Auto : Träum weiter

Schon der geschlossene SLS ist eine Show – jetzt gibt es ihn auch in einer offenen Version

Es gibt Momente, in denen selbst ein nüchtern rechnender Vertriebsvorstand nicht gegen das Schwärmen ankommt. Für Joachim Schmidt von Mercedes-Benz ist es der James-Bond-Schauer beim Anblick des SLS AMG Roadster: „Der ist geschüttelt und nicht gerührt.“ Dass der offene SLS naturgemäß auf die spektakuläre Klammer der Flügeltüren verzichten muss, bedeutet aber nicht, dass die Karosserie Torsion einbüßt und sich durch die Kurven windet und gar schüttelt. Dafür bürgen schließlich die Konstrukteure der hauseigenen Rennsportschmiede AMG mit ihrem guten Namen. Puristen der Supersportwagenklasse mögen ein Coupé bevorzugen, aber hier entgeht ihnen nicht nur die sinnliche Vielfalt des unendlich gewölbten Himmelsdaches, sondern speziell der Gänsehaut erzeugende Blubbersound des V8, der im Roadster erst recht sein volles akustisches Timbre entfaltet. Der SLS Roadster ist ein ungeniertes „Boy Toy“, das den Spieltrieb feiert.

Mit langer Motorhaube, kurzem Heck, tiefem Schwerpunkt und der geduckten Optik kommuniziert die Formensprache des flügeltürigen SLS unverkennbar die DNA eines Roadsters. Die Verwandlung vom Coupé mit Stoffdach zum offenen Fahrvergnügen vollzieht sich per Hebel in elf Sekunden, dann öffnet sich das Tor zu den Elementen in einer Choreographie aus Klappen und Verdeckabdeckung, die bündig zum Heck abschließen. In das eng anliegende dreilagige Dach ist zugleich ein Teil des Überrollsystems integriert. Da sich die Stoffhaube auch während der Fahrt bis Tempo 50 bewegen lässt, haben Wetterkapriolen kaum Aussichten, Verdruss zu erzeugen - erst recht nicht wegen der hohen Gürtellinie und dem gläsernen Windschott. Wer dennoch den Wind scheut, kann schließlich den Nackenwärmer Airscarf ordern.

Seine Schöpfer haben ihn „Performance-Cruiser“ getauft, was wohl heißen soll, dass der Boulevard ebenso das angestammte Terrain des offenen SLS ist wie anspruchsvolleres Geläuf. Vom gedrosselten Auftritt in der Stadt befreit, entfaltet der Roadster auf kurvenreichen, engen Bergstraßenerstaunliches Temperament. Mit 1660 Kilogramm gerade einmal 40 Kilo schwerer als die Flügeltürversion, auch dank der Leichtbauweise mit Alu-Spaceframe, bleiben die Leistungsdaten identisch. Der 6,2-Liter-Saugmotor entwickelt 420 kW/571 PS und treibt über ein automatisches Siebengang- Sportgetriebe mit vier Schaltprogrammen die Hinterräder an. Was sich so übersetzen lässt: Mit röhrendem Motor krallt er sich um Haarnadel-Kehren und schießt rassig hochschaltend ohne merkliche Zugkraftverzögerungauf die nächste kurze Gerade zu. Seine Spitzengeschwindigkeit von 317 km/h mag er woanders erreichen, die Kräfte, die ihn von 0 auf 100 in 3,8 Sekunden katapultieren, erlebt man hier hautnah. Der hochdrehende Athlet stemmt ein maximales Drehmoment von 650 Nm bei 4750 Touren, das in diesen Situationen wirkt, als könnte es scheinbar sofort abgerufen werden. Zur umfangreichen Serienausstattung zählt auch ein dreistufiges ESP, das zu forschen Vortrieb wieder einfängt.

Zur Premiere des SLS Roadster hat AMG allerdings noch eine Leistungsoption entwickelt, die dem Fahrspaß noch einmal emotionalen Mehrwert verleiht. Das AMG Ride Control-Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfernkontrolliert auf einer Skala zwischen Comfort und Sport Plus die vom Fahrer gewünschte Rückmeldung der Straße. Das Spezialfahrwerk wird demnächst auch für den flügeltürigen SLS erhältlich sein.

Im sachlich-sportlichen Interieur des Roadster hält AMG noch ein weiteres Extra parat, das eher spielerisch den Leistungswillen des neuen SLS-Familienmitgliedes ausdrückt. Wer zusätzlich 3500 Euro investiert und das AMG Performance Media-System ordert, erhält rennsportspezifische Daten auf dem zentralen Display. Man kann die Öltemperatur abrufen, G-Kräfte aus Quer- und Längsbeschleunigung anzeigen sowie Rundenzeiten mit Sektorzeiten ganz wie bei der Nordschleife stoppen lassen.

Im Vergleich zur Hochleistungskonkurrenz bleibt der SLS Roadster mit einem Basispreis von 195 160 Euro (10 000 Euro teurer als der Flügeltürer) durchaus im Wettbewerb. Anders als bei ihren legendären Vorfahren aus den fünfziger Jahren bedeutet die Einführung des offenen SLS aber nicht den Schwanengesang des Flügeltürers. Wer sich nicht beide in die Garage stellen mag, hat jetzt die Qual der Wahl. Das Kofferraumvolumen ist kein Argument, es sinkt bei geschlossener Haube gegenüber dem Coupé nur um drei auf 173 Liter. Aber bei der avisierten Klientel dürfte es in der Garage sowieso keine Platzprobleme für den neuen Stallgefährten geben.

Dann sollte es auch Raum für das nächste Mitglied der Familie geben: 2013 kommt der vollelektrische E-Cell SLS von AMG als Serienmodell. sppr

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