Auto : Über die Flügel

Opels Meriva ist wegen der Türen ein ganz besonderes Auto – und damit haben wir eine ganz normale Autofahrerin losgeschickt

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Tanz aus der Reihe. Bei den gegenläufigen Türen des Meriva kommt man schon mal ins Stutzen. Die Idee: Für Erwachsene wird das Aussteigen in einer natürlichen Vorwärtsbewegung leichter, für kleine Kinder das Hereinkrabbeln. Mal ganz zu schweigen vom Putztrupp…
Tanz aus der Reihe. Bei den gegenläufigen Türen des Meriva kommt man schon mal ins Stutzen. Die Idee: Für Erwachsene wird das...

Wer in den Fond des neuen Opel Meriva einsteigt, kann für einen Moment träumen, Königin von England zu sein. Die Türen öffnen nämlich andersrum als gewohnt – die wohl einzige Gemeinsamkeit von Opels neuem Minivan mit den Luxusschlitten von Rolls-Royce und Bentley.

Das hat sich Opel mit Blick auf die Könige unseres Alltags einfallen lassen – die Kinder. Und ihre Mütter. Ihre schmerzenden Rücken. Ihre Angst, das Kind könnte ausbüxen und in den Verkehr laufen. Die Türen mögen gewöhnungsbedürftig sein, aber: Es funktioniert. Wer Kinder ins Auto setzen will und auf einer Seite des Wagens beide Türen öffnet, schafft quasi einen Schutzraum. Außerdem sind die Sitze schön hoch – kein Bücken, kein Rückenverdrehen. Die Türen öffnen weit und rasten in vier Stufen ein.

Gute Voraussetzungen schonmal für eine Testfahrt. Wie wäre das, wenn jetzt die Kinder dabeiwären?

Mehr als zwei darf man für dieses Auto nicht haben, denn drei Kindersitze passen nicht auf die Rückbank. Die Passagiere dürfen auch nicht allzu klein sein, denn wer zum Beispiel einen Kinderwagen mitschleppen muss, hat den Kofferraum allzu schnell voll. Zwei Fünfjährige hingegen, wie meine, das wäre ein Spaß. Man sitzt recht hoch, die Rundumsicht ist gut, ideal für Fahrzeitverkürzungsrituale wie Reimspiele und „Ich sehe was, was du nicht siehst“.

Im Innenraum haben die Opel-Designer auch nicht am Stauraum gespart: Mit 32 verschiedenen Ablagefächern hält er bestimmt den Rekord. Die Abschaffung der Handbremse in ihrer altbekannten Form tut ein übriges: Zwischen den Vordersitzen ist jetzt Platz für eine Konsole, die auf Schienen vor- und zurückbewegt werden kann. Sie lässt sich auch ausklinken und hinten zwischen die Sitze der Fondspassagiere einrasten – als Getränkehalter, Stauplatz oder Konfliktgrenze. Ein Teil mit dem Zeug zum Patent.

Funktional ist der Meriva also, und jetzt, in der neuen Generation, auch einigermaßen hübsch. Die Opel-Leute haben nämlich diesmal wirklich aufs Aussehen geachtet. Wenn frau ehrlich ist, bestach der Vorgänger ja eher durch Nicht-Design. Er war gradlinig und charmefrei. Anscheinend mochten das die Leute, denn er war ein Bestseller. Mehr als eine Million Mal verkaufte sich der Wagen in 25 Ländern, allein über 300 000 Mal in Deutschland. Er war Dauermarktführer im Segment der Minivans und bekam gute Noten in den Mängelstatistiken.

Der neue Meriva, der im Juli an den Start geht, sieht viel besser aus. Jetzt dominieren elegante Linien die Seiten, die Frontpartie wirkt durch weit außen angebrachte Scheinwerfer breit – wichtig beim Überholen, so sieht der Vordermann einen dicken Schlitten im Rückspiegel. Von hinten wirkt der Wagen dann allerdings eher kleinwagenhaft.

Und er hat tolle Sitze, auf denen auch lange Strecken gut zu überstehen sind. Die „Aktion Gesunder Rücken“ hat Opel dafür ausgezeichnet; allerdings kosten die Supersitze 500 Euro extra. Der Basispreis des ganzen Autos geht in Ordnung: ab 15 900 Euro ist der Neue zu haben.

Macht Not denn wirklich erfinderisch? Jedenfalls zünden die Ingenieure und Designer bei Opel – dem Unternehmen, dessen Ende sich ein Wirtschaftsminister kürzlich noch vorstellen konnte – gerade ein Feuerwerk der guten Ideen. Bald kommt der Ampera mit Elektro-Antrieb, dem die Sprit-Preise dann egal sind.

Und der Meriva? Na gut, ganz neu ist die Idee mit den Türen nicht. Schon zum Beispiel der Opel Kadett von 1936 hatte diesen Einstieg. Bis 1950 war das der Standard bei Autos, ganz früher bei Kutschen. Es ist also mehr eine Wiederentdeckung. Die avisierte Zielgruppe, neben Familien mit Kindern, sind aktive Ruheständler. Und auch hier passt das mit den Türen: Für alte Leute ist das Aussteigen so viel leichter. Es dürfte eine reine Gewöhnungssache sein.

Das Fahren macht im neuen Meriva jedefalls Spaß: Er zieht gut und bremst super. Nur für Verfolgungsjagden ist er nicht so geeignet: Wer nach der Handbremse angelt, greift ins Leere. Oder in die Gummibärchentüte in der Konsole.

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