Trotz SUV-Boom sind Vans noch gefragt : Minivan auf Abstellgleis?

Trotz SUV-Boom: Klare Linien und innere Größe behalten ihr Stammpublikum. Das zeigen die überarbeiteten Brüder VW Sharan und Seat Alhambra.

Paul-Janosch Ersing
Extravagant: Mit Citroen C4 Grand Picasso haben die Franzosen einen größeren Minivan im Programm. Das Modell geht gut, ist beliebt bei Familien. Auch weil es ein nutzbarer Siebensitzer ist.
Extravagant: Mit Citroen C4 Grand Picasso haben die Franzosen einen größeren Minivan im Programm. Das Modell geht gut, ist beliebt...Foto: Hersteller

Alle reden über und viele kaufen einen Fahrzeugtyp, für den es nicht einmal ein deutsches Wort gibt: hochbeinige Kombis und Großraum-Pkw in Abenteuerkluft, mangels echter sprachlicher Alternativen als SUV bezeichnet (von Englisch „Sports Utility Vehicle“, wörtlich „Sport- und Nutzfahrzeug“) oder aber Crossover („Kreuzung“, „Überschneidung“) genannt. Darüber ist der gute alte Minivan etwas in den Schatten der Aufmerksamkeit geraten. Obwohl er fast all das bietet, was die Vorteile der weichgespülten Geländewagen ausmachen: hohe Sitzposition mit guter Übersicht über das Verkehrsgeschehen, reichlich wandelbaren Platz im Innern und auf Wunsch meist auch Allradantrieb.

Erfunden haben diesen speziellen Typus von Automobil Renault mit dem Espace im Jahre 1984 in Europa und Chrysler ein Jahr früher in den USA mit dem Voyager, dort auch als Town&Country verkauft. Raum durch Höhe hieß die Parole, und obwohl der Name Minivan anderes aussagt, fuhren sich die Autos nicht wie Transporter, sodass die deutsche Bezeichnung „Großraumlimousine“ ihre Berechtigung hatte.

Mit Lancia zieht FiatChrysler seinen letzten großen Van vom Markt

Der einstige Minivan Voyager, mit 4,47 Meter eher kompakt, hatte sich über die Jahre in ein 5,22 Meter langes Raumschiff verwandelt. Er wird in Deutschland derzeit in Restbeständen als Lancia verkauft, bekanntlich zieht sich die Marke bis Ende 2016 ganz vom hiesigen Markt zurück. In der FCA-Gruppe (Fiat Chrysler Automobiles) hält bis auf Weiteres der Fiat Freemont die Stellung, den es auf Wunsch mit Antrieb an allen vier Räder gibt. Auch er kommt über den Atlantik zu uns und wurde zunächst als Dodge Journey in Deutschland verkauft.

Der Renault Espace wurde erst in diesem Jahr vollständig neu auf den Markt gebracht. Der Klassiker unter den Minivans stand lange auf der Kippe.
Der Renault Espace wurde erst in diesem Jahr vollständig neu auf den Markt gebracht. Der Klassiker unter den Minivans stand lange...Foto: Hersteller

Minivan-Miterfinder Renault wiederum hat die fünfte Espace-Generation modisch aufgepeppt, den Motorraum abgesetzt und das Dach zwölf Zentimeter abgesenkt. Mit diesem Kniff der Tieferlegung hat Ford schon vor einem knappen Jahrzehnt seinem klassischen Minivan Galaxy ein etwas schickeres Modell zur Seite gestellt: Auf gleicher Plattform bietet der Ford S-Max zehn Zentimeter weniger Außenhöhe und messbar weniger Stauraum – sind alle Sitze in den Reihen 2 und 3 umgelegt, fasst der Galaxy einen halben Kubikmeter mehr bis unters Dach.

Minivans VW Sharan und Seat Alhambra kürzlich aufgefrischt

Die bewährten Tugenden hingegen pflegen die soeben überarbeiteten Brüder aus dem Volkswagen-Konzern, der VW Sharan und der Seat Alhambra. Beide verbergen ihre Kastenform geschickt hinter eleganten Linien, wobei die Seat-Designer womöglich das feinere Händchen hatten – alles Geschmacksache. Im Gegensatz zu den Möchtegern-Geländewagen verfügen beide über zwei seitliche Schiebetüren, was sich im immer knapper werdenden Parkraum der Innenstädte schnell als Plus herausstellt. Dass der baugleiche Alhambra im Durchschnitt um 2000 Euro billiger ist als ein vergleichbarer Sharan (beide werden im selben Werk in Portugal gebaut), hängt mit der Reputation der Marken zusammen: Für einen Volkswagen zahlt der Deutsche mehr.

Ein Chrysler Town&Country von 1991. Das Modell war der erste Minivan im Jahr 1984. Der Marktanteil der Minivans sinkt durch den SUV-Boom.
Ein Chrysler Town&Country von 1991. Das Modell war der erste Minivan im Jahr 1984. Der Marktanteil der Minivans sinkt durch den...Foto: Hersteller

Nicht vergessen sollte man den Citroën C4 Grand Picasso. Er ist mit 4,60 Meter kürzer als die Konkurrenz, auch in zweiter Generation zieht er mit origineller Karosserie die Blicke auf sich, vor allem von vorn – und er hat noch eine lange Zukunft vor sich. Dezenter kommt der 5008 von Schwestermarke Peugeot daher. Mit seinen klaren Linien bildet der ein geschmackliches Gegengewicht zum Grand Picasso und gefällt vor allem Menschen, die unaufdringliche bürgerliche Eleganz mögen. Sein Nachfolger wird gemeinsam mit der nächsten Generation des Opel Zafira im Peugeot-Stammwerk Sochaux vom Band laufen – vielleicht schon Ende nächsten Jahres.

Noch ein Auslaufmodell: der Mazda 5, mit seinen unverwechselbaren Flanken, die den Spuren des Windes im Sand nachempfunden sein sollen. Er verkauft sich ganz ordentlich, wird aber kein Nachfolgemodell bekommen. Der Mazda-Vertrieb setzt darauf, dass die Leute einen CX-5 kaufen – ein typisches Kreuzübermodell, im Trend unserer Zeit eben. Siehe oben.

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