Überarbeitete Mercedes A-Klasse : Auf Knopfdruck zum Softie

Was sich bewährt, sollte man nicht leichtfertig ändern. Nach diesem Prinzip hat Mercedes sein A-Klasse überarbeitet. Neben neuen Infotainment-Optionen hat man vor allem am einzigen großen Makel des Kompakten gearbeitet. Und das erfolgreich.

Mit der Mercedes A-Klasse überarbeitet Daimler seinen wichtigsten Umsatzträger in der Kompaktklasse. Das Modell kann in der ersten Generation auf fast 500 000 Verkäufe weltweit zurückblicken.
Mit der Mercedes A-Klasse überarbeitet Daimler seinen wichtigsten Umsatzträger in der Kompaktklasse. Das Modell kann in der ersten...Foto: Hersteller

Das gab es große Augen vor vier Jahren, als Mercedes die neue A-Klasse vorgestellt hat. Schluss mit Sandwich-Boden, kein Gedanke mehr an Elchtests oder Rentner-Benz. Vor den Augen der Presse stand ein Auto, das man den Stuttgartern zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zugetraut hätte. Sinnliche Kurven, satte Straßenlage und ein breiter Kühlergrill – das war schon mehr als eine Neuvorstellung, das war eine optische Revolution. Wird das der eher konservativen Käuferschaft von Mercedes denn behagen, wurde oft gefragt. Es hat wohl, denn die Verkaufszahlen für den Kompakten mit dem Stern haben sich blendend entwickelt. 463 000 Einheiten der Mercedes A-Klasse wurden weltweit seit dem Verkaufsstart 2012 an die Kunden ausgeliefert. Ein Riesenerfolg und mehr als jede Vorgänger-Generation. Vor allem aber wurde der Kundenstamm deutlich verjüngt und neue Käufer gewonnen. Laut Daimler sind 66 Prozent der Käufer zuvor andere Marken gefahren. Spätestens damit dürfte sich die Frage nach der Akzeptanz beantwortet haben.

Folgerichtig hat Mercedes an der Optik seines Kompakten relativ wenig verändert. Die Linien sitzen, die Kunden mögen es. Daher konnten sich die Stuttgarter auch neue, Millionen teure Werkzeuge sparen und haben die Karosserie so belassen. Neu gezeichnet wurden lediglich der vordere und hintere Stoßfänger. Hinzu kommt ein Diamant-Kühlergrill mit einer Lamelle. Auch im Innenraum wartet die überarbeitete Mercedes A-Klasse mit wenigen Überraschungen auf. Ein paar Zierleisten hier, ein paar neue Dekorelemente dort – die auffälligste Änderung sind die neu gestalteten Ziffernblätter der Rundinstrumente, die nun chromfarben gehalten sind. Wer ein paar Euro drauflegt, der bekommt ein großes, freistehendes Display mit einer Diagonalen von 20,3 Zentimeter (8 Zoll). Logisch, das ist jungen Kunden oft wichtiger als irgendwelche starken Motoren.

Über allem thront der Mercedes A 45 AMG

Und so wurde das Motorenprogramm auch eher nach unten abgerundet: Gänzlich neu auf der Benzinerseite ist der Reihenvierzylinder A160, der die Angebotspalette der Mercedes A-Klasse mit der Überarbeitung jetzt nach unten abrundet. Damit senkt sich der Einstiegspreis gegenüber dem Vorgänger um etwas mehr als 1000 auf 23 746 Euro. Diese Motorisierung ist zwar ausreichend für das knapp 1,4 Tonnen schwere Gefährt, vermittelt aber dennoch das latente Gefühl mit zu wenig Schwung unterwegs zu sein. Die 5,5 Liter Normverbrauch dürften daher kaum zu erreichen sein, sondern eher bei Werten zwischen sieben und acht Litern liegen. Die etwas stärkere BlueEfficiency Edition des A180 mit 122 PS liegt in der Norm noch mal 0,3 Liter darunter, kostet aber dann schon 25 412 Euro. Hinzu kommen auf Benzinerseite die bekannten Motorvarianten A200 mit 156 PS, der A 220 mit 184 und der A 250 mit 218 PS (211 PS als Allrad-Variante). Über allem thront natürlich der Mercedes A 45 AMG mit nun 381 PS, der den Titel als stärkster Serien-Kompakter vom Audi RS3 wieder zurückfordert (Siehe unten).

Das Interieur der Mercedes A-Klasse (im Foto ist die AMG-Variante zu sehen) wurde ebenfalls kaum verändert. Neu ist das große Display im Format 9,7 Zoll.
Das Interieur der Mercedes A-Klasse (im Foto ist die AMG-Variante zu sehen) wurde ebenfalls kaum verändert. Neu ist das große...Foto: Hersteller

Dieselseitig hat Mercedes ebenso eine Sparvariante eingeführt. Neben dem Einstiegsdiesel Mercedes A 160d mit seinen 90 PS (26 423 Euro) kommt nun ein Mercedes A 180d BlueEfficiency mit 109 PS, der nur 3,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Darüber gibt es bewährte Kost bis hin zum 177 PS starken Mercedes A 220d, der auf dem Papier auch nur 4,1 Liter konsumieren soll. Zumindest theoretisch.

Fahrwerk der Mercedes A-Klasse lässt sich abstimmen

Wenn die neue Mercedes A-Klasse einen Makel hatte, dann war es die übertriebene Sportlichkeit. Der flotten Optik entsprechend haben die Stuttgarter dem Kompaktwagen bisher ein Fahrwerk verpasst, das so manchem Kunden regelrecht aufgestoßen ist. Die Kritik hat man bei Daimler verstanden und die Abstimmung des Serienfahrwerks spürbar komfortabler gestaltet. Vor allem gibt es nun für fast alle Varianten das Dynamic-Select-System, das in der Mercedes C-Klasse seine Premiere feierte. Damit werden nicht nur die adaptiven Dämpfer abgestimmt. Auch Motor und Getriebe passen sich dem Fahrerwunsch nach Sport, Comfort, Eco oder Individual an. Und es ist sogar für viele Modellvarianten serienmäßig, sonst kostet es sparsame 95 Euro Aufpreis. Die Rauheit und das Stößige der alten A-Klasse hat sich damit vollends erledigt. Geschmeidig wie die Limousinen mit dem Stern nimmt der Kompakte nun holpriges Geläuf und meistert dennoch souverän auch schnell angegangene Kurven.

Während die äußere Gestalt der Mercedes A-Klasse nahezu unverändert blieb, hat Daimler das Angebot an Motoren ausgebaut.
Während die äußere Gestalt der Mercedes A-Klasse nahezu unverändert blieb, hat Daimler das Angebot an Motoren ausgebaut.Foto: Hersteller

Damit sich die verjüngte Käuferschaft auch mit ihren allgegenwärtigen Smartphones wohlfühlt, gibt es ab dem kommenden Jahr auch eine Anbindung von Apple Carplay und Googles Android Auto für die Mercedes A-Klasse. Damit wird die Bedienung zahlreicher Apps auf das Infotainment der A-Klasse übertragen. Perfiderweise gibt es diese Anbindungen aber nur mit dem funktionsreichen, aber teuren Comand Online für 3500 Euro. Die günstigste Möglichkeit für eine interne Navigation ist daher das integrierte Garmin-System für 595 Euro. Serienmäßig gibt es nun den Müdigkeitswarner und die City-Notbremsfunktion. Ansonsten bietet die Liste der Sonderausstattungen noch reichlich Gelegenheit, um das Portemonnaie zu erleichtern.

Die Grundlagen für einen anhaltenden Erfolg der A-Klasse dürfte Mercedes mit der Überarbeitung geschaffen haben. Die Stärken der A-Klasse, das sportliche Design und die guten fahrdynamischen Eigenschaften, hat man gut konserviert. Hinzu kommen mehr Konnektivität und ein deutlich verbessertes Fahrwerk. Gerade im letzten Monat erst stiegen die Verkaufszahlen des Kompaktmodells mit Stern noch mal um 35 Prozent an. Und das direkt vor einem Facelift. Das gibt es auch nicht alle Tage. Der große Sprung nach vorne zahlt sich bisher voll aus.

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