohl eher an der 20 kratzen.

Was wirklich zählt, ist zum Beispiel, dass zwei Sechsjährige ihre Augen überhaupt nicht mehr von dem offenen Aston wegbekommen, so lange, bis ihre Mutter sie ins Familienauto wuchtet. Was zählt, ist, dass der Wagen im Stand schon schneller ist als andere auf der Autobahn. Natürlich, im Alltag kann man auch Diesel oder besser noch Fahrrad fahren. Aber der Aston Martin V8 Vantage wäre dann das Zuckerli für gutes Betragen.

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