Überarbeiteter Audi A1 : Mal mit dreien, mal mit zwei

Audi hat sich bei der Überarbeitung seines Kleinsten vor allem auf der Motorenseite Mühe gegeben. Künftig wird es erstmals einen Dreizylinder im Angebot geben. Bei den stärkeren Motoren wird einfach abgeschaltet. Das sportliche Fahrgefühl will sich dennoch nicht so recht einstellen.

Kai Kolwitz
Aufgefrischt und abgetupft. Wie bei Facelifts so üblich, wurde auch beim A1 an der Optik retuschiert.
Aufgefrischt und abgetupft. Wie bei Facelifts so üblich, wurde auch beim A1 an der Optik retuschiert.Foto: promo

Klein kann heutzutage mondäner sein als groß – Prestige, Lifestyle-Faktor und Premium-Anmutung sind längst keine Frage der Fahrzeuggröße mehr. Denn in Zeiten zugeparkter Innenstädte fahren einen kleinen Wagen längst nicht mehr nur die Leute, die sich nichts Größeres leisten können.

Im Umkehrschluss heißt das: In der kleinen Klasse verkauft sich längst nicht mehr nur das, was noch ein bisschen billiger ist als die Konkurrenz. Der neue Mini hatte Anfang der nuller Jahre das Segment der Lifestyle-Kleinwagen so richtig groß werden lassen. Fiat stieg mit dem Cinquecento kurz darauf ebenfalls ein. Audi verkauft seit dem Jahr 2010 den A1. Knapp vier Meter ist er und teilt sich die Plattform mit dem VW Polo. Dem dreitürigen Normal-Audi-Einser steht der Sportback mit fünf Türen zur Seite.

Ab Mai Audi A1 mit Dreizylinder an Bord

Gut 500 000 Mal haben sich die beiden Schwestermodelle bisher verkauft, nach vier Jahren Bauzeit war nun eine Überarbeitung fällig: Ab dem ersten Quartal trägt der A1 deshalb einen geänderten Kühlergrill, Front- und Heckleuchten mit neuer Grafik, außerdem gibt es neue Innendekors und Farbkombinationen für die Außenhaut – was man bei einem Facelift eben so macht. Wirklich spannend ist aber das, was Audi technisch geändert hat. Denn zum ersten Mal in der jüngeren Konzerngeschichte wird ein Audi von nur drei Zylindern angetrieben – oder manchmal sogar nur von zweien, doch dazu später.

Spannender sind die Neuerungen unter der Haube des Polo-Bruders. Dort werkelt nun in Bälde ein Dreizylinder und ein Vierzylinder-Motor mit Zylinderabschaltung.
Spannender sind die Neuerungen unter der Haube des Polo-Bruders. Dort werkelt nun in Bälde ein Dreizylinder und ein...Foto: promo

Ab Mai wird nämlich ein Dreizylinder-Benziner mit einem glatten Liter Hubraum Platz unter der Haube des Audi A1 finden. 95 PS leistet die kommende Einstiegsversion des kleinen Wagens, die den bisher verbauten Vierzylinder mit 86 PS ablöst. Audi verspricht für den Neuen einen Normverbrauch von nur 4,3 Litern Benzin. Und mit nur drei Zylindern wird auch der kleinste Diesel im A1 in Zukunft auskommen. Er ist schon ab Verkaufsstart verfügbar, hier sorgen 1,4 Liter Hubraum für 90 PS, mit nur 3,4 Litern Diesel je 100 Kilometer gibt der Hersteller den Durchschnittsverbrauch an.

Vielversprechendes Paket

Nun definiert sich Premium keineswegs nur über die kleinsten Motoren, die sich bestellen lassen. Und in technischer Hinsicht ist auch der 1,4-Liter-Benziner spannend, den Audi in Zukunft im A1 anbietet. In dem nämlich schalten sich zwei der vier Töpfe ab, wenn ihre Leistung nicht benötigt wird. „Cylinder on demand“ nennt der Hersteller die Technologie für die Zylinderabschaltung, die, natürlich, den Verbrauch drücken soll. Bleibt die Frage, wie deutlich sich das Zylinder-An-und-Aus im Fahrbetrieb spüren lässt. Auf kurvigen Landstraßen in den Bergen durften wir die Antwort darauf suchen. Mit an Bord waren auch die neue elektromechanische Servolenkung, die Audi seinem Kleinsten mit dem Facelift spendiert hat, genau wie das neue adaptive Fahrwerk „Audi drive select“ – es versprach eine nette Runde zu werden.

Bei Verarbeitung und verwendeten Materialien liegt der Audi A1 über dem Niveau seiner Klasse. Allerdings auch bei den Preisen.
Bei Verarbeitung und verwendeten Materialien liegt der Audi A1 über dem Niveau seiner Klasse. Allerdings auch bei den Preisen.Foto: promo

Aber eins vorab: Auch 150 PS Motorleistung aus dem 1,4-Liter und ein auf knackig gestelltes Fahrwerk lassen den Audi A1 nicht zum Rennwagen werden. Der Wagen ist keiner, der den Fahrer animiert, immer noch ein bisschen mehr aufs Gas zu drücken. Dazu fühlt er sich einfach zu neutral an, man spürt den Frontantrieb, der den Wagen gelegentlich über die Vorderräder schieben lässt. Die neue Lenkung vermittelt das typische, leicht synthetische Gefühl, das mit elektrischer Unterstützung in der Regel einhergeht. So muss man sich die Qualitäten des Antriebs erst ein paar Kilometer lang erfahren. Aber dann merkt man: Die Steuerung lässt sich sehr, sehr exakt zirkeln, das macht Spaß in engen Kurven. Und der Motor erreicht sein Drehmomentmaximum von 250 Newtonmetern zwar schon unterhalb von 2000 Umdrehungen pro Minute – aber rein subjektiv sind Spaß und Vortrieb jenseits der 4000 am höchsten. Kurz gesagt, wer flott um die Ecken will, der muss den Wagen drehen lassen. Wer Benzin sparen will, allerdings eher nicht.

Die Materialien sind Premium, die Preise auch

Apropos: Wann vier und wann nur zwei Zylinder am Werk waren – wir haben keine Ahnung. Geräuschkapselung und Motormanagement erledigen die An- und Abschaltung so unmerklich, dass der Fahrer nicht das Geringste davon mitbekommt. 4,7 Liter nennt Audi als Normverbrauch, in den Bergen waren es laut Bordcomputer um die sieben. Wer sich für den A1 entscheidet, der bekommt außerdem ein Auto, auf dessen Rückbank auch Erwachsene eine Weile mitfahren können, ohne dabei allzu sehr zu leiden. Vorne spürt man sowieso keinen Mangel, Verarbeitung und verwendete Materialien sind definitiv Premium. Und dass der kleine Wagen als mobiler Hotspot für die Smartphones der Mitfahrer dienen kann, ist in der Fahrzeugklasse auch nicht selbstverständlich.

Was einem nachhaltigen Erfolg des Wagens allerdings im Weg sein könnte, das sind die Preise, die Audi aufruft: Mit dem Basis-Dreizylinder-Benziner soll der Audi A1 zwar unter 17 000 Euro zu haben sein. Aber jede andere Motorvariante liegt mindestens jenseits der 19 000. Den 1,4-Liter mit der Zylinderabschaltung, den wir gefahren sind, muss man etwa mit minimal 21 300 Euro bezahlen, der fünftürige Sportback liegt jeweils 850 Euro über den Normal-Einser. Klimaanlage und Radio sind immerhin serienmäßig an Bord. Wer wirklich Premium will, der kann natürlich darüber hinaus noch mühelos einige 1000 Euro in Extras investieren. Zugegeben, bei Mini kommt man auch nicht wirklich preisgünstiger weg als bei Audi. Aber für gut 24 000 Euro gäbe es auch schon einen A3 mit der Motorisierung aus unserem Testwagen, von VW-Golf-Preisen mal gar nicht zu reden.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben