Tschechischer Kleinwagen : Skoda Fabia Combi: Gerne groß

Endlich mal ein Auto, bei dem man nicht gleich „viel zu teuer“ schreien möchte: Der Skoda Fabia Combi.

Wolfgang Gomoll

Zugegeben, ein Womanizer mit Kultpotenzial ist der Skoda Fabia Combi nicht unbedingt. Ein Mini Clubman macht auf der Flaniermeile mehr her und wird immer die Wahl von lifestylebewussten Käufern sein. Immerhin kommt der tschechische Kleinwagen mit seinen Mandelaugen, dem verchromten Kühlergrill, der leicht abfallenden Dachlinie und dem leicht rundlichen Heck mit den schmalen Rückleuchten deutlich frischer daher als sein Vorgänger. Trotzdem ist beim Fabia Combi nüchterne Zweckmäßigkeit Programm – zu sehen seit wenigen Wochen beim Händler.

Das zeigen auch schon die Proportionen des 4,24 Meter langen und knapp 1,50 Meter hohen Gefährts. Denn der Fabia Combi hat sich gegenüber dem Vorgänger nur sieben Millimeter gestreckt, ist aber um ganze 46 Millimeter in die Höhe geschossen. Damit wirkt der Combi etwas stelzig und erinnert ein wenig an ein Nutzfahrzeug. Dass das nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt sich, sobald man es sich im Innenraum bequem gemacht hat. Eine angenehme Fahrer-Sitzposition ist schnell gefunden, und auch im Fond haben Passagiere ausreichend Platz – auch auf längeren Etappen. Die Kopffreiheit, die aus dem Höhen-Plus resultiert, steigert das Wohlfühlambiente nur noch. Allen, die so was als Selbstverständlichkeit abhaken, sei ins Gedächtnis gerufen, dass wir hier von einem Kleinwagen reden.

Das vergisst man schnell, wenn man die fast schon fürstlichen Platzverhältnisse im Kofferraum betrachtet. Der Abstand von den Rückbanklehnen und Heckklappe beträgt fast 96 Zentimeter. Daraus resultieren ein Ladevolumen von 480 bis sogar 1460 Litern und ein Zuladungsgewicht von 440 Kilogramm. Das ist eine Menge Holz, vor allem wenn man bedenkt, dass das T-Modell der C-Klasse von Mercedes mit einem maximalen Stauraum von 1500 Liter nur unwesentlich mehr Platz bietet. Der Klassenkonkurrent Peugeot 207 SW spielt mit 337 bis 1258 Litern schon eine Liga darunter. Der schmucke Mini Clubman drückt mit 260 bis 930 Litern Kofferraumvolumen nicht einmal mehr die Ersatzbank.

Konsequenz: Spätestens beim Möbelhändler fährt der Skoda-Fabia-Besitzer vollbepackt vom Parkplatz, während der Mini-Clubman-Fahrer vergeblich versucht seine Regale und sonstigen Utensilien im Heck zu verstauen, ehe er frustriert für gutes Geld einen Lieferservice ordert.

Doch auch beim Fabia Combi ist nicht alles Gold, was glänzt: Eine störende Kante behindert das Beladen des Kofferraums, und wenn man die Rückbanklehnen umlegt, bleibt eine kleine Stufe zurück. Allerdings bietet Skoda auch gegen Aufpreis keinen doppelten Boden an, der die Fläche ebnen würde. Dafür gibt es eine ganze Reihe nützlicher (oftmals aufpreispflichtiger) Accessoires, die das Transportieren leichter machen. Top ist sicher die Fahrradhalterung im Innenraum (180 Euro), mit der sich zwei Räder ohne Probleme verstauen lassen.

Ambivalent ist das Interieur. Die Verarbeitungsqualität ist Skoda-typisch sehr solide. Die Spaltmaße stimmen und auch auf schlechteren Straßen knarzt und klappert nichts. Die Armaturen sind übersichtlich. Der Fahrer hat alle wichtigen Informationen sofort im Blick. Allerdings setzt sich diese nüchterne Sachlichkeit auch in der Anmutung fort. Die Materialien wirken zwar keineswegs billig, sind aber auch keine wirklichen Handschmeichler.

Auf der Straße macht der Skoda eine gute Figur. Das Fahrwerk ist komfortabel, aber auch straff genug, um mit dem möglichen Zuladungsgewicht fertig zu werden. Mit dem 80-PS-Dieselmotor lässt er sich angenehm und locker über Landstraßen und Autobahnen bewegen. Auch mit dem 86-PS-Benziner mutiert man nicht zur rollenden Schikane. Bäume ausreißen lässt sich mit dieser Motorisierung allerdings nicht. Hier sind fleißiges Schalten und vorausschauendes Fahren angesagt. Wer es etwas flotter will, sollte schon zu den 105-PS-Varianten greifen. Dabei ist der Diesel die bessere Wahl, obwohl ihm ein Sechsganggetriebe, das für den Benziner zu haben ist, gut zu Gesicht stünde. Dagegen ist der 60-PS-Basisbenziner wirklich nur etwas für Transportpuristen mit hoher Leidensfähigkeit.

Das sind wir auch schon beim Thema. Der Fabia Combi sorgt mit einem Basispreis von nur 10 740 Euro für diese Motorisierung für einen echten Aha-Effekt. Allerdings ist die Ausstattung dieses Grundmodells schon ziemlich rudimentär. Selbst elektrische Fensterheber vorne fehlen. Will man einigermaßen komfortabel unterwegs sein, sollte man mindestens zur Ambiente-Version greifen. Die kostet schlappe 3 000 Euro mehr, hat immerhin besagte vordere elektrische Fensterheber, eine manuelle Klimaanlage sowie eine asymmetrisch teilbare Rückbank ohne Aufpreis dabei. Das Anti-Schleuder-Programm ESP ist erst ab der 80-PS-Motorisierung serienmäßig, sonst kostet es in allen Ausstattungsvarianten 300 Euro Aufpreis. Einen Dieselpartikelfilter gibt es ebenfalls erst ab dem 80-PS-Diesel-Motor. Dann belastet er allerdings das Budget mit 600 Euro. Trotz dieser langen Aufpreisliste ist der Skoda Fabia Combi angesichts der Variabilität und der guten Verarbeitung ein absolut faires Angebot.

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